Auxey-Duresses Premier Cru 2011

| 8. September 2016 | 0 Kommentare Alles lesen

Boisson-Vadot Premier Cru 2011 Zeit wird´s, dass wieder einmal ein anständiger Pinot Noir am Tisch der Wahrheit steht. Geht ja gar nicht so ganz ohne. Aber wenn schon, dann bitte gleich ein hochwertiger Premier Cru, der am besten aus dem Hause Boisson-Vadot aus Meursault kommt. So einer wie der Auxey-Duresses Premier Cru 2011. Auxey-Duresses liegt westlich von Meursault und Pommard und ist (noch) ein Insidertipp. Was eigentlich unverständlich ist, wird dieser Pinot doch immer wieder mit so grossen Tropfen wie jenen von Coche-Dury verglichen. Und manchmal sogar verwechselt. Jene kleinen Mengen die Bernard Boisson Jahr für Jahr produziert sind ausverkauft bevor sie überhaupt am Markt sind. Was es umso schwieriger macht an ein paar Flaschen ran zu kommen. Eine dieser Flaschen steht aber heute hier vor mir und es wird mir eine Freude sein, diesen schon im Vorfeld hochgepriesenen Pinot Noir im Glas zu haben. Für eine gute Stunde kommt der Auxey-Duresses aber vorher noch in die Karaffe, weil alle Weine Bernard Boissons Luft brauchen und dann geht´s ab mit ihm in den Burgunderkelch.

Rein & glockenklar

In knalligem kirschrot leuchtet der Auxey-Duresses aus dem Becher. Dabei ist er fast so gut wie transparent und glasklar. Kirschen dann auch in der Nase. Und Himbeeren. Ebenso klar und rein in der Wahrnehmung. Fast schon filigran wenn es um das “Nasengefühl” geht. Über allem steht eine feine Würze die an Feuerstein erinnert. Zarte florale Noten tauchen im Hintergrund auf, etwas Pfeffer und ein Tick von Salz. Das ist ein Duft zum irre werden. Einfach gross. Wie gemalt.

Schlank, fein, filigran

Und plötzlich geht die Sonne auf! Extrem schlank strömt der Auxey-Duresses auf die Zunge, erst dann breitet er seinen Mantel aus und lässt einen Schwall von seidigen Gerbstoffen auf sie entweichen. Dabei fühlt er sich überraschend weich an, auf der Zungenspitze und an deren Rändern spürt man intensivste Mineralik arbeiten. Feuerstein und Salz zaubern einem ein breites Grinsen ins Gesicht. Erst jetzt schmeckt man die reife Kirsche. Als hätte sie darauf gewartet, dass der erste gewaltige Eindruck den die Mineralik hinterlässt verfliegt und sie dann in aller Ruhe ebenso zeigen kann wozu sie in der Lage ist. Am Gaumen weht indes ein feiner pfefferwürziger Nebel vorbei und hinterlässt im Abgang einen sowohl rotfruchtigen, in erster Linie aber sehr mineralischen Eindruck. Ein filigraner Wein, ein schlanker, ein charmant spröder und ausgesprochen trinkiger Tropfen ist er, der Auxey-Duresses. Einfach gross.

Kistenweise bunkern!

Wie erwartet dreht der Auxey-Duresses aber erst so richtig auf wenn er eine Ladung Luft geschnappt hat. Und die schnappt er rasend schnell. Dann entfaltet er sich wie eine Lotosblume, schmeisst mit reiner Kirsch- und Himbeerfrucht um sich, welche aber wunderbar in einer salzig-mineralischen Hülle eingebettet ist. Dann zeigt er seine ganze spröde Filigranität, beeindruckt mit seinem leichten Körper mit dem er fast schwerelos im Mund steht und betört mit einer ungemein feinen Pfefferwürze die ihm etwas Feuer einhaucht. Das ist wahrlich grosses Kino was da im Mund abgeht. Das Gerbstoffkleid ist butterweich, leicht mürbe und erzeugt ein traumhaft feines Mundgefühl. Untermalt von roter Frucht, von salzigem Stein und einer dezenten rauchigen Note. Was da im Glas steht gehört ohne jeden Zweifel bereits zur absoluten Oberliga.

Der Tropfen wird immer besser. Was da mit Zeit und Luft an Finesse durchkommt ist einfach gewaltig. Mit einer fast schon brutalen Klarheit steht der Auxey-Duresses im Mund, lässt einen spüren wie grazil und elegant er ist und wie perfekt die salzig-mineralische Ader mit der feinen Rotfruchtigkeit harmoniert. Schlichtweg beeindruckend. Sogar die Pfefferwürze ist darauf bedacht nur ja nicht zu sehr in den Vordergrund zu treten. Alles ist im Fluss, der Wein mit sich im Reinen und ich bin einfach nur begeistert was ich da für lächerliche 29 Euro trinke. Premier Cru, in dieser Qualität, zu diesem Preis; ein Witz. Ein Pinot Noir den man sich am besten kistenweise bunkern sollte. Der totale Wahnsinn. Absolute Kaufempfehlung mit drei hochgestreckten Daumen hintendran.

Tipp: Gönnen Sie dem Wein eine Stunde in der Karaffe und geniessen sie ihn mit frischen 16º. Hervorragend zu kurz gebratenem Fleisch oder auch Fasan und Rebhuhn. Oder als Solist um ihn in seiner ganzen wunderbaren Pracht zu erleben.

Verkostet wurde ein Auxey-Duresses Premier Cru 2011 von der Domaine Boisson-Vadot aus Meursault im Burgund, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

Stichwörter: , , , , , , , ,

Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

Ihr Kommentar