Cassiano S.C.M.P.T. 2009

| 23. September 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Zum letzten Mal wird heute eine der gräflichen Burgunderflaschen aufgemacht und ihrer Bestimmung zugeführt. Es ist der letzte Wein aus dem Hause Manincor (zumindest in dieser ‘Grösse’) den wir Ihnen heute vorstellen und der hat es wahrlich in sich. Die Cuvée namens Cassiano steht vor uns, aus 2009 ist sie und aus 60% Merlot, 30% Cabernet Franc sowie aus Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Tempranillo und Syrah besteht sie. Sechs grosse Rebsorten welche allesamt von den besten Rotweinlagen Manincors, Seehof und Panholzerhof stammen. Jede einzelne Charge wurde separat gekeltert, im großen Holzbottich auf den eigenen Umgebungshefen spontan vergoren und durfte dann achtzehn Monate in zu einem Drittel neuen Barriques reifen. Wir machen diese kunstvolle Komposition heute für Sie auf und sind gespannt auf diesen Edeltropfen.

In dem der ‘Herz’-Linie des Hauses angepasstem Design prangt der Name CASSIANO in dicken weinroten Lettern auf dem sandfarbenen Etikett. Darunter fein säuberlich aufgezählt was drin ist. S für Syrah, C für Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, M für Merlot, P für Petit Verdot und letztlich T für Tempranillo. Im feinrandigen Oval der Jahrgang und in Kapitalen Manincor darauf. Natürlich über allem die gräfliche Krone.

Auch auf diesem Etikett erfährt der Interessierte alles über die empfohlene Trinktemperatur sowie Dekantierzeit und natürlich auch über die Wahl des richtigen Glases am äusseren Rand der Beklebung. Gegenüberliegend alles was es noch zu wissen gilt. Entsprechend den Empfehlungen füllen wir den Cassiano um und lassen ihn 60 Minuten atmen. Eine Stunde aus der sowieso wie üblich wieder mehr wird weil wir zuerst einmal das Riechorgan beschäftigen und uns sprichwörtlich an den Wein ran ‘schnüffeln’.

Kühle Eleganz im Duft

In schönstem und leuchtend funklendem krischrot beeindruckt der Cassiano im Glas. Die Farbe ist dicht gewirkt, bleibt aber trotzdem klar und lässt tief blicken. Aus dem Glas heraus duftet es nach Kräutern, saftig reifen Kirschen und eine sehr feine Holznote begleitet den Aromenstrauss. Es duftet verhalten, es macht keinen Lärm in der Nase und es riecht fein und vornehm. Speziell diese Kräuterwürze gibt dem Bukett seinen besonderen Touch. Auch riecht es weniger warm, sondern vielmehr kühl und frisch und richtig animierend. Ganz Gentleman-like übt sich das Bukett in Understatement, das gekonnt und eindrucksvoll mit kühler Eleganz besticht.

In Kräuterwürze eingelegte Kirschen

Zeit den Cassiano auch im Mund zu ‘spüren’. Würzig, kräutrig, leicht rauchig. Das sind die ersten Assoziationen die einem in den Sinn kommen. Der Cassiano fliesst sehr weich auf die Zunge und man spürt förmlich wie der Saft von reifen, dicken fetten Kirschen austritt. Alles verwoben mit samtigen Gerbstoffen die für ein wohliges Mundgefühl sorgen. Auch wenn der erste Schluck noch überrascht und ein wenig gewöhnungsbedürftig sein mag, spätestens beim zweiten weiss man was hier im Mund gespielt wird; grosses Kino nämlich. Das kräutrige Element in diesem Tropfen ist eindeutig der Kommandant im Konzert der Aromen und wird perfekt von einer ausgeprägten Würze begleitet, welche selbst wieder durch den fleischigen Saft von Kirschen ein harmonisches Ganzes ergibt. Der Cassiano ist ein ‘weicher’ Wein, einer der entschleunigt und einen ‘runter holt’. Mit reichlich Saft, elegantem Körper und Finesse.

Nobles Understatement

Wie zu erwarten war wird der Cassiano mit zunehmender Luft immer runder und besser. Am Gaumen wird er immer präsenter, entlädt sich dort eindrucksvoll mit einem leicht herben ‘Nachschlag’ und sorgt mit einem ausgeprägt kräuterwürzigen Abgang für einen lange anhaltenden Nachhall. Im Duft wird er immer intensiver, ohne dabei laut zu werden. Im Geschmack wird er konzentrierter, aber auch rauchiger und im Mundgefühl wird er immer saftiger, runder und weicher. All das begleitet von Gerbstoffen die geschmeidig, elegant und hauchzart über die Zunge ziehen. Insgesamt empfindet man den Cassiano als kühl und frisch, bei gleichzeitger Wärme was den Wohlfühlfaktor im Mund angeht.

Faszinierend ist der ganz feine bittere Unterton der sich in diese absolute Trockenheit einschleicht und auf nobles ‘Understatement’ macht. Betörend, charmant und Eindruck schindend. Ich mag den Cassiano. Weil er verhalten ist, kein grosses Aufsehen um sich macht und ein Meister der leisen Töne ist. Weil er warm und weich ist und trotzdem eine kühle Frische vermittelt. Und weil er Saft und Kraft hat, diese aber zu Gunsten seiner ‘Mitspieler’ die da Kräuter und Gewürze heissen hinten anstellt und sich einfach uneigennützig in das ‘Team’ einbringt. Ich mag ihn aber auch weil er einfach eigenständig ist und Charakter hat. Ob er deswegen ein echter ‘Südtiroler’ ist kann ich nicht beurteilen, aber wenn Südtirol so schmeckt und sich auch so ‘anfühlt’, dann mag ich Südtirol. Und vor allem den Cassiano. Um durchschnittlich 20-23 Euro gibt es diesen edlen Tropfen käuflich zu erwerben und wer eine echte Weinpersönlichkeit erleben will, dem sei diese hiermit wärmstens empfohlen.

Tipp: Geben Sie dem Wein eine Stunde an der Luft und servieren sie ihn bei 16-18º zu Wild, rotem Fleisch und auch zu würzigen Hartkäsesorten. Genehmigen Sie sich den Cassiano solo als Belohnung oder einfach als noble Begleitung durch den Abend.

Verkostet wurde ein Cassiano S.C.M.P.T. 2009 von Manincor aus Kaltern in Südtirol, Italien. Sie wollen mehr über diesen Wein erfahren? Hier stehen Ihnen die wichtigsten Informationen zum Download bereit. Oder besuchen Sie Manincor einfach online.

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Kategorie: Manincor (I), Verkostet

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