Fehlmühl 2013 Chardonnay

| 8. Dezember 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Aller guten Dinge sind drei, heisst es. Darum wird heute der dritte und somit auch letzte Wein vom burgenländischen Winzer Michael Kirchknopf aus Kleinhöflein bei Eisenstadt aufgemacht. Der Leithaberg DAC und der Chardonnay Leithaberg DAC liegen hinter mir, heute ist der Chardonnay Fehlmühl 2013 zur Verkostung an der Reihe. Wie der Name schon sagt stammen die Trauben für diesen Chardonnay von der Lage Fehlmühl, deren tiefgründiger Kalkboden mit kalkhaltiger Brauunerde durchzogen ist. Neun Monate wurde der Wein im Holzfass ausgebaut bevor er in die Flasche wandern durfte, aus welcher ich ihn jetzt wieder in seine wohlverdiente Freiheit entlasse.

Chardonnay Fehlmuel Mit dem bereits bekannten, ungewöhnlichen in schwarz und grün bedruckten Etikett ist auch diese Flasche beklebt. Ich habe aber läuten hören, dass sich das Design in Kürze ändern und leichter “verdaulich” werden soll. Im oberen Teil wieder Michael Kirchknopf, darunter EDITION, was auf seine persönliche exklusive Linie hinweist. Dann ein dicker vor grün quietschender Trennstrich und darunter wieder in silber Chardonnay Fehlmühl Burgenland. Das ebenso schwarze Rückenetikett ist vollgepackt mit allem was man wissen mus, sowie einer kurzen Notiz über den Wein selbst. Interessantes Detail auch hier; der Mittelteil des Rückenlabels ist perforiert und abtrennbar, um so a) den aufgedruckten QR-Code und b) Adresse, Telefon und Email immer griffbereit zu haben. Aber jetzt ist Schluss mit Etikett, denn jetzt kommt der Tropfen für eine gute Stunde in die Karaffe um Luft zu schnappen und um sich zu akklimatisieren.

Zitrone, Kalk & nasse Wiese

Es grünt so gelb im Glas. Oder gelbt so grün? Es funkelt, das muss reichen. Ebenso grün wie gelb zieht eine frische Aromatik die Nasenflügel hoch. Nasse Wiese, Marille, Litschi und auch etwas Orange sorgen für einen fruchtigen wie auch tropisch anmutenden Duft. Im Hintergrund ganz fein Vanille unterrührt, weisse Blütenblätter und ein Tick von Kalk. Erfrischend trifft es wohl am besten und dabei doch von cremiger Konsistenz in der Nase. Zitrone erhebt sich aus dem Glas und sorgt für Spass im Riechorgan. Mundwässernd, animierend, frech. Zeit den Fehlmühl auch im Mund zu spüren.

Zitronenkeks mit einem Hauch Vanille

Wie kalte Butter legt sich der Fehlmühl augenblicklich hinter den Lippen an, fliesst weich und cremig auf die Zunge und nimmt ebenso weich den Gaumen in Beschlag. Von dick ist er dabei allerdings weit entfernt, auch weil die lebhafte Säureader dies nicht zulässt. Da tropfen quietschvergnügte Zitrustropfen aus dem runden Körper, frisch aufgeschnittener Apfel und wieder das nasse Wiesengras. Vanille weiter hinten, man spürt und schmeckt das Holz, das aber nur sehr leise begleitet und nicht dominant ist. Auf der Zunge cremig wie Sanostol, nur leichter in der Textur, am Gaumen weich und frisch und dazwischen trällert die Säure ihr eigenes Lied. Zitruslastig möchte man meinen, doch genau das ist es was soviel Spass macht bevor sich der Fehlmühl knackig und trotzdem weich in einen fruchtigen Abgang verabschiedet. Der Nachhall ebenso fruchtig, grün und leicht vanillig.

Nix mager, dafür sexy

Schmatz. Das ist das Wort mit dem man den Fehlmühl, so man nur eines zur Verfügung hätte, bezeichnen kann. Chardonnay für Leckerschmecker. Rund und cremig auf der Zunge, was heisst auf der Zunge, im ganzen Mund. Dabei trotzdem alles andere als mollig. Überhaupt nicht. Eher zärtlich speckbefaltet. Mit knuspriger Zitronenfrucht. Und mit Orangen und mit grünem Apfel. Erst dann kommt Dr. Oetker und wirft der Clique eine Vanilleschote hinterher. An den Zungenrändern ein paar Salzkristalle, am Gaumen weisse Blüten, der Kalk nicht separat sondern komplett eingewirkt in das tropisch wirkende Bukett. Und immer dieses kecke zitrusfrische Necken, das sich immer mehr zur Domina aufspielt und das Erlebnis Fehlmühl definiert.

Nach drei Stunden Luftaufnahme ist aus dem Fehlmühl ein relativ mineralischer Wein geworden. Er hat nichts von seiner runden Art verloren, er wirkt nur leichter und feiner als zu Beginn. Auch was die Frucht angeht ist diese feiner geworden. Es scheint als hätte er Gewicht verloren und dafür an Textur zugelegt. Es fühlt sich straffer an am Gaumen, auf der Zunge schlanker und insgesamt mineralischer. Was nach wie vor präsent ist ist die frische Säure, die den Tropfen mit leicht erhöhtem Puls pochen lässt. Orange und Zitrone sind geblieben, die Vanilleschote hat sich häuslich eingerichtet und letztlich hat der Fehlmühl seine Reiseflughöhe erreicht. Nicht zu kalt, im grossen Glas und reichlich an der Luft gewesen sorgt er jetzt für absolut entspannten Genuss. Nix mager, dafür sexy. Wer will schon an blanken Knochen nagen? 12 inflationsbereinigte Euronen die es wert sind kostet das Vergnügen. A slice of bacon is included.

Tipp: Eine Stunde Luft in der Karaffe ist fein. Mit 12-14º aus dem grossen Becher bechern. Zu Rindsbraten oder Steak, zum gegrillten Fisch oder zum Tafelspitz. Oder übehaupt ohne alles. Da kann man herrlich damit fliegen.

Verkostet wurde ein Chardonnay Fehlmühl 2013 vom Winzerhof Kirchknopf aus Eisenstadt, Burgenland, Österreich.

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Kategorie: Kirchknopf (A), Verkostet

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