Chapeau 2014

| 6. Juni 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Der Winzer trägt Hut. Und damit weiss man eigentlich auch schon um wen es heute geht. Auch seine Weine tragen Hut. Einen (die Basisweine), zwei (die Lagenweine) und drei (die gibt es allerdings noch nicht, die sind für die zukünftigen “Himmelsstürmer” reserviert). Die Rede ist von Lukas Krauß aus Lambsheim in der Pfalz und ich habe heute seinen Basisbasiswein am Tisch der Wahrheit; den Chapeau 2014, eine Cuvée aus Müller-Thurgau, Scheurebe und Weißburgunder. In München habe ich den Wein vor ein paar Wochen bereits kurz verkostet und festgestellt, dass der Chapeau ein echter Spassbolzen ist. Doch davon mehr in Kürze. Jetzt wird er erst einmal vom Schraubverschluss befreit.

Chapeau Krauß mit ß, ganz wichtig, und deshalb auch als Hauptmotiv fürs Etikett gewählt. Das prangt nämlich fett und gross in schwarz in der Mitte des weissen Stücks Papier. Am dicken ß lehnt dünn das bereits weit über Kennerkreise hinaus bekannte Strichmännchen mit dem Hut. Unterhalb chapeau krauß und rechts daneben die Krauß’sche Hutpyramide. Einer davon ist schwarz und damit weiss man, dass ein Basishutwein von Lukas Krauß in der Flasche ist. Alles klar? Am rechten äusseren Rand des einteiligen Etiketts alle vorgeschriebenen Informationen und auffällige 11,5 PS die ein mehr als leichtes Trinkvergnügen signalisieren. Als Ergänzung liest man einen Spruch von Kurt Dehn “En echte Pälzer raacht kään Hasch, denn unser Stoff kummt aus de Flasch”. Soviel zur Genusskultur der Pfälzer. Ein smaragdgrüner Stelvin-Drehverschluss mit weissem ß vollendet die frische Erscheinung, welche jetzt ins frisch polierte Glas verfrachtet wird.

Melonen unterm Hut

Hellstes Gelb das fast schon weiss wirkt leuchtet aus dem Glas heraus. Die Nasenflügel ziehen in erster Linie ausgeprägt fruchtige Aromen hoch. Eine ganze Wagenladung von Melonen lassen ein paar verirrten Birnen und angequetschten Zitronen gerade noch Platz zum Überleben. Den Rest dominieren die runden Dinger wie Mainz 05 einen Drittligisten. Weisse Blütenblätter verleihen dem Chapeau eine weiche Note, ein grüner Strauss von Wiesenkräutern mischt sich drunter und alles zusammen ergibt einen saftigen, mundwässernden und sogar leicht süss wirkenden Duft. Ganz oben sitzt ein kleines Zitrusspältchen das versucht ein wenig Saures in den Melonenkorb zu blasen.

Spass im Mund

Kaum auf der Zunge ist dann Schluss mit lustig Melone, da darf sich diese schön mit Pfirsich und mit Birne um die Ränge streiten. Da ist auch nichts mit süss und trollig. Vielmehr treibt eine frische und lebendige Säureader ihr Spiel und sorgt für grossen Spass darauf. So sehr man Frucht im Mund wahrnimmt, so sehr stehen auch weisse Blütenaromen merkbar daneben und verleihen dem Chapeau einen gewissen herben Anstrich welcher sich am Gaumen zeigt und im Abgang Hand in Hand mit saftiger Frucht zum vergnügten Paarlauf ansetzt. Es ist saftig, es ist fruchtig, aber es ist auch herrlich trocken und genau mit jener Dosis weiss versehen, die den Wein zum idealen Luft- und Mundbefeuchter macht.

Realität gewordener Saufwein

Nach und nach erobert sich die Melone ihren Platz zurück und vertreibt die Birne fast und den Pfirsich völlig vom Platz. Sie will die Zunge dominieren und das tut sie auch mit einer beeindruckenden Souveränität. Bis an die Ränder reicht ihr frischer Saft, der dank ebenso frischer Säure für ein geschmacks- wie auch gefühlsintensives Erlebnis sorgt. Wird es zu fruchtig drückt die Säure drauf, ist es umgekehrt, dann tritt die Melone in den Vordergrund. Und als Referee steht die weisse Orchidee daneben und passt auf, dass sich die beiden immer schön vertragen. Dass sie ganz zufällig für den leisen weissen Hauch am Gaumen sorgt übersieht sie generös und tut als ob sie nichts davon bemerken würde. Wie heisst es immer? Gute Schiedsrichter sind immer da, fallen aber nicht auf. So ist es auch beim Chapeau. Er lässt die Frucht ihr Spiel machen, schiebt ihr aber ganz subtil eine feine weisse Herbheit unter. Und da heisst es immer Schiris sind unparteiisch.

So oder so, der Chapeau begeistert sowohl mit verspielter Fruchtaromatik wie auch mit einer leisen, aber doch wahrnehmbaren herben Note. Gerade was am Gaumen übrig bleibt, nachdem der Wein sich fruchttechnisch im Mund ausgetobt hat, ist erfreulich. Da haftet ein feiner weisser Film darauf, nach wie vor mit der alles dominierenden Melone, doch kaum ist er verdunstet ist diese nicht mehr süss, sondern eben herb. Und das wieder sorgt für stetes Verlangen nach mehr. Der Chapeau ist Realität gewordener Saufwein. Den macht man auf, verputzt die Flasche mit Freunden und bringt die nächste in den Umlauf. Ohne sich auch nur ansatzweise den Kopf zerbrechen zu müssen ob das Folgen haben könnte. Der “Wein mit Hut” behält diesen immer auf und ob’s am Ende zwei oder gar drei Flaschen geworden sind ist bei diesem Tropfen völlig unerheblich. Das ist Trinkspass pur und sollte auch genau so angegangen werden. Chapeau!

Tipp: Kappe ab und rein ins Glas. 8-10º sind perfekt. Geht eigentlich zu allem. Ob mediterran, regional, rustikal, fischig, salatig oder käsig. Oder einfach ohne alles weil es 40º im Schatten hat, oder auch nur 25. Oder weil Dienstag oder Freitag ist. Oder weil man einfach Lust auf eine Flasche Wein hat.

Verkostet wurde ein Chapeau 2014 von Lukas Krauß aus Lambsheim in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter (D), Verkostet

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