Darscho 2015

| 28. September 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Darscho 2015 Im tiefsten, untersten Süden des Burgenlandes, direkt im Nationalpark Neusiedlersee/Seewinkel, ist Heinz Velich zu Hause. In Apetlon, unmittelbar an der ungarischen Grenze an der “Langen Lacke” liegt sein Weingut. Die “Lange Lacke” ist die größte von über 40 salzhaltigen Lacken im burgenländischen Seewinkel, wenige Kilometer nordöstlich von Apetlon gelegen. Eine davon heisst “Darscho”, nach der jener Wein benannt ist, der heute hier am Tisch der Wahrheit steht; der Chardonnay Darscho 2015. Zwischen 20 und 40 Jahre sind die Rebstöcke die auf sandigen und salzigen Böden stehen alt, im kleinen Eichenfass reifte der Tropfen in aller Ruhe vor sich hin, am Ende zählen die Weine von Heinz Velich zu den grossen Österreichs, zu den aussergewöhnlichen und besten. Ich habe den Darscho eine Stunde in der Karaffe seine Runden drehen lassen um sich ausgehfein zu machen. Nicht zuletzt im Wissen, dass Heinz Velichs Weine erst mit Luft so richtig aufdrehen und sich danach von ihrer schönsten Seite präsentieren.

Orangen, Birnen und ein wenig Speck

In kräftigem Gelb leuchtet der Darscho aus dem grossen Becher. Zarte grünliche Reflexe blitzen auf, an der Glaswand fliesst der Tropfen langsam in einem fetten Film ab. Der Duft ist dicht, nach reifem Apfel, etwas Birne, ein wenig Nuss und frisch geriebener Orangenschale. Der sanfte Hefefilm der über allem schweb verleiht dem Ganzen eine feine Fülle. Am Ende mischt sich etwas Speck dazu und plötzlich steht man da und fragt sich ob man wirklich Chardonnnay im Glas hat, so anders duftet dieser Wein.

Wo Salz zu Gold wird

Und dann macht´s bumm im Mund und man ist hin und weg von dem was man da schmeckt und spürt. Da rollt der Darscho derart salzig auf die Zunge, dass man vor Freude aus dem Grinsen gar nicht rauskommt. Einerseits ist er dicht und rund und richtig weich und cremig, andererseits glaubt man an einem Salzstock zu lecken, dessen Essenz sich an den Zungenrändern abreibt. Ananas ist hier, Limette und Orange. Die Würze die sich zeigt is ausserirdisch, der Abgang rund und fruchtig-salzig, der Nachhall endlos. Das ist schlichtweg grandios, phänomenal, aussergewöhnlich. Soviel Frische in so einem weichen Körper, soviel schlanke Figur in solch feiner Opulenz, ein Traum der da im Mund sein Spiel treibt.

Premier Cru aus Apetlon

Salzorange, oder Ananas im Meersalzmantel, oder überhaupt die ganzen Tropen frisch gesalzen. An das denkt man wenn der Darscho auf der Zunge steht, diese weich und rund umhüllt und sie in seinen cremigen Körper eintaucht. Man spürt die Opulenz und staunt wie fein so etwas sein kann. Ja, es ist sehr rund im Mund, und nein, von dicker Fülle oder Breite merkt man nichts, die ist ganz einfach nicht vorhanden. Zwischendurch zeigt immer wieder die Limette auf und sorgt für Leben in der Luke, das sich, sobald sie wieder fort ist, in einem salzigen Finale endet. Man denkt an Meursault und weiss, dass man Lichtjahre davon entfernt ist, trotz des Umstands, dass man sich sehr nahe fühlt. Der Darscho hebt Regeln aus den Angeln, ist so klassischer wie untypischer Chardonnay, so widersprüchlich das auch klingen mag. Er ist, und ist doch nicht, und deshalb so aussergewöhnlich und begehrenswert. Ein Glücksfall für Geschmacksfanatiker.

Je länger der Darscho seine Runden an der Luft dreht, umso feiner, subtiler wird er im Mund. Grip kommt auf am Gaumen, auf der Zunge wird es trockener, die Opulenz wird immer leichter, das Salz geht langsam aber sicher immer mehr in der Limette auf, eine grüne Nuss hat sich von ganz weit unten hochgeschoben, der Tropfen ist zum Monument im Mund geworden. Wenn Sie “kraftvolleres” mögen, wenn Sie Meursault lieben, subtiler Opulenz im Glas nicht abgeneigt sind und doch etwas anderes als Typisches geniessen wollen, dann wird Ihnen der Darscho das Tor zu einer neuen, aufregenden Chardonnaywelt aufstossen. Wenn Sie diese dann nicht mehr verlassen wollen, ich wäre wenig überrascht. Man muss also nicht nach Frankreich reisen um aussergewöhnliche Weine zu entdecken. Im Burgenland in Österreich gibt es nicht minder grosse Schätze die nur darauf warten entdeckt zu werden. Kommen Sie, und staunen Sie.

Tipp: Eine Stunde in die Karaffe mit dem Tropfen, am besten mit 10 bis 12º geniessen. Viel zu schade um ihn zum Essen zu trinken. Der will ganz ohne alles, für sich allein, in aller Ruhe genossen werden.

Verkostet wurde ein Darscho 2015 vom Weingut Velich aus Apetlon im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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