Camestri 2015 bianco Roero Arneis

| 16. Juli 2016 | 0 Kommentare Alles lesen

Camestri 2015 Zurück im Piemont. Dort, wo man sonst Barolo oder Barbaresco besucht und dabei gerne vergisst, dass es da noch andere feine Orte neben diesen beiden Legenden gibt, nämlich Alba und dort wieder die Hügel rund um Guarene und Canale. Genau dort ist das Weingut Porello, welches Marco Porello seit 1994 in dritter Generation führt, zuhause. Dort pflanzt er Nebbiolo, Barbera und auch die sehr alte autochthone Rebsorte des Piemont, Arneis, an. Frei übersetzt heisst Arneis in etwa soviel wie “die kleine Schwierige”, und obwohl sie so genannt wird, hat man sich mit ihr schon im 15. Jahrhundert unter den Bezeichnungen Renesium und Ornesio “auseinandergesetzt”. Der Wein der von Marco Porello heute am Tisch der Wahrheit steht ist sein Roero Arneis “Camestri” 2015, der von kalkhaltigen und sandigen Böden stammt und bis zu seiner Abfüllung im Stahltank auf der Hefe lag. Camestri heisst übrigens der Weinberg in dem die Rebstöcke für diesen Wein stehen und der liegt in der Gemeinde Vezza d’Alba. Jetzt aber kommt der Roero Arneis, von dem übrigens viel zu wenig bei uns getrunken wird, ins Glas und ich bin gespannt ob er an meine bisherigen durchaus positiven Arneiserfahrungen anschliessen kann.

Floral & feminin

Aus dem Glas funkelt der Camestri in hellem strohgelb mit feinen grünlichen Reflexen. Ein sehr feiner, mit sehr vielen floralen Noten unterlegter Duft strömt einem in die Nase. Weisse Blüten, etwas Quitte, ein wenig Ringlotte, sehr zart und überhaupt nicht aufdringlich. Grüner Apfel schaut vorbei und am Ende bleibt nur ein wunderschöner Nebel von Blütenaromen übrig unter welchen sich ein Tick von Süssholz mischt. Insgesamt ein sehr femininer Duft der grosse Lust auf den ersten Schluck macht.

Herrlich herb und blütenweiss

Wunderbar weich, fast schon cremig fühlt es sich an wenn der Camestri in den Mund kommt. Er wirkt frisch, zeigt aber auch sehr schönen Schmelz am Gaumen der sich dicht und gelb an ihm anschmiegt. Auf der Zunge steht ein Wein der durchaus Körper zeigt, der verhalten in der Säure ist und der sich vor allem durch seine weisse, zart herbe Blütenaromatik auszeichnet. Erst danach schmeckt man etwas Ringlotte und auch ein wenig Quitte. Irgendwie schmeckt der Camestri wie eine elegante Mischung aus Sauvignon Blanc und Viognier, wobei in diesem Fall der Viognier die Führungsrolle inne hätte. Hat er aber nicht, weil es Arneis ist und dieser nur sich selbst führt. Soviel zum kleinen Aromatikausflug. Am Gaumen selbst hat man das Gefühl als würde man einen leichten Hauch von Kalk und Sand spüren, es ist weiss, es ist herb und es ist mineralisch. Der Abgang ebenso herb wie blütenbetont, sehr ausgeprägt und lang.

Einfaches und ehrliches Trinkvergnügen

Bekommt der Camestri etwas Luft entfaltet er seinen wahren Charakter. Da geht er auf, entblättert sich geradezu und zeigt die vielen Schichten die er angelegt hat. Da kommt weisser Stein zum Vorschein, die Quitte zeigt sich von ihrer herben aber doch recht saftigen Seite, der Kalk bläst eine Wolke durch den Mundraum und wenn alles vorbei ist legt sich ein wunderschöner weisser Film am Gaumen ab. Als hätte man den Duft der Lilien geatmet. Ganz frech taucht im Hintergrund die kleine grüne Apfelspalte auf und macht auf spritzig und lebendig. Überhaupt entwickelt sich der Camestri an der Luft hin zu einem doch recht lebhaften Tropfen, der letztlich frisch und knackig erscheint. Man spürt auf der Zunge dieses leise, feine pulsen, man merkt wie der Wein zu leben beginnt und wie sich die ganz tief vergrabene Säure ein wenig durchgräbt und für Aktivität im Mund sorgt. Ein sehr schöner, vielschichtiger und ebenso eleganter Wein der dank seiner herben Aromatik äussert animierend ist.

Je länger der Camestri hier offen steht, umso grösser wird der Spass den ich mit ihm habe. Ich mag dieses einerseits körperreiche Gefühl im Mund, das aber trotzdem fein und elegant ist, und dazu diese weisse Blütenherbheit. Ich würde den Tropfen auch sofort irgendwo im Süden Frankreichs verorten. Er würde sich dort einfügen ohne dass irgendwer etwas bemerken würde. Dabei ist der Camestri, so man das überhaupt sagen darf und soll, nur ein kleiner Wein von Marco Porello, einer für jeden Tag, einer, an dem man sich reuelos und noch dazu recht günstig erfreuen kann. Nicht einmal 9 Euro kostet dieser Schatz aus dem Piemont und so wie der sich trinkt, kann man sich locker eine Kiste oder zwei davon in den Keller legen, garantiert der Wein doch feines wie ehrliches Trinkvergnügen für die nächsten vier bis fünf Jahre. Ich werfe mir jetzt Pasta in den Topf und “veredle” diese dann mit selbstgemachtem Pesto Genovese. So einfach geht es.

Tipp: Eine halbe Stunde offen stehen lassen reicht. Dann mit 10-12º geniessen. Eignet sich herrvorragend als Aperitif, zu Fisch, zur einfachen Pasta, zu knackigen Gemüsegerichten oder einfach als Solist zum entspannten Genuss.

Verkostet wurde ein Camestri 2015 bianco Roero Arneis von Marco Porello aus Canale im Piemont, Italien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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