Wein und Befindlichkeit

| 18. Mai 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie einen Wein den Sie vor einer Woche getrunken haben und von dem Sie restlos begeistert waren, gestern überhaupt nicht geschmeckt hat? Sie suchen nach einer Antwort dafür und haben keine Erklärung für diesen Umstand. Dabei ist es relativ einfach, gibt es doch oft ganz logische wie auch banale Gründe dafür. Einer dieser Gründe ist oft, so skurril es klingen mag, ganz einfach die aktuelle Tagesverfassung und die damit verbundene allgemeine Laune und Befindlichkeit.

Wein passt sich auch der Laune an

Es könnte zum Beispiel sein, dass Sie eine in allen Belangen tolle Woche hinter sich haben, gut gelaunt sind und sich so richtig auf ein gutes Glas Wein als Abschluss und Einstimmung auf das Wochenende freuen. Da Sie selbst bestens aufgelegt sind hat der Wein förmlich ein leichtes Spiel sich Ihnen ebenso in Höchstform präsentieren zu können. Sie nehmen diese “Einladung” mit Freude an und genehmigen sich sogar ein zweites Glas von diesem tollen Tropfen. Alles in allem ein richtig schöner Ausklang einer erfolgreichen Woche und Einstieg in das bevorstehende Wochenende. Mit einem Wein, der Ihnen viel Freude bereitet hat und von dem Sie restlos begeistert sind.

Nach dem Höhenflug folgt die Enttäuschung

Eine Woche später wollen Sie das Trinkerlebnis wiederholen und öffnen eine neue Flasche jenes Weins, der es Ihnen letztens derart angetan hat. Sie freuen sich darauf und stellen fest, dass irgend etwas anders ist. Sie wissen aber nicht was und haben auch nicht die leiseste Ahnung warum das so ist. Sie lehnen sich zurück und lassen die letzten Tage noch einmal passieren. Dabei bemerken Sie, dass Sie in einer komplett anderen Laune und Verfassung sind als sie es letzte Woche waren. Diese Woche war hart, Sie sind buchstäblich geschlaucht und am Ende des Tages gab es auch noch Probleme in der Firma. Jetzt, zuhause angekommen, wollen Sie nur mehr ihre Ruhe und sich wenigstens ein schönes Glas Wein genehmigen. Was liegt da näher als eine Flasche jenes Weins zu öffnen, der beim letzten Mal so herrlich geschmeckt hat? Und dann diese Enttäuschung. Nicht gerade das was man sich vorgestellt und schon gar nicht erwartet hätte.

Wein spürt wie Sie “drauf” sind

Dabei ist die Antwort ebenso naheliegend wie logisch. Auch wenn sie etwas esoterisch klingen mag. Wein ist wie Sie ein Lebewesen und hat deshalb die Fähigkeit auf seine Art mit Ihnen zu kommunizieren. Wenn Sie gut aufgelegt sind, dann haben ihre Kollegen im Büro auch ein leichteres Leben mit Ihnen. Sind Sie schlecht drauf, dann spüren diese das und treten anders, vielleicht sogar vorsichtiger an Sie heran. Das heisst aber nicht, dass ihre Kollegen sich verändert haben, sie reagieren nur anders auf Sie. Ähnlich verhält es sich mit dem Wein der versucht Ihren Geschmackssinn anzusprechen und diesen zufrieden zu stellen. Wenn Sie bestens aufgelegt sind ist das Leben süss und Ihre Sinne sind offen für angenehme Dinge. Auch Ihr Geschmackssinn reagiert auf diesen Umstand. Sind Sie verärgert oder gar verbittert, dann sollte man sich nicht wundern, wenn sogar der Wein der kürzlich noch so fruchtig war sich heute etwas “herber” präsentiert und deshalb nicht so schmeckt wie man ihn in Erinnerung hat ist. Der Wein jedoch kann nichts dafür. Es ist ausschliesslich Ihr Geschmackssinn der gerade heute nach etwas anderem, vielleicht robusterem oder sogar wilderem, verlangt.

Abwechslung hält die Sinne auf Trab

In so einem Fall sollte man einfach versuchen sich zu entspannen, die Drehzahl nach unten zu drosseln und einmal ordentlich durchzuatmen. War es letzte Woche dieser vorzügliche, fruchtige Sangiovese der Ihnen soviel Freude bereitet hat, greifen Sie heute zu einem kühlen argentinischen Malbec oder gönnen Sie sich einen würzigen Shiraz. Beide passen besser zu ihrer Laune und kommen eher damit klar, wie auch Sie in diesem Fall die Vorzüge dieser Weine schätzen werden. Was selbstverständlich nicht heissen soll, dass das jetzt “Schlechte-Laune-Weine” sind. Ganz im Gegenteil. Sie sind nur nicht so “leichtfüssig” wie der Sangiovese und halten einiges mehr aus. Lassen es es einfach mal drauf ankommen. Und wenn alles nichts hilft, dann gönnen Sie einmal einen schönen alten Weinbrand oder einen richtigen starken, von Torf geprägten Single Malt.

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