Camino de Navaherreros 2015

| 3. Februar 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Navaherreros Eines vorweg: Merken Sie sich DO Vinos de Madrid. Von dort wird man dieses Jahr und auch die kommenden einges hören. Dafür sorgen wird nicht zuletzt ein Betrieb, den man jetzt schon aufs Radar nehmen sollte; Bodegas Y Viñedos Bernabeleva/Orusco in San Martín de Valdeiglesias/Madrid. Bernabeleva heisst soviel wie “Bärenwald” bzw. “Der Weg des Bären”, und dieser Weg führt kerzengerade in den Garnacha-Himmel. Was Weinmacher Marc Isart Pinos aus den über 80 Jahre alten Rebstöcken in Wein verwandelt ist einfach grandios. Hatte ich bereits 2014 jenen Wein der heute hier am Tisch der Wahrheit steht im Glas, so setzt sich der Camino de Navaherreros 2015 endgültig die Krone auf. 100% Garnache, 100% anders und absoluter Suchtstoff. Das ist Grenache wie Sie ihn vorher mit Sicherheit noch nie getrunken haben, und glauben sie mir eines: wenn Sie den gekostet haben, und das ist nur der Einstiegswein, wollen sie das ganze Sortiment kennenlernen. Also, ab in die Karaffe mit dem Teil und zumindest eine halbe Stunde darin stehen lassen. Der braucht Luft und bedankt sich dafür mit einem wunderbaren Auftritt.

Klar und rein und fein

Hell und klar wie ein Gebirgsbach steht der Camino de Navaherreros in leuchtendem kirschrot im Glas. Einfach verführerisch ist die Duftwolke die einem daraus entgegen strömt. Frische Erdbeeren riecht man, Kirschen, Himbeeren, aber auch Lavendel sowie frisch geknicktes trockenes Geäst. Alles fühlt sich ungemein leicht an in der Nase, da ist keine Schwere oder Pappigkeit, das ist elegant und ausgesprochen aromatisch. Die Würze einfach eine Offenbarung. Ich freue mich schon auf den ersten Schluck.

Neckisch, fein & richtig elegant

Da ist es wieder! Dieses traumhafte Mundgefühl, dieser betörende Geschmack, diese Verspieltheit. Reife rote Beeren tummeln sich auf der Zunge, keinesfalls überreif sondern richtig auf den Punkt gebracht. Das ist neckisch und macht Spass. Unterfüttert ist das Spiel der Himbeeren und der Kirschen mit einer wunderbar feinen Würze die auch ein wenig Nelke mit sich führt. Was für ein Kick! Und erst das Gerbstoffkleid! Kaschmir auf der Zunge und am Gaumen, hoch präsent und allerfeinst. Man hat so gut wie kein Gewicht im Mund, der Wein ist leicht, fein texturiert und fühlt sich herrlich aufgelockert an. Das ist Grenache wie man ihn bisher noch nicht kannte. Ultrafein, richtig elegant und dermassen süffig, dass man sich schwer beherrschen muss.

Wein für Puristen

Wie schon eingangs erwähnt geht der Camino de Navaherreros erst an der Luft so richtig auf. Er wird immer feiner, scheint an Gewicht laufend abzunehmen und steht fast schwerelos im Mund. Das Spiel der Himbeeren mit der Nelke, die Verschmelzung der Erdbeeren mit Lavendel, einfach traumhaft. Darunter eine Würze die so edel wie dezent ist. Eine feine Kräutrigkeit entwickelt sich, Thymian taucht auf, auch etwas Rosmarin. Während sich die Zunge im Saft von reifen roten Beeren und ein wenig Kirsche suhlt, erfreut sich der Gaumen einer Tanninbespielung die schlichtweg süchtig machend ist. Der Abgang selbst ein Schauspiel dessen, wie sich rote Frucht mit brauner Würze und einer guten Prise Pfeffer zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Der Nachhall rotfruchtig, zart würzig und überraschend lang. Was liebe ich diesen kleinen Wein!

Der Camino de Navaherreros ist definitiv ein Wein für Puristen. Für Leute denen Mundgefühl vor überbordenden Geschmack geht, die Grandezza und Klarheit üppiger Angeberei bevorzugen. Und, für jene die es lieben, ein rot schmeckendes und sich leicht pfeffrig anfühlendes Tanninmäntelchen im Mund zu spüren. Dass alles kühl und frisch ist versteht sich bei diesem höchst animierenden Tropfen von selbst. Der Trinkfluss ist gewaltig und wer nicht aufpasst, hat schneller eine leere Flasche vor sich stehen als er seinen Teller leer gegessen hat. Wenn ich persönlich träumen darf, dann stelle ich mir ein richtig dickes Bistecca alla Fiorentina und ein Fläschchen dieses Spassbolzens dazu vor. Der Wein mit einer Stunde Luft befeuert und das Steak direkt aus dem Feuer auf den Tisch. Ich glaub ich sollte wieder munter werden. Noch einmal zu Bernabeleva: Merken Sie sich diesen Namen. Von dort wird Spaniens neuer Kultstoff kommen!

Tipp: Eine Stunde Luft sollten Sie ihm gönnen. Mit frischen 16º trinken. Zu Steaks der Oberhammer, zu anderen Fleischgerichten aber ebenfalls ein toller Begleiter. Als Solist einer der sich wie von selbst in Luft auflöst. Grosser Trinkspass!

Verkostet wurde ein Camino de Navaherreros 2015 von Bodegas Y Viñedos Bernabeleva/Orusco aus San Martín de Valdeiglesias/Madrid, Spanien. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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