Eichelberg 2003 Alte Reben

| 31. März 2016 | 0 Kommentare Alles lesen

Eichelberg 2003 AR Wie schon in der vorigen Verkostungsrunde der Weine von Fred Loimer aus Langenlois, habe ich auch diesmal wieder einen jungen und einen schon etwas “älteren” Genossen im Glas. War es das letzte Mal der Ruländer 2006 Auslese, so steht heute der Eichelberg 2003 Alte Reben am Tisch der Wahrheit. Der Eichelberg ist eine Cuvée aus Grüner Veltliner, Riesling, Roter Riesling, Roter Veltliner und Welschriesling von der Lage Eichelberg bei Zöbing. Ein Qualitätswein halbtrocken mit satten 14,5 PS unter der Haube. Seit 2011 wird dieser Wein auf der Maische vergoren, weshalb auch nicht mehr der Lagenname verwendet werden darf. Will man erahnen wo diese Reise hingeht, so sollte man beim Achtung! Gemischter Satz nachlesen. Aber das ist Neuzeit. Ich bleibe deshalb heute hier beim in aller Ruhe Gereiften und widme mich dem Eichelberg 2003 aus Zöbing im Kamptal. Eines weiss ich jetzt schon; es wird wieder ein grosses Weinabenteuer, weil es das immer ist mit Weinen von Fred Loimer. Und jetzt wird der gute reife Tropfen angetrunken.

Reifer Apfel, Birne & Marille

Gülden wie Rapunzels Haar hängt steht der Eichelberg im Glas. Feiner grüner Schimmer begleitet ihn. Natürlich riecht es reif, was sonst? Doch agiert bei aller Reife auch enorme Frische in der Nase, zeigt Aromen von oranger Marille und getrockneten Blumen. Vereinzelt liegen Salbeiblätter oben drüber und ganz im Hintergrund ein ganz dezenter, nur ganz kurz wahrnembarer Petrolton. Reifes Steinobst deckt diesen in Windeseile aber wieder zu und so stehen Birne, Apfel und Marille dominant im Vordergrund. Schwadroniert von einer leisen Kräuternote. Insgesamt mehr frisch als alt. So wie der Eichelberg sich in der Nase zeigt, so wenig lässt er auf sein wahres Alter schliessen.

Herrlich herb und dreckig

Weich und sanft wie dunkelgelber Honig schmiegt sich der Eichelberg um die Zunge. Kastanie schmeckt man, sehr reifes Steinobst und eine wunderbare Sanostoligkeit. Überraschend ist die stramme Würze welche sich gekonnt ihren Platz verschafft und den Eichelberg neben seiner Öligkeit doch leicht und erdig erscheinen lässt. Er hat Gewicht und Körper, doch wirkt er weder schwer noch fett oder gar behäbig. Ganz im Gegenteil. Am Gaumen richtig rauchig, enorm würzig, sogar leicht herb, was man von “halbtrocken” eher nicht erwarten würde. Irgendwie wirkt alles sogar ein wenig mürbe. Unterfüttert mit einer überraschend frischen Säure spürt man das Leben im doch dichten Körper und staunt ob soviel jugendlicher Frische. Und dann schiesst einem die sündig-süsse Versuchung im Abgang ein und hinterlässt einen mit einem süsslichen, erdig-braunen Film auf der Zunge und am Gaumen. Der Nachhall herrlich herb und dreckig.

Saft für Magier

Wer allerdings geglaubt hat, dass das schon alles war, der sollte den Eichelberg in die Karaffe kippen und ihn dann verfolgen. Der legt richtig zu je mehr Luft er aufnimmt, umso frischer wird er, ebenso immer herber, trotz seiner saftigen Öligkeit. Dabei protzt er mit einer Würze die man nicht für möglich hält. Bittersüsse Opulenz im erdig-herben Kleid. Man schmeckt das reife Steinobst, allem voran die fette Marille, und spürt doch nur jugendliche Frische. Klar, hinten raus wird es dank der hohen Voltzahl auch ein wenig wärmer, was aber dem Gesamtbild keinen Kratzer zufügt. In Akazienhonig eingeriebene Kastanie verrichtet ihr Werk am Gaumen, während auf der Zunge ein Saft steht, der zwar cremig, weich und üppig, dank der Säure-Erde-Kombination aber einfach traumhaft balanciert ist. Der Eichelberg kann beides. Süss und bitter, so wie roter Chicorée und Balsamico. Ein echter Flash, nur dass dieser Stoff hier auch noch sündhaft saftig ist.

Die Crux des Eichelbergs ist definitiv die Bezeichnung “halbtrocken”. In der Regel erwartet man ein süsseres Erlebnis. Das hier ist zwar auch halbtrocken, zärtlich restsüss und doch komplett anders. Die Würze und die Erdigkeit übertönen alles, lassen einen den Wein zwar opulenter auf der Zunge empfinden, ja, sogar zärtlich süss und cremig, doch dann hämmert einem die erdige Würze eine zwischen die Kiemen und zeigt wie halbsüss auch gehen kann. Es ist herb, saftig, dunkelgelb und dreckig. Was immer sich der Einzelne darunter vorstellen kann und will. Doch nimmt man Indiana Jones und seine Arbeitskleidung, hat man ein Bild davon. Wenngleich Dreck zu brutal klingt, aber “little nasty, dirty hoochie” trifft es dann doch so ziemlich auf den Punkt. Der Eichelberg ist Meditationswein pur. Mit dem fliegt man, wohin auch immer. Ich bin verzaubert von diesem Saft, hab ihn ganz lieb und kaue jeden Tropfen dreimal bevor ich ihn dann schlucke. Zaubertrank, Saft für Magier, Wein für Träumer. Trank für … Leute wie mich. Ich will mehr davon. Und zwar richtig mehr davon.

Tipp: Kippen Sie ihn ruhig in die Karaffe und lassen ihn atmen. Nehmen Sie unbedingt ein grosses Burgunderglas und trinken sie ihn mit 12-14º. Am besten zu Geflügel mit kräftiger Sauce, fetten Fischen und vor allem zu richtig guten, sündigen Pasteten. Oder geniessen Sie den Saft im Ohrensessel mit einer Packung guter Chips mit Chive & Cheddar.

Verkostet wurde ein Eichelberg 2003 Alte Reben von Fred Loimer in Langenlois, Niederösterreich.

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorie: Loimer (A), Verkostet

Ihr Kommentar