Cuvée Constance 2016

| 30. Oktober 2019 | 0 Kommentare Alles lesen

Cuvée Constance 2016 2001 haben sich Jean-Luc Thunevin, Eigentümer des Château Valandraud in Saint-Emilion und Jean-Roger Calvet von Maury zusammengetan und gemeinsam die Domaine Thunevin-Calvet in Maury im französischen Roussillon gegründet. Heute werden von den beiden 65 Hektar bewirtschaftet. Die Ernte erfolgt von Hand und die Trauben werden in kleinen Kisten von etwa zehn Kilo abgeholt. Die Art der Weinbereitung hängt von der Qualität, der Reife der in Fässern abgefüllten Trauben und der Art der zu verarbeitenden Cuvée ab. Einen der Weine von der Domaine Thunevin-Calvet habe ich heute am Tisch der Wahrheit stehen; die Cuvée Constance 2016, ein Blend aus 50 % Grenache Noir, 30 % Syrah und 20 % Carignan. Traditionell ausgebaut und 16 Monate im Betontank gereift. Bevor die Cuvée Constance aber ins Glas darf, hat sie sich für etwa eine halbe Stunde ein wenig in der Karaffe zu akklimatisieren.

Ganz viel Saft im Riechorgan

In tiefdunklem kirschrot dreht die Cuvée Constance ihre Runden im Glas. Der Duft der in die Nasenflügel strömt ist fleischig, saftig, dicht und dunkelbeerig. Schwarze Johannisbeeren und Pfeffer tanzen vorne weg, dahinter folgen mit etwas Abstand zarte Schokoladenoten. Feiner Schieferrauch schwebt über allem und verleiht dem Duft eine ganz besondere Würze. An Ende tauchen schwarze Kirschen auf und bringen noch mehr Frucht in das feudale Aromenspiel hinein.

Hier wohnt die Power

Dicht und voller Kraft stellt sich die Cuvée Constance im Mund vor. Sofort macht sie sich auf der Zunge breit und lädt jede Menge Garrigue-Kräuter und einen ganzen Laster dunkler Beeren ab. Eindrucksvoll steht sie im Raum und zeigt wie Kraft und Vortrieb geht. Leicht rauchig weht der Tropfen über den Gaumen hinweg, zeigt dabei ein selbstbewusstes Gerbstoffkleid und lässt keine Zweifel ob seiner südlichen Herkunft aufkommen. Fleischig, enorm saftig, dicht verwoben und sehr ausdrucksstark macht dieser Wein schnell klar, dass er für die kalte Jahreszeit gemacht ist. Wenn draussen die Wölfe heulen und es drinnen wohlig warm ist. Ein Wein für Kamintiger.

Hat vor Wölfen keine Angst

Interessant zu beobachten ist bei der Cuvée Constance, wie sie sich mit der Zeit langsam aber sicher immer mehr öffnet und immer saftiger wird. Auch die Schokonoten die zu Beginn in der Nase waren mischen plötzlich mit und machen diesen Tropfen richtig sexy. Er wird immer fruchtiger, die dunklen Beeren übernehmen letztlich das Kommando und das Gerbstoffkleid verwandelt sich in ein feines, seidig-kühles. Man hat nach einer Stunde einen Wein im Mund, der zwar mit Kraft und Saft aufs Gaspedal drückt, dabei aber eine Eleganz zeigt, die sich herrlich in der Luke anfühlt. Keine Spur mehr von der anfänglichen “Rustikalität”, der Kerl ist ein richtiger Charmeur geworden. Wie schon gesagt: Draussen minus 20 Grad und Wölfe, drinnen der totale Wohlfühlfaktor.

Hat die Cuvée Constance erst einmal ihre Reiseflughöhe erreicht, wird es schwer sich wieder von ihr zu trennen. Soviel Saft und Würze, soviel Fleisch und Kraft, soviel Dichte und Essenz im Mund. Einfach köstlich. Man kaut ständig an dem Tropfen rum und versucht ihn in jede Pore zu bekommen, um ihn dann ganz langsam wieder raus tropfen zu lassen. Das Finish ewig lang und sehr kompakt. Noch einmal volle Kraft voraus und runter in die Kehle mit dem Zeug. Damit der nächste Schluck genügend Platz im Mund hat. Was für ein Saft, in des Wortes Sinn, was für ein charmanter Henker. Noch einmal zum Mitschreiben: Draussen minus 20, drinnen wohlig warm, draussen Wölfe, Bären und andre Monster, drinnen Meditation mit Pink Floyds “Wish you were here”. Grandioser kleiner grosser Tropfen. Chapeau!

Tipp: Ein bis zwei Stunden in die Karaffe mit dem Kerl. Dann fliegt er. Mit 16º geniessen. Passt wunderbar zu würzigen Gerichten und rustikalen Gemüsekreationen. Natürlich auch zum Steak eine Bank. Als Solist verjagt man damit Ungeheuer.

Verkostet wurde ein Cuvée Constance 2016 von Thunevin-Calvet aus Maury im Roussillon, Frankreich. Bezugsquelle: Fine Wine Shop Kracher, Illmitz, Burgenland.

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Kategorie: Kracher (A), Verkostet

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