HEIDA ‘perle des vins alpins’ 2009

| 28. Oktober 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Vom höchsten Weinberg Europas, auf 1100 Meter gelegen, stammt der dritte Wein der Verkostungsrunde zum Thema ‘Weine off the beaten track‘. Im Zuge des 1. Teils zu diesem Thema, ‘Abenteuer in Weiss‘, stand diesmal ein ganz aussergewöhnlicher Wein von Madeleine Gay und ihrer Chandra Kurt Collection aus dem Schweizer Wallis auf dem Tisch. Ein sortenreiner Savagnin, auch als Traminer bekannt, war angetreten um zu zeigen was man im Schweizer Wallis, ganz ‘hoch oben’, so alles aus den Rebstöcken zaubern kann.

Der HEIDA ist kein Wein den man rasch mal beim Händler ums Eck ersteht, vielmehr zählt er aufgrund seiner geringen Erträge eher zu den Raritäten im Regal und wird in der Regel nur noch für den Vin Jaune des Jura verwendet. In der Schweiz selbst wird Savagnin als Paien oder Heida nur in besonders hohen Lagen des Wallis, unter anderem bei Visperterminen angebaut. Soviel als ‘Vorgeschmack’ auf das was aus der stilvollen ‘Sachsenkeule’ ins Glas fliessen sollte. Dass auf dieser der dezente Hinweis ‘Limitierte Produktion’ am Etikett angebracht ist versteht sich in diesem Fall von selbst.

Auch sonst ist das Etikett mehr als aussergewöhnlich. Wie eine offizielle Urkunde prangt ein hohes Stück auf alt getrimmtes Papier auf der Flasche. Passend zur braunen Flasche ein farblich perfekt abgestimmtes Etikett. In Grossbuchstaben HEIDA oben, wie ‘gestempelt’ und ebenso das offizielle Herkunftssiegel mit Jahrgang und Lage. Ein Foto von der Arbeit im Weinberg und die Geschichte über diesen Wein in Kurzform aufgedruckt. Ein Etikett das Leben versprüht.

Nach einer guten Stunde in der Karaffe wurde der HEIDA dann ins Glas ‘verfrachtet’. Dort schimmert es grünlich-gelb und die Konsistenz des Weins wirkt dicht und satt. Man kann es sogar als etwas dickflüssig bezeichnen. Das Glas wird von dicken Kirchenfenstern benetzt die nur langsam wieder abfliessen. Hier bahnt sich etwas Aufregendes an.

Sanft und geheimnisvoll

Sehr verhalten ist das Bukett, ohne deswegen nicht trotzdem ausdrucksstark zu sein. Man muss nicht brüllen um sich bemerkbar zu machen. Die Nase vernimmt eine feine Würze und auch eine gewisse Mineralität zeigt sich von ihrer angenehmsten Seite. Insgesamt riecht der HEIDA sehr dicht und ausserordentlich ‘weich’. Voll, fest und üppig.

Hatte man aufgrund seiner ‘hohen Herkunft’ doch auf ein wenig Kühle und Frische in der Nase getippt, so ist davon nichts zu merken. Im Gegenteil, der Wein strahlt eine erstaunliche Wärme aus und lässt auch keinerlei Hinweis auf eine eventuell vorhandene Säure zu. Ein sehr verhaltener und geheimnisvolles Duft der Rätsel aufgibt.

Faszinierend animierend

Am Gaumen dann das genaue Gegenteil. Plötzlich spürt man Rasse aufblitzen welche sich frisch und kühl im Mund ausdehnt und auf der Zunge festsetzt. Sehr voll und kompakt gleitet der HEIDA über den Gaumen und beschert diesem einen leicht bitteren Abgang. Nur ganz kurz, um sofort von einer beeindruckenden Mischung aus Gewürzen und Gestein überlagert zu werden. Dazwischen schmeckt man Nektarinen und Melonen.

Von der Konsistenz her fast wie eine Spätlese, besticht der Wein aber mit einer faszinierend animierenden und süffigen Trockenheit. Was an Frische und Kühle in der Nase gut versteckt ist, macht sich im Mund sehr elegant bemerkbar und schenkt einem ein fantastisches Trinkerlebnis.

Hochalpiner Weingenuss

Wer darauf wartet Säure zu entdecken, der lernt diese bestenfalls von ihrer sparsamen Seite kennen. Es scheint fast als würde sie sich nur sehr vorsichtig zeigen wollen um die generell beeindruckenden Geschmacksempfindungen nicht allzu sehr zu ‘stören’. Die ganze Aromatik wird von einer leichten Rauchigkeit begleitet welche dem HEIDA eine sehr elegante, ja mondäne Note verleiht.

Der Wein ist jedoch, gerade auch wegen seines umwerfenden Trinkflusses, nicht zu unterschätzen. Die 14% merkt man aufgrund seiner Komplexität auf den ersten Eindruck überhaupt nicht, sie ‘hängen’ sich aber trotzdem schwer rein und lassen keinen Zweifel daran, dass hier Kraft im Glas ist. So trocken der Tropfen die Kehle runter gleitet, so ölig ist er gleichzeitig und vermittelt einem das Gefühl, ein etwas ‘späteres’ Gewächs im Glas und im Mund zu haben. Der HEIDA schrammt nur knapp am Spätlese-Status vorbei und verzaubert einen mit aufregender Eigenständigkeit.

Braucht keine Punkte um zu überzeugen

Nachdem ich in dieser Runde bereits zwei Weine ‘abseits des Mainstreams’ kennen gelernt habe, ist der HEIDA der krönende Abschluss dieser ‘Outlaws’. Was für mich selbst gleichzeitig soviel bedeutet, dass bereits nach diesen ersten drei Weinen mein persönliches Geschmacksbild völlig auf den Kopf gestellt ist. Im positivsten aller Sinne, wohl bemerkt. Das was ich in dieser Runde verkostet habe, ist anders als alles andere was ich jemals getrunken habe. Und um mindestens 100 Punkte besser, als irgendwelche ‘Götter’ jemals in der Lage zu vergeben sind.

25 Euro sind nicht gerade Kleingeld das man für diesen ‘Gebirgswein´berappen darf. Andererseits bekommt man dafür aber soviel ‘hochalpinen’ Genuss geboten, der einen keinen Cent bereuen lässt. Wie schon im 1956 produzierten Hollywood-Schinken ‘Giganten’, gibt einem dieser Wein das Gefühl, auf Öl gestossen zu sein. Dabei muss man nur in der Schweiz ein paar Höhenmeter überwinden um dieses ‘flüssige Gold’ zu finden, nachdem man nicht einmal bohren muss.

Tipp: 10-12ºC sind ideal. Unbedingt karaffieren. 40-50 Minuten sind empfehlenswert und tun dem Wein nur Gutes.

Wein & und Winzer-Info:


Wein: HEIDA ‘perle des vins alpins’ 2009
Winzer: Madeleine Gay, ‘Chandra Kurt Collection’
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2015+
Anbau: Konventionell
Ausbau: Holzfaß >300 l
Dekantieren: Ja

Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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