Grüner Veltliner Stein 2014 Reserve

| 17. November 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Vor kurzem hatte ich vom Weingut Stadt Krems, einem der ältesten Weingüter Österreichs, den Grüner Veltliner Weinzierlberg im Glas. Heute steht der Grüner Veltliner Stein 2014 am Tisch der Wahrheit. Stein heisst der Ort und von zwei Lagen stammt der Wein; von der Steiner Altenburg, einer schmalen Hang-Terrassenlage auf welcher Gneiss und Schieferböden dominieren und vom Steiner Gaisberg, der kleinen Nachbarlage des Pfaffenbergs mit Glimmerschiefer und Amphibolit. Beim GV Stein handelt es sich um eine Kremstal DAC Reserve und wie sich der im Edelstahltank ausgebaute Stein vom Weinzierlberg unterscheidet, dem wird jetzt auf den Grund gegangen.

Stein Wie schon beim Weinzierlberg, klebt auch auf dieser Flasche ein nobel wirkendes, offiziellen Charakter versprühendes Etikett. Hoch wie ein Turm, in gedecktem weiss, ist es in der Mitte in gold betextet. Ein kurzer Exkurs in die Geschichte der Stadt Krems sowie der Hinweis auf die die ebenso mehrhundertjährige Geschichte des Weinbaus der Stadt gibt Auskunft über die imposante Vergangenheit dieses Weinguts. In der Mitte des Textes ein modifizierter goldener Doppeladler. Ganz oben Weingut Stadt Krems in schwarz und unterhalb des Textes 2014 Kremstal Reserve STEIN Grüner Veltliner. So geht Etikettendesign für Monarchisten. Am kleinen Rückenetikett in der Mitte das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs, dessen Mitglied das Weingut Stadt Krems ist. Eine kurze Beschreibung über die beiden Lagen komplettiert das Informationsangebot. Und jetzt wird der von 13 Umdrehungen angetriebene GV Stein von seinem Schraubverschluss befreit.

Exotikduft im feuchten Schiefer

In sattem grüngelb steht der GV Stein wie ein ebensolcher im Glas. Auffallend exotische Aromen strömen die Nasenflügel hoch. Ananas, Mango und auch Litschi haben das Kommando und erst dahinter taucht verloren ein kleiner grüner Apfel auf. Schüchtern macht er sich bemerkbar. Es riecht reif, es riecht würzig wie auch ausgeprägt nach feuchtem Schiefer. Es ist ein dichter gelber Duft der in der Nase steht und der einen Hauch von Akazie in sich trägt. Saftig, weich und warm fühlt es sich an im Riechorgan.

Würzig-mineralisches Spektakel

Erheblich klarer und straffer als in der Nase fühlt sich der GV Stein im Mund an. Auf der Zunge macht sich augenblicklich eine resolute Würze breit, die sich ebenso ohne Umweg über den Gaumen legt. Mineralik dominiert, der Schiefer hat das Kommando und alles ist ihm untergeordnet. Man spürt den Wein weich auf der Zunge stehen und doch merkt man wie zielstrebig diese feuchte, steinige Mineralik das Zepter in der Hand hält. Gelbe Fruchtaromen an den Rändern, etwas Apfel, viel Exotik, die aber alles andere als fruchtig wirkt. Zu sehr steht der Boden im Vordergrund. Weisser Pfeffer, eine ganze Ladung davon, und erst dann schafft es der grüne Apfel sich so richtig bemerkbar zu machen. Der Rest ist ein würzig-mineralisches Spektakel, das einen einfach jubeln lässt.

Aus Containern abgeladener Gesteinsmix

Nach und nach legt der GV Stein an Kompaktheit zu, wird immer dichter und auch immer würziger. Auf der Zunge rollt er richtig, zeigt Statur und ein paar wohl geformte Muskeln. Er fühlt sich weich und etwas aufgeraut an. Das Zusammenspiel von Frucht und Säure ist ein sehr harmonisches, ein kleiner Rest von Zucker sorgt für einen kurzen Moment von saftig-weicher Opulenz im Abgang, der sich jedoch recht rasch wieder hin zu einem pfefferwürzigem Auftritt wandelt. Am Gaumen spürt man einzig und allein das Material das sich im Boden angesammelt hat, allem voran der Glimmerschiefer der für eine klare wie auch warme Mineralik sorgt. Erst im Anschluss wird es wieder weich und rund und warm, und erst danach schmeckt man plötzlich wieder gelbe wie auch grüne Frucht. So cremig sich der GV Stein kurz auf der Zunge anfühlt, so straff zieht er mittig seines Weges und zeigt eindrucksvoll was Würze heisst.

Blendet man den vorhandenen Zuckerschwanz der sich am Ende zart bemerkbar macht aus, kann man recht deutlich eine dezent salzige Note erkennen die dem Amphibolit geschuldet ist. Genau das ist es, der den GV Stein trotz seiner schieferigen Wärme zu einem frischen wie auch süffigen Wein macht. Reife Frucht gepaart mit einem aus Containern abgeladenen Gesteinsmix ergibt einen Wein, der einerseits sehr wohl mit moderater Frucht betört, sich aber letztlich auf pure Mineralik konzentriert. Man schmeckt gelb und grün, man fühlt wie auf der Zunge doch etwas Gewicht liegt. Am Ende löst sich alles in einer steinig-würzigen Nebelschwade auf, am Gaumen haftet weisser Stein, der Abrieb einer Apfelschale und ein Kilo weisser Pfeffer. Im Nachhall steinig, weiss und herrlich trocken wie auch animierend herb. Der GV Stein, ein Grüner Veltliner wie ich ihn mag. Kostet zwar, ist aber richtig toll und macht enormen Spass.

Tipp: Schrauber runter und rein ins Glas. Luft in der Karaffe ist auch kein Fehler. Mit 10-12º trinken. Zu klassischer österreichischer Küche wie Wiener Schnitzel oder Backhendl, aber auch zu fernöstlichen Gerichten hervorragend. Oder trinken Sie den Wein ganz einfach solo. Der hat richtig Zug und sorgt für wohlige Entspannung.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Stein 2014 Reserve vom Weingut Stadt Krems aus Krems, Österreich.

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Kategorie: Stadt Krems (A), Verkostet

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