Albesani 2013 Barbaresco

| 11. Mai 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Albesani 2013 Barbaresco Barbaresco. Schon der Name löst bei mir erhöhten Speichelfluss aus. Gehört die Rebsorte Nebbiolo nicht umsonst zu meinen absoluten Lieblingen. Wenn dieser dann auch noch von Renato Vaccas Cantina del Pino aus Barbaresco im Piemont kommt, dann ist die Freude umso grösser. Wie alle Weine, ist auch der Albesani 2013 welcher heute am Tisch der Wahrheit steht, ungeschönt und unfiltriert. Es ist Philosophie des Weinguts nicht am Wein “rumzuschrauben”, sondern ihn ohne Manipulation einfach “werden” zu lassen. Mit dem köstlichen Langhe Nebbiolo 2013 und dem Dolcetto d´Alba 2013 hatte ich bereits die Ehre, der Barbaresco Albesani 2013 stellt hier und heute das Highlight der Verkostung dar. Und weil der gute Tropfen für etwas Sauerstoff auch mehr als dankbar ist, darf er sich in der Karaffe eine Stunde mit frischer Luft anreichern, bevor er seinen grossen Auftritt hat. Die Wurst ist aufgeschnitten, das Brot ebenso, das Glas ist poliert, von mir aus kann es losgehen mit dem freudigen Ereignis.

Royaler Duft

Klar und rein wie ein Rubin steht der Albesani im Glas. So klar und transparent, dass man ganz unten sogar noch die Zeitung lesen könnte. Eine süsse Würze steigt die Nasenflügel hoch, ganz leise untermalt von Veilchen und auch Tabaktönen. Waldbeeren mitten drunter, so traumhaft wie berauschend, wie sich der noble Duft nach oben zieht. Frucht und Würze in trauter Harmonie vereint. Ein wenig dürres Holz als Unterfütterung steuert einen zarten Tick von Herbst bei. Ein royaler Duft, gleich einer Königin, die Barbaresco durchaus ist.

Hier kommt die Königin

Und dann “erscheint” sie auf der Zunge. Die Königin. Erst richtig würzig, dann unwiderstehlich süss und dann erst legt sie ihren Mantel aus samtigen Tanninen ab. Was für ein Auftritt, welch Erlebnis das sich hier im Mund abspielt. Reife Kirsche Hand in Hand mit dunkler Waldfrucht, knorriges Geäst mit einer frechen Nelke unterm Arm, darüber heller Tabak und allerfeinster Kalk. Weich steht der Albesani auf der Zunge, griffig und so trocken wie ein Tischtuch fühlt er sich am Gaumen an. Unten aber ist er saftig, reif und schlicht betörend unterwegs. Der Abgang einfach überwältigend, der Nachhall ewig, endlos, “unaufhörbar”. Rote Frucht, noble Würze und das Verlangen, dass dieser Zustand niemals enden möge.

Daran führt kein Weg vorbei

Phänomenal ist, wie sich der Albesani an der Luft entwickelt, wie er aufgeht und immer saftiger und runder wird. Natürlich ist er noch ein junger Hüpfer, doch ist man jetzt schon schwerst begeistert von seiner charmanten Art, seiner Zugänglichkeit und vom Gedanken, was sich da in zwei, drei Jahren abspielen wird. Diese grandiose wie auch feine Süsse die sich frech der Zunge und des Gaumens annimmt, diese dunkle Fruchtigkeit in Kombination mit einer Würze, die so edel wie auch elegant ist. Ganz grosse Oper! Und dann diese Kalkexplosion im Mund. Als würde man mit off´nem Mund und tausend roten Beeren drin durch einen Steinbruch reiten. Und mittendrin die kleine freche Nelke die so tut als würde sie das alles überhaupt nichts angehen. Muss man schmecken, muss man spüren, muss man unbedingt erleben. So geht königlich, so geht Barbaresco.

Drei Stunden dreht der Albesani nun schon seine Runden in der Kanne, und er wird immer süffiger. Immer stärker treten die schwarzen Beeren in den Vordergrund, immer stärker mischt sich die süsse Würze die jetzt auch Lakritze im Gepäck hat ein. Das Gerbstoffkleid wird immer feiner, gräbt sich immer tiefer in den reifen Saft ein. Das Mundgefühl fast unbeschreiblich. Reif, dicht, saftig, füllig, fein, rot, würzig, edel, unerreicht. Man weiss bereits jetzt ohne jeden Zweifel wo diese Reise hingehen wird, wie dieser Wein zu seiner besten Zeit, in seiner besten Form wohl schmecken wird. Es ist in etwa so als würde man nicht auf den fertigen Gugelhupf warten wollen, weil bereits die Masse dafür derart köstlich ist, dass man diese restlos aus der Schüssel löffelt. Sie wissen was ich meine? Dann bunkern Sie von diesem edlen Tropfen was nur möglich ist. Stornieren Sie den Urlaub, überziehen Sie das Konto, kündigen Sie ihre Lebensversicherung (es gibt sowieso keine Zinsen mehr). Wenn Sie Barbaresco lieben, führt am Albesani 2013 kein Weg vorbei. Allerpersönlichste Kaufempfehlung.

Tipp: Geben Sie dem Wein drei, besser vier Stunden in der Karaffe. Ein grosses Glas ist Pflicht. Am besten mit 14-16º genossen. Zur Wurst, zum Braten, zu deftiger Pastaküche oder zu fetthaltigen wie auch kräftig-rustikalen Speisen. Ohne alles ein Weinerlebnis der ganz besonderen Art. Grosses Kino.

Verkostet wurde ein Albesani 2013 Barbaresco von der Cantina del Pino aus Barbaresco im Piemont, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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