Grauburgunder *** 2016

| 20. November 2017 Alles lesen

Grauburgunder***2016 Koch Einiges habe ich bereits verkostet von ihm, von jedem einzelnen Wein war ich bisher begeistert. Die Rede ist von den Weinen Holger Kochs aus Vogtsburg-Bickensohl am Kaiserstuhl in Baden. Holger Koch vergärt seine Weine spontan und baut sie in Holzfässern aus. Schwefel setzt er nur so spärlich ein wie es erforderlich ist. Vor ein paar Jahren hat er auf ökologischen Anbau umgestellt und ist auch zertifiziert. Sein letzter Wein den ich im Glas hatte war der Pinot Noir S 2013, heute habe ich seinen Grauburgunder *** 2016 am Tisch der Wahrheit stehen. Auch den kenne ich bereits, hatte ich ihn erst kürzlich in privater Runde kosten dürfen und war mehr als angetan von diesem feinen Grauburgunder. Heute stelle ich ihn deshalb hier ausführlicher dar. Bevor er aber seinen Weg ins grosse Burgunderglas antreten darf, wird er für eine Stunde in der Karaffe sich selbst und seiner Umgebung überlassen. Weil´s ihm gut tut, wie ich mittlerweile weiss, und weil er an der Luft auch immer feiner wird.

Willkommen in der Bäckerei

In leicht kupfergetöntem Gelb steht der Grauburgunder *** im grossen Becher. Einmal ganz tief eingeatmet und schon befindet man sich mitten in einer Bäckerei und schnuppert herrliche Aromen frischen Brotes, warmer Croissants und braunen Nüssen. Was für ein Duft! Angedrückte Birne, fein und weit entfernt von matschig, fast schon elegant wie man es nicht gewohnt ist, strömt die Nasenflügel hoch. Ein Stück angeschwitzte Butter hinten nach, etwas brauner Honig und fertig ist ein Duft der schlicht verzaubert. Grossartig!

Ein richtiger Charakterkopf

Mannomann, da tut sich was im Futterzentrum. Und zwar gewaltig. Haftung hat der Kerl wie der Grip auf einem Rennkurs. Druck macht er im Mund als gäbe es kein morgen. Wer einen Grauburgunder “herkömmlicher” Stilistik erwartet hat, der wird eines Besseren belehrt. Der Tropfen zeigt sich in einem Gerbstoffkleid das einfach gewaltig ist. Man braucht eine Weile um diese wunderbaren Butter-, Nuss- und Hefearomen bewusst zu erkennen, saugt diese aber dann ganz gierig in sich auf, weil sie so fein und elegant sind wie man es bis jetzt wohl nicht gekannt hat. Der Grauburgunder *** überrollt einen mit seiner enormen Kraft, nimmt den Gaumen ein ohne dass sich dieser wehren kann. Im Abgang schiebt er dunkle Würze nach, zeigt sich als richtiger Charakterkopf.

Auf dem Weg zum Monument

Wie erwartet schält sich der Grauburgunder *** immer mehr aus seinem dichten Kleid heraus, zieht trotz leiser Birnenfrucht und einer Löffelspitze Honig, richtig herb über die Zunge. Oder rau. Oder einfach nur unsagbar druckvoll. Es ist ein eindrucksvolles Erlebnis diesen Grip auf der Zunge zu spüren. Etwas Marille taucht kurz auf, verabschiedet sich aber genau so schnell wieder um dem Boden artig Platz zu machen. Denn dieser ist es, der diesen Wein mit straffer Hand regiert. Viel Erde, feine Würze, Staub und knochentrockene Mineralität sind die Hauptdarsteller in diesem Tropfen. Und wer sich erst mit ihm angefreundet hat, der hat ebenso die Gewissheit, dass das ein Wein für echte Cowboys ist. Erdig, urig, rustikal und gnadenlos.

Immer tiefer fällt man in diesen Tropfen rein. Man kann sich seinem Druck und seiner doch feinen Ader die sich jetzt bereits abzeichnet, einfach nicht entziehen. Man erkennt immer mehr, wie gewaltig sich der Grauburgunder *** in den nächsten zwei, drei Jahren entwickeln, wo seine Reise hingehen wird. Was dann im Glas stehen wird, kann man schon jetzt bedenkenlos als grandios bezeichnen. Es wird fein und elegant sein und es wird so gar kein typischer Vertreter seiner Art sein. Der Grauburgunder *** wird in zwei, drei Jahren einfach phänomenal, ein Monument sein und sowohl die Zunge wie den Gaumen ungemein verwöhnen. Jetzt bunkern was geht und dann einfach geniessen. Grauburgunder ganz gross!

Tipp: Verträgt locker drei und mehr Stunden in der Karaffe und geht dann auch über Tage. 12-14º sind ideal im grossen Kelch. Zu Fisch an hellen Saucen, zu Kalb- und Hühnerfleisch mit Gemüse eine Bank.

Verkostet wurde ein Grauburgunder *** 2016 von Holger Koch aus Vogtsburg-Bickensohl am Kaiserstuhl in Baden, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet