Amassa 2016

| 11. September 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Amassa Was Marc Castan auf seiner kleinen Domaine Mâmârutá im Fitou so in die Flaschen füllt, ist durchwegs ziemlich “schräges” Zeug. Und zwar im Sinn von “Wein sollte auf alles verzichten was unnötiger Schnickschnack ist und einfach nur Spass machen.” Wie sehr seine Weine, deren Rebstöcke auf alten Terrassenlagen über der Küste des Mittelmeeres stehen und teilweise über 100 Jahre alt sind, Spass machen, davon konnte ich mich schon des öfteren überzeugen. Ob es ein lustiger Rosé, ein ungewöhnlicher Muscat ein richtig famoser Pétillant naturel, oder ein ungemein trinkfreudiger Roter war, sie waren allesamt echte Spassbolzen. Heute habe ich wieder so einen Kerl von Marc am Tisch der Wahrheit stehen, den Amassa 2016. Eine Cuvée aus Macabeo und Syrah. Auch diese “Mischung” ist wieder etwas schräg, ist Macabeo doch eine weisse Rebsorte (in Rioja Viura genannt). Ich bin also mehr als gespannt, was Marc da wieder abgefüllt hat und bin sicher, dass der Spass auf keinen Fall zu kurz kommt. Eine halbe Stunde darf sich der Tropfen in der Karaffe akklimatisieren bevor er sich im Glas dann austoben darf.

Beeren, Kräuter, weisser Pfeffer

In sehr hellem, fast transparentem Rot funkelt der Amassa im Glas vor sich hin. Unmittelbar nach dem Öffnen hüpfen einem Tonnen frischer Himbeeren in die Nase, nach einer Weile ist der Duft leiser geworden, Kräuter sind zu den Beeren hinzugekommen, etwas weisser Pfeffer sorgt für eine dezente Würze und über allem schwebt eine feine animalische Note, die sich schwer beschreiben lässt. Wie erwartet beginnt das Abenteuer wieder schräg und die Neugier auf den ersten Schluck ist gross.

Seide zum Trinken

Flüssige Seide schiesst mir als erster Gedanke ein. Als würde der Amassa auf der Zunge ein Seidentuch ausbreiten, so fühlt sich der Wein im Mund an. Rotfruchtig einerseits, viele Himbeeren, ein paar Kirschen und eine Textur die einen überwältigt. Auf der anderen Seite bläst der Tropfen wie feiner Sand durch die Futterluke, reibt sich an der Zunge und am Gaumen, lässt einen spüren wie das geht mit edler Haftung. Der Witz bei diesem Wein ist, dass man meinen könnte, sowohl Weiss- wie auch Rotwein zu trinken. Fruchtig, gelbe Würze da, Kirschen, weisser Pfeffer und ein Schuss von rot dort. Mit geschlossenen Augen in der Tat ein schräges Weinerlebnis, das am Ende, wie nicht anders zu erwarten war, für riesengrossen Spass im Mund sorgt. Allein das Mundgefühl ist schon der Hammer. In Verbindung mit der feinen Frucht ein tolles Schauspiel.

Weinvergnügen ohne Reue

Der Amassa ist definitiv ein Fruchtikus. Ein Wein für Leute die gerne Beeren aller Art essen, die eine feine, sehr dezente Würze schätzen und einfach schnörkellosen Weinspass haben wollen. Der Tropfen ist so frisch wie unkompliziert im Mund, hüllt die Zunge a) mit seiner traumhaften Textur und b) mit dem Saft von reifen Kirschen und auch Himbeeren ein. Am Gaumen spürt man wie er sich ganz zärtlich anschmiegt und wie er fein, ja fast schon filigran über ihn hinweg schleicht. Auch im Abgang dominiert die Frucht und je länger man sich mit dem Kerl spielt, umso öfter kommt einem junger Gamay in den Sinn. Der weisse Pfeffer sorgt für ein würziges Finale, was bleibt ist das verlangen nach dem nächsten Maul voll Wein.

Richtig lustig wird der Amassa wenn er reichlich Sauerstoff getankt hat. Dann wird er immer würziger, der Pfeffer übernimmt das Kommando, die Frucht tritt ein wenig zurück und er entwickelt sich zu einem ungemein schlanken wie auch charaktervollen Wein. Das Gerbstoffkleid wirkt fast porös und sorgt mit seinem feinen Grip für ein eindrucksvolles Mundgefühl. Man spürt wie leicht der Wein ist (12,5 PS), wie unbeschwert und wie beschwingt er sich im Mund bewegt und wie locker man ihn trinken kann. Der Amassa ist ein Wein, dem man sich bedenkenlos hingeben und von dem man reuelos ein drittes und auch viertes Glas geniessen kann, ohne sich den Kopf zerbrechen zu müssen. Das ist Spasswein pur, Weinvergnügen ohne Reue, etwas schräg und doch richtig aufregend. Ich gönn mir noch ein Glas von diesem Luftikus.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe sollte er bekommen. Mit 14-16º geniessen. Passt hervorragend zu Tomatengerichten oder auch zu deftigen Eintöpfen. Ohne alles ein frischer, unkomplizierter Wein der einfach Spass macht.

Wein & und Winzer-Info:

Amassa
Wein: Amassa 2016
Winzer: Mâmârutá
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: -2018+
Anbau: Biologisch
Ausbau: gebr. Barrique
Besonderes: Naturwein
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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