Blaufränkisch ‘Szapary’ 2009

| 7. Juni 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Die dritte Verkostungsrunde von Uwe Schiefers Weinen wird mit dem Blaufränkisch ‘Szapary’ 2009 eröffnet. Ein Blaufränkisch der irgendwie zwischen den ‘Stühlen’ steht. Einerseits gibt es da den preiswerten Blaufränkisch ‘Eisenberg’ von Uwe Schiefer und dann gibt es den Blaufränkisch ‘Reihburg’ (wird demnächst vorgestellt), welcher zu den besten Rotweinen Österreichs gehört. Sich in dieser Mitte zu behaupten ist nicht leicht und man muss schon ganz besondere ‘Talente’ haben um gegen diese beiden Tropfen zu bestehen. Der Szapary hat es geschafft sich seinen Platz zu erobern und erweitert dieses Duo stolz zu einem aussergewöhnlichen Trio.

Unverkennbar mit der abstrakten Grafik auf dem Etikett steht die Burgunderflasche hier am ‘Tisch der Wahrheit’. Dunkelrot ist der grosse ‘Tropfen’ und der Name auf dem weissen Stück Papier und in silber die Rebsorte aufgebracht. In schwarz wie üblich schiefer auf dem Etikett. Der Rest steht wie gehabt am schwarzen Rückenetikett. Mit allem was man wissen muss und soll. Besonders hervorgehoben soll dabei sein, der Wein ist unfiltriert.

Untypisch Blaufränkisch

Nach einer Stunde Luftaufnahme kommt der Szapary ins Glas. Dort steht er dicht und in dunklem granatrot mit violetten Reflexen und zieht einen vollflächigen Film über die Glaswand. Es riecht würzig aus dem Kelch, gehaltvoll legt sich der Duft an den Nasenwänden an und bleibt lange haften. Es ist ein untypisches Blaufränkisch-Bukett, es riecht anders. Sogar ein feiner Anflug von Orangenschale umweht die Nase. Kirschfrucht kommt ‘von hinten’ und insgesamt duftet es intensiv und aromatisch.

Kraftvoll filigran

Entgegengesetzt zu dem was man erwartet hätte, trifft der Szapary mit einer reifen, saftigen Fruchtigkeit auf den Gaumen die einerseits sofort in absoluter Trockenheit verschwindet, im Abgang aber eine freche Fruchtsüsse hinterlässt. Das ist der erste Eindruck den der Szapary hinterlässt. Beim zweiten Schluck ‘hört’ man genauer hin, man spürt ganz leichte Holzaromen, eine saftige, hocharomatische Würze und, was interssant ist, eine vollkommen andere Stilistik als jene die man von Uwe Schiefers ‘Eisenberg’ kennt. Hier steht was Grosses, Feines im Glas, etwas Saftiges und Reifes, etwas das Kraft und dabei null Probleme hat trotzdem filigran und leicht zu bleiben. Der Szapary ist edel in des Wortes Sinn, er wirkt füllig und ist doch feingliedrig, er fühlt sich opulent an, bleibt aber schlank und verflüchtigt sich kühl und rassig auf der Zunge und am Gaumen.

Interessant auch seine feine Säure mit der er die Zunge und den Gaumen streichelt, um sich von Kirscharomen begleitet, in einem lang anhaltenden, fruchtsüssen Nachhall zu manifestieren. Über all dem schwebt ein leicht rauchiger Film mit einem Hauch von Orangenschale. Der Szapary wirft Fragen auf, lässt einen rätseln, verwundert einen. Es ist dieser Spagat zwischen Kraft und Filigranität welche er eindrucksvoll und ohne Anstrengung schafft. Als Draufgabe packt er Gerbstoffe oben drauf die so seidig fein und vornehm sind, dass es eine reine Freude ist sie zu spüren. Sie runden eindrucksvoll diesen süssen Zauber auf der Zunge ab.

Wein für ‘Zuhörer’

Der Szapary gehört eindeutig zu jenen Weinen die man sich aufmacht und dann Stunden mit ihnen verbringt. Sich förmlich mit ihnen ‘unterhält’. Auch wenn das viele für esoterisches Geschwätz halten, man kann sich vorzüglich mit Weinen unterhalten und sie dabei kennenlernen. Eindrucksvoll mineralisch ist der Szapary und macht mächtig Druck im Mund, um wie von Zauberhand, sich in einer luftig-leichten, rauchigen Wolke aufzulösen. Einfach beeindruckend das Instrumentarium dessen sich der Szapary bedient. Er fordert einen, spielt mit einem und lässt einen in verzückter Neugier auf den nächsten Schluck zurück. Er wirft mit saftig-reifer Frucht um sich um augenblicklich zu verdunsten und kommt im Abgang noch einmal zurück, mit einer Süsse die von feiner Würze begleitet wird. Danach legt er sich am Gaumen an und hinterlässt dort seine ‘Signatur’ die aromatischer nicht sein könnte.

Die einzige Gefahr welche dieser Tropfen in sich birgt ist, dass man ihn zu unaufmerksam und zu selbstverständlich trinkt. So schmeichelhaft, so verzaubernd und betördend ist er. Er trinkt sich ob seiner fruchtigen Saftigkeit viel zu leicht und lässt einen dabei ‘übersehen’ wie vielschichtig, wie komplex er eigentlich ist. So präsent er sich im Mund bemerkbar macht, so schlank ist er in seiner Struktur, zeigt Rasse und wirkt trotzdem richtig füllig. Der Szapary ist eine Persönlichkeit, hat Charakter und ist äusserst eigenständig. Die 28 Euro die er ab Hof kostet ist er mehr als wert. Für mich persönlich ist der Szapary ein Wein von dem ich ‘lernen’, mich in meinen Wahrnehmungen ‘weiterbilden’ und von Gewohntem loslassen kann. Grosser Wein, grosses Kino.

Tipp: Lassen Sie den Wein 1 Stunde im Dekanter atmen und servieren sie ihn bei ca. 18º, im Sommer 1-2º kühler. Geniessen Sie den Wein wenn ihr Ruhepuls unter 60 liegt und ‘lauschen’ sie ihm was er zu ‘erzählen’ hat. Wein für ruhige Stunden und intellektuell anspruchsvolle (Selbst)-Gespräche.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch ‘Szapary’ 2009 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer (A), Verkostet

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