Grüner Veltliner Weinzierlberg 2014

| 27. Oktober 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Von einem der ältesten Weingüter Österreichs, sogar Europas, kommt der Wein der heute zur Verkostung ansteht; vom Weingut Stadt Krems, welches auf mehr als 550 Jahre Weingeschichte zurück blicken kann. Es ist gleichzeitig auch das einzige Weingut, das sich im Besitz einer Stadt, nämlich Krems in Niederösterreich, befindet. Sämtliche Weinberge befinden sich innerhalb der Stadtgrenzen. So auch der Weinzierlberg, eine Hochterrasse von deren Löß-, Schotter- und Gesteinsböden der im Edelstahltank ausgebaute Grüner Veltliner Weinzierlberg 2014 kommt. Und weil die Neugier auf einen Wein mit soviel Geschichte gross ist wird die Arbeit unverzüglich aufgenommen.

Weinzierlberg Ein höchst nobles, fast schon offziellen Charakter versprühendes Etikett klebt auf der Schlegelflasche. Hoch wie ein Turm, in gedecktem weiss, ist es in der Mitte in gold betextet. Ein kurzer Exkurs in die Geschichte der Stadt Krems sowie der Hinweis auf die die ebenso mehrhundertjährige Geschichte des Weinbaus der Stadt gibt Auskunft über die imposante Vergangenheit dieses Weinguts. In der Mitte des Textes ein modifizierter goldener Doppeladler. Ganz oben Weingut Stadt Krems in schwarz und unterhalb des Textes 2014 Kremstal WEINZIERLBERG Grüner Veltliner. Etikettendesign für echte Monarchisten. Am kleinen Rückenetikett in der Mitte das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs, dessen Mitglied das Weingut Stadt Krems selbstverständlich ist. Sonst nur noch das was unbedingt angeführt sein muss. 12,5%vol. kündigen ein leichtes Trinkvergnügen an. Ob das auch stimmt, von dem werde ich mich ohne weiteres warten nun selbst ausführlich überzeugen.

Kultiviertes Pfefferl

In kräftigem strohgelb zieht der Weinzierlberg seine Kreise im Glas. Die Nasenflügel strömen ausgeprägte Aromen von reifem Apfel und Banane hoch. Eine frische Zitrusnote steht darüber und ebenfalls sehr ausgeprägt macht sich ein kultiviertes Pfefferl bemerkbar. Ein höchst erfrischender Duft ist es der da im Glas steht. Leichte grüne Würze, intensive, aber keineswegs laute Fruchtigkeit mit einem guten Schuss Mineralik. Insgesamt ein von Primäraromen dominierter Duft der sich sehr animierend in der Nase anfühlt.

Von wegen alles Banane

Veltliner zum Grinsen. Erstens weil kaum dass der Tropfen im Mund ist, sich die Zunge freudig einrollt dank der kecken Säure, und zweitens weil es gar so herrlich pfefferwürzig ist. Das ist aber noch lange nicht alles, denn augenblicklich spürt man wie weich der Weinzierlberg ist und wie traumhaft bananig sich das auf der Zunge anfühlt. Man schmatzt und leckt sich freudig die Lippen. Es fühlt sich dicht an, schmeckt nach reifer Banane und fein geschnittenem Apfel, ganz weit hinten tropft ein wenig Zitrone aus und sonst fühlt man nur den runden Körper der sich weich und cremig im Mund ausbreitet. Am Gaumen dezent pfeffrig, würzig, mineralisch und im Abgang lang, kompakt und durchaus fruchtig. Den klitzekleinen Zuckerschwanz gibt es als Bonus hinten drauf.

Süsser Charme & pfeffriger Charakter

Irgendwie hat man wenn der Wein in den Mund kommt kurz das Gefühl, als würde man mit Murmeln spielen. So rund fühlt sich das an. Dann tropfen einem saftige Bananenaromen die Zunge voll, man schmeckt sie wunderbar heraus, doch sind sie alles andere als matschig. Sie sind praktisch auf dem Punkt, genau im Übergang von grün zu gelb, nicht mehr unreif, noch nicht ganz reif, noch mit Biss. Das Pfefferl tut sein übriges dazu und macht aus dem Weinzierlberg einen wunderbaren Vertreter seiner Sorte. Nicht ganz trocken oder übermässig säurebetont, vielmehr ganz fein vom Zucker angeblasen und mit einer Konsistenz die zum Spielen einlädt. Erst hinten raus wieder eine leise Zitrusnote die dem Weinzierlberg ein wenig freches Wesen einhaucht. Grüner Veltliner der ganz grossen Spass macht.

Gibt man dem Weinzierlberg etwas Zeit und lässt ihm genügend Luft zukommen, dann wird er griffiger im Mund. Er wird würziger, trockener und mineralischer. Die Frucht verzieht sich etwas in den Hintergrund und lässt der Aromatik des Bodens den Vortritt. Sogar ganz leichte Tabaknoten tauchen auf. Die Banane wird feiner, der Apfel wacht immer mehr auf, die Zitrusfrische bleibt. Auf der Zunge hat der Wein an Gewicht abgenommen, am Gaumen fühlt er sich weisser, steiniger und trockener an. Er ist eleganter geworden, ist klarer und präziser und vor allem ganz typisch Veltliner geworden. Geblieben ist der kleine Zuckerschwanz, der am Ende dann doch wieder für ein rundes, weiches Rollen auf der Zunge sorgt. Ein Verführer ist er, der Weinzierlberg aus Krems. Mit süssem Charme und pfeffrigem Charakter ein Veltliner, mit dem man sich herrlich unbeschwert vergnügen kann.

Tipp: Etwas Luft befeuert ihn positiv. Mit 10º am besten zu geniessen. Wiener Schnitzel, Backhendl, aber auch zur asiatischen Küche bestens geeignet. Als Solist ein sündig charmanter wie auch charaktervoller Spassmacher.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner Weinzierlberg 2014 vom Weingut Stadt Krems aus Krems, Österreich.

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Kategorie: Stadt Krems (A), Verkostet

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