Chardonnay ‘Hadorne’ 2010

| 22. Juni 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Die 6. und somit letzte Verkostungsrunde der Weine von Sven Leiner ist hiermit eröffnet. Den krönenden Abschluss dieser lehrreichen Weinreise macht der Chardonnay ‘Hadorne’ 2010. Ein Pfälzer Chardonnay dem sein Ruf vorauseilt und auf den wir auch entsprechend gespannt sind. Ohne Mostvorklärung spontan im grossen Holzfass vergoren, 18 Monate auf der Vollhefe im Barriquefass gereift und im Anschluss ohne jegliche Manipulation und unfiltriert auf die Flasche gezogen. Das sind die beeindruckenden Eckdaten dieses ‘Naturpfälzers’. Diesen Tropfen haben wir heute hier im Glas und eines wissen wir bereits mit Sicherheit; es war nicht der letzte Wein Sven Leiners den wir mit Genuss ‘verputzen’ werden.

Dick und fett und klobig steht der Hadorne in der mächtigen Burgunderflasche nun vor uns. Eine Flasche die Eindruck schindet und in gewohnter Manier mit dem tpischen Leiner-Etikett in weiss versehen ist. Chardonnay steht in den ‘Notenlinien’ und goldgelb ist HADORNE drunter aufgedruckt. Der Name Hadorne leitet sich übrigens von der Lage Hagedorn, einer Benennung des Weißdorn, der Hagebutten als Früchte hervorbringt ab.

Selbstverständlich ist auch wieder einer von Sven Leiners ‘Mitarbeitern’ mit von der Partie. Eine Porcellio scaber, jedem von uns als gemeine ‘Kellerassel’ ein Begriff. Am Rand des Etiketts ist zu erfahren, dass der Wein vom Hagedorn, einer der traditionellen Weinbergslagen in Ilbesheim stammt.

Und weil gut Ding auch etwas Weile braucht, darf der Naturwein von Sven Leiner erst einmal für eine Stunde zur künstlichen Beatmung in die Karaffe. Aus der es jetzt schon duftet wie… aber dazu gleich ein wenig mehr.

Erfrischend, straff und kalkig

In funkelndem goldgelb steht der Hadorne dann im Glas und funkelt mit der Sonne um die Wette. Leicht grünlich schimmert es durch wenn man ihn schwenkt und an der Innenwand ziehen schöne Kirchenfenster ihre Spuren hinter sich her. Die Nase verzaubert ein Bukett das einfach nur betörend ist. Es riecht kalkig, straff und mineralisch, begleitet von süss-würzigen Kräuternoten. Ein Traum dieser Duft, die Nase schreit nach mehr und will von dieser pikanten Note nicht genug bekommen. Leichte Zitrustöne, umhüllt von feiner Kräuterwürze riecht man und wer endlich wissen will wie Kalk im Wein riecht, dem sei dieser hier ans Herz gelegt. Erfrischend, prickelnd und richtig aromatisch dampft der Hadorne aus dem Glas heraus.

Aufs Wesentliche reduziert

Eindrucksvoll der Tropfen dann im Mund. Weich streift er über die Lippen, cremig wie Labello und mit viel Schmelz breitet er sich aus. Auf der Zunge wirkt der Hadorne leicht, übt keinen grossen Druck aus sondern präsentiert seine kräftige Textur wohldosiert und rücksichtsvoll. Vom Boden dominiert schmeckt man die leicht süssen Fruchtaromen nur bedingt, sie sind sehr verhalten und was sich breit macht im Mund ist Mineralik pur. Auch wenn das Wort immer wieder strapaziert und über die Empfindung Mineralik gerne diskutiert wird, im Hadorne kann man sie schmecken, fühlen, erleben. Wie Butter fühlt sich der Wein im Mund an, ohne fett zu wirken. Im Gegenteil, fast spröde kommt er daher und zieht seine kräuterwürzige Spur über den Gaumen.

Trocken wie Kalk fegt er über die Zunge, frisch und kühl wirkt er dabei und von Holz merkt man so gut wie nichts. Der Hadorne fasziniert mit einer beeindruckenden Textur die einerseits sehr kräftig ist, aber gleichzeitig eine gewisse Filigranität in sich trägt. Ein komplexer Wein der einfacher erscheint als er ist. Er demonstriert präsente Kraft und wirkt gleichzeitig kunstvoll minimalistisch und aufs Wesentliche reduziert. Für mich schon jetzt ein Lieblings-Chardonnay und einer meiner Favoriten aus dem Sortiment von Sven Leiner. Schon nach einer Stunde, im Wissen, dass sich der Wein dann später noch viel komplexer, dichter, voller und verwobener zeigen wird.

Kompromisslos natürlich

Aufgrund dessen was da schon Tolles nach nur einer Stunde im Glas war wurde ‘abgebrochen’ und geduldig zugewartet. Nach vier Stunden wurde weiterverkostet und dann ging die Post so richtig ab. Die Nase hat sich in der Zwischenzeit zu einem erdig-kalkigen, fein würzigen und ganz leisen Duft entwickelt der sehr verhalten ist. Im Mund wirkt der Hadorne jetzt fast opulent, er ist rund und weich und am hinteren Gaumen schmeckt man zitrusfruchtbetonten Kalk. Die elegante Säure verleiht dem Chardonnay Finesse und eine ebenso frische Tiefe.

Allgemein kann man den Hadorne ob seiner Mineralik als karg und spröde bezeichnen, am Ende ist er es aber nicht wirklich. Vielmehr präsentiert sich der Wein zuerst relativ verhalten und gibt nicht viel von sich preis. Je mehr Luft er aber bekommt umso rasanter entwickelt er sich zu einem kräuterwürzigen, sehr mineralischen Chardonnay der mit seiner straffen aber zivilisierten Säure den Gaumen verwöhnt. Dicht, frisch und füllig geht er ab und sorgt für einen langen aromatischen Nachhall. Chardonnay wie die Natur ihn sieht und wie er dank Sven Leiner sich ‘selbst entwickeln’ durfte. Naturwein kompromisslos wie nur möglich. Um die 18 Euro kostet dieses Weinvergnügen und wer Chardonnay einmal ‘natürlich’ erleben will, dem sei der Hadorne wärmstens empfohlen.

Tipp: Servieren sie den Hadorne nicht zu kalt, 14-16º sind ideal, im Sommer 1-2º kühler. Geben sie ihm unbedingt eine Stunde zum Atmen (besser etwas mehr) und geniessen sie ihn zu gegrilltem Salzwasserfisch sowie zu gegrilltem Huhn- und Putenfleisch.

Verkostet wurde ein Chardonnay ‘Hadorne’ 2010 von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz, Deutschland.

Wollen Sie mehr über diesen Wein wissen? Hier stehen die wichtigsten Informationen über den Chardonnay ‘Hadorne’ für Sie zum Download bereit. Oder besuchen Sie Sven Leiner einfach zu Hause.

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Kategorie: Sven Leiner (D), Verkostet

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