Bourgogne blanc “Vieilles Vignes” 2012

| 10. Dezember 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Wenn über grossartige, aussergewöhnliche und weltberühmte Weinregionen auf diesem Planeten philosophiert wird, darf eine niemals fehlen; Meursault. Ein Zauberwort, bei dem jeder Weinenthusiast augenblicklich freudigst erregt durch die Gegend zu hüpfen beginnt. Heute steht so ein Tropfen von Jean-Philippe Fichet am Tisch der Wahrheit, der Bourgogne blanc “Vieilles Vignes” 2012. Ein waschechter, lupenreiner Chardonnay aus Meursault. Jean-Philippe Fichet geht es nicht um Dichte, Fülle und Opulenz in seinen Weinen, er bevorzugt die filigranen, die klaren und feinen Töne und so gehören seine Weine auch zu jenen, die weit abseits der holzgeschwängerten Kaliber angesiedelt sind. Und genau einen solchen werde ich jetzt bis aufs letzte Glas erkunden.

Fichet Vieilles Vignes 2012 Französische Klassik. So könnte man das Etikett am treffendsten beschreiben. Auf hellem Papier in schwarzer, klassischer Outline-Typo BOURGOGNE BLANC und darunter Vieilles Vignes aufgedruckt. Vin de Bourgogne oben in kupfer und unten einfach Jean-Philippe Fichet. Auf einer schwarzen Flappe die aus dem ganzen Etikett gestanzt ist steht in weiss der Jahrgang 2012 drauf. Oben ist ein kleiner extra gestanzter Sticker aufgeklebt auf dem eine biblische Figur unter einem Torbogen zu sehen ist. Da es kein Rückenetikett gibt steht der Rest an Information ganz klein und fein am seitlichen Rand. Eine weisse Halsmanschette fasst die Flasche ein, bedruckt ist sie kupfer. Insgesamt ein wie bereits erwähnt sehr klassisches und auch modernes Erscheinungsbild. Der Wein ist gut gekühlt und deshalb darf er jetzt endlich aus der Flasche hüpfen. Einen Meursault lässt man nicht warten. Los geht´s.

Frische Wiese und etwas Salz

Helles strohgelb dreht im Burgunderbecher seine Runden. Was sofort auffällt ist, dass einem keine wuchtigen Holzaromen in die Nase strömen, es vielmehr sehr fein und relativ steinig riecht. Frisch ist es, eine Brise Akazie weht vorbei, eine äusserst zarte Zitrusnote taucht auf. Der Rest ist fast schon kräutrig, lässt frische Wiese und ein wenig Salz riechen. Letztlich ist es ein komplett ungewohnter, untypischer Meursaultduft, so es diesen gibt. Es ist definitv anders, weil eben überhaupt nicht holzvanillig.

Salzig, grün, pikant

Wie sich der Vieilleis Vignes im Mund anfühlt? Zitrussalzig. So und nicht anders. Weich und rund im Körper, extrem frisch, fast schon kristallin das Mundgefühl. So weich der Wein im Mund liegt, so klar fühlt er sich an, verwöhnt die Zunge mit einer Aromatik, die, dank so gut wie vollständig fehlendem Holz, wunderbar klar und rein ist. Da fliesst das Salz breit über die Zunge, neckt die Zungenränder und der Kalk bleibt wie ein Tuch am Gaumen haften. Dazu gesellt sich eine grüne Pikanz die dem Wein noch zusätzlich Dynamik einhaucht. Ein Wein der den Mund verwirrt ob seines vielschichtigen Erscheinungsbildes. Keine Frucht aus dem gewohnten Obstkorb, vielmehr gemüseartiges wie Ingwer, Anis und auch grüner Kohl. Versetzt mit frisch gepresster Zitrone im Salzmantel. Mineralik pur und erst am Ende dieses cremig-weiche Mundgefühl. Der Abgang salzig, der Nachhall grünpikant.

Meursault zum Verlieben

Zugegeben, der Vieilles Vignes ist kein Einstiegswein für den unbedarften Burgunderfreund. Und auch für Meursault ist er eher nicht gerade typisch. Man muss sich den guten Tropfen schon erarbeiten. Dafür verzaubert er dann Zunge wie auch Gaumen mit einer aussergewöhnlichen Aromatik wie einem ebensolchen Mundgefühl. All das gibt er aber nur preis, wenn man ihm auch entsprechend Luft gönnt. Die braucht er nämlich. Dann schmeckt man seine extreme Salzigkeit, seine frischen Zitrusnoten und am Ende auch etwas Aprikose. Im Abgang sogar etwas Sauerkraut, was völlig ungewohnt ist. Letztlich ein rein auf Mineralik ausgelegtes Wunderwerk, das mit Mainstream-Meursaults nicht viel zu tun hat. Alles fühlt sich filigran im Mund an, wirkt leicht, feingliedrig und verletzlich. Und doch ist da im Hintergrund dieses traumhaft weiche, runde, an Labello light erinnernde Gefühl. Nach zwei Stunden wird der Tropfen richtig munter und es ist eine pure Freude ihn jetzt so klar und rein im Mund zu spüren.

Jetzt singt er, der Vieilles Vignes. Jetzt steht er breit und trotzdem klar auf der Zunge. Er füllt sie, hat aber kein Gewicht. Er ist weich und seine slazig-zitronige Aromatik macht ihn frisch. Dazu noch das grünpikantige das sich aus dem Kalk hervor zwängt und fertig ist ein Wein, der immer mehr zum absoluten Liebkind wird. Sowie man ihn verstanden hat, sowie man sich mit ihm arrangiert hat, ist es nicht mehr möglich sich ihm zu entziehen. Dann will man immer mehr davon. Will immer mehr dieses ungewöhnliche Mundgefühl in Kombination mit diesem untypischen Geschmack. Man wünscht sich in den Zustand einer Endlosschleife, weil das was auf den Lippen cremig anliegt nicht mehr weg geht, weil der Gaumen den grünen Kalk zu lieben begonnen hat und die Zunge vom Salz einfach nicht mehr los kommt. Der Vieilles Vignes hat zugeschlagen. Langsam, hinterhältig und am Ende unerbittlich. Was wird aus dem erst wenn er noch ein paar Jährchen in dunklen Kellern vor sich hin reift? Kaufen was geht, das ist Meursault zum Verlieben!

Tipp: Ein bis zwei Stunden unbedingt in der Karaffe dümpeln lassen. Mit 11-13º aus dem grossen Kelch trinken. Zu klassischer französischer Küche sowieso, aber auch zu lokaler Küche immer passend. Als Solist ein Wein den man sich erarbeiten muss.

Verkostet wurde ein Bourgogne blanc “Vieilles Vignes” 2012 vom der Domaine Jean-Philippe Fichet aus Meursault, Burgund, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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