Clos de Guichaux 2013 Saumur Blanc

| 18. Oktober 2016 | 0 Kommentare Alles lesen

saumur Auch wenn 2011 am Etikett steht, der Jahrgang des letzten heute hier verkosteten Weines ist 2013. Er beendet die Verkostungsrunde mit dem Motto Mysterium Chenin Blanc. Der Wein selbst ist von Romain Guiberteaus gleichnamiger Ecocert®-zertifizierten Domaine in St. Juste sur Dive an der Loire. Romain gehört heute zu den besten Winzern der Appellation Saumur an der Loire. Er macht nur zwei Weine, die Roten ausschliesslich aus Cabernet Franc und die Weissen eben aus Chenin Blanc. Bei Romain Guiberteau kann man Wein übrigens nicht einfach so mal kaufen, er teilt zu. Weil seine Produktion klein, dafür aber umso grösser an Qualität und Nachfrage ist. Man reisst ihm seine Weine förmlich aus den Händen. So es überhaupt noch welche zu entreissen gibt. Sein Clos de Guichaux 2013 Saumur Blanc steht heute hier am Tisch der Wahrheit. Von 60 Jahre alten Rebstöcken die auf Kalkmergelböden stehen, er wurde spontan vergoren und in gebrauchten Barriques ausgebaut. Bevor dieser grossartige Wein jedoch ins Glas darf, wird er für eine Stunde in der Karaffe stehen gelassen damit er sich auch schön auf das Umgebungsklima vorbereiten kann.

Strandgefühle

In hellem gelbgold funkelt der Clos de Guichaux aus dem grossen Becher raus. Und dann geht´s auch schon ab ans Meer, weil einem aus selbigen ein Schwall von Salzwassergischt in die Nase hüpft. Geriebene Kräuter, viel Salz, etwas Jod und nasser Kiesel tummeln sich im Riechorgan. Von Frucht keine Spur. Da gibt es keine, die hat hier nichts verloren. Das ist das Meer in Form von Wein und damit basta. Was für ein berauschender Geruch. Als wäre man am Strand.

Rassig, knackig & rasant

Und dann, kaum im Mund, ist es am besten alle Konventionen bezüglich Weisswein über Bord zu werfen und schlicht und einfach ja oder nein zum Clos de Guichaux zu sagen. Es ist als würde man wie ein Kanarienvogel am Salzstein lecken. Knackig, rasant und rassig sind die drei Wörter, mit denen man diesen Wein in aller Kürze beschreiben kann. Der kracht im Mund, zieht einem den Speichel förmlich aus der Zunge und fühlt sich an als würden einem Stromschläge durch den Mund gejagt. Er pulst unglaublich hoch, ist aber schlank und überraschend weich auf der Zunge. Dabei derart rassig in seiner Mineralität, dass es knirscht vor nassem Stein und Meersalz. Man weiss, dass dieser Tropfen ein “vielleicht” nicht duldet. Man lässt ihn oder säuft ihn aus dem Eimer.

Nehmt mir bitte dieses Zeug weg!

Hat man sich auf den Clos de Guichaux dann eingestellt und ja zu ihm gesagt, dann merkt man, dass das was man zu Beginn als sauer empfunden hat, nichts anderes als Salz und Jod ist. Als das was man vom Meer kennt, wenn man es wieder zum ersten Mal gerochen und in den Mund bekommen hat. Und plötzlich fängt der Wein sich an zu drehen, mit Luft, im grossen Glas und mit der Zeit. Er wird auf einmal richtig kalkig, baut Haftung auf am Gaumen und schiebt eine weisse Wolke vor sich her die wie aus dem Nichts gekommen ist. Was bleibt ist aber seine Rassigkeit mit welcher er sich über die Zunge wälzt. Ebenso seine Salzigkeit, die aber etwas nachlässt wenn er Luft aufnimmt und sich mehr mit einer gelben Würze arrangiert. Das ist ganz grosses Weinkino!

Eine weitere Stunde später bin ich dem Clos de Guichaux hoffnungslos verfallen. Ich habe mich auf ihn eingelassen und jetzt gibt´s kein Zurück mehr. Er hat mich gefangen genommen. Mit seiner stählernen, kristallklaren wie rasiermesserscharfen Charakteristik, mit seinem Salz und seinem Jod, mit seiner Rassigkeit die aus jedem Tropfen hüpft und mit seinem knallharten Profil. Er ist schlank, er ist mager, hat aber doch etwas Fülle, ist nach einer Weile extrem kalkig, noch mehr salzig und sorgt für permanten Wohlfühlschauer in der Futterluke. Die erste Kiste ist bestellt und auch schon eingetroffen. Und jetzt wird dieser Wein vergraben, weil ich mich sonst ins Nirvana damit saufe. Was zum Teufel ist das für ein Zeug?! Trauen Sie sich was, kosten Sie den Wein und was Sie danach machen, dafür übernehme ich keine Haftung mehr.

Tipp: 30-60 Minuten Karaffe sind zu empfehlen. Mit um die 12º aus dem grossen Glas trinken. Zu Austern, zu Schalentieren, Meeresfrüchten und zu knackigem Gemüse. Wer sich traut, der wird den Tropfen solo lieben lernen.

Wein & und Winzer-Info:

Clos de Guicheaux
Wein: Clos de Guichaux 2013
Winzer: Guiberteau
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2018+
Boden: Kalkmergel
Ausbau: Gebr. Barrique
Besonderes: Zertifiziert Ecocert®
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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