Il Fauno di Arcanum 2012

| 24. Oktober 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Il Fauno 2012 Drei Weine produziert man auf der Tenuta di Arceno in San Gusmè Castelnuovo Berardenga bei Siena in der Toskana. Einen Chianti Classico, einen Chianti Classico Riserva und einen Chianti Classico Riserva Strada Al Sasso. Zusätzlich macht man aber auch noch 3 IGT Toscana IGT-Weine, sogenannte Supertuscans, die unter dem Label Arcanum vertrieben werden. Vikulturist und Winzer Pierre Seillan zeichnet für das Weingut, seit es vom US-Milliardär Jess Jackson gekauft wurde, verantwortlich. Heute steht einer dieser drei Supertuscans hier am Tisch der Wahrheit; der Il Fauno di Arcanum 2012. Eine Cuvée aus 48% Merlot, 27% Cabernet Franc, 22% Cabernet Sauvignon, 3% Petit Verdot. Klassisch italienisch also. Spass beiseite. Der Tropfen gehört zur absoluten Spitze von Arcanum, wo man sich auf Cabernet Franc und Bordeauxartige Mischungen spezialisiert hat. Bevor er aber in das Glas entlassen wird, darf er sich für eine halbe Stunde im Dekanter an die frische Luft gewöhnen.

Fleischig, fein und herbstlich

Dunkelrot bis violett schimmert es im Glas. Holunderbeeren, Brombeeren und auch Sauerkirschen duften in der Nase um die Wette. Es fühlt sich fleischig an und ist trotz allem fein im Riechorgan. Schwarze Johannisbeeren, Lakritz und Thymian sind Wegbegleiter, ein leiser Holzton schiebt allerfeinsten Rauch vor sich her. Der Duft ist herbstlich ohne düster zu sein. Es wirkt frisch, fühlt sich frisch an und man bekommt grosse Lust den ersten Schluck im Mund zu spüren. So riecht Italien. War nur ein Scherz! Bordeaux trifft´s eher. Auch wenn der Il Fauno niemals dort war.

Wenn sich Bordeaux burgundisch anfühlt

Herbstlich zeigt sich der Il Fauno auch im Mund. Frisches Laub, fein erdig, von schwarzer Frucht im Hintergrund begleitet, schleift er sich auf der Zunge ein. Etwas Toast, etwas Rauch, eine Textur zum Wohlfühlen. Die Sauerkirsche hebt zuerst die Hand, dann folgen die Johannisbeeren und während sich die Zunge über prächtigstes Tannin freut, zieht am Gaumen eine Wolke aus Lakritz und Thymian vorbei. Der Tropfen hat zwar Wumms, doch fühlt er sich am Ende, trotz seiner bordeauxesken Power, ausgesprochen burgundisch an. Er hat Kraft und doch macht er auf fein und edel. Der wunderbaren Säure sei gedankt, dass sich der Kerl in einem derart eleganten Kleid zeigt. Herrlichstens.

Tanzt im Mund wie einst Nurejew

Was absolut positiv “irritiert” ist diese Klarheit im Mund, diese enorme Frische mit welcher der Il Fauno auf der Zunge und am Gaumen steht. Da ist einerseits die Kraft, die Fleischigkeit und auch das Muskelspiel das sich hervor tut, und dann steht allem ein feiner, fast schon leichter Wein gegenüber. Fleisch gegen Klarheit, Muskeln gegen Eleganz, Dichte gegen Feinheit. Der Tropfen ist ein Musterbeispiel an Harmonie. Hier die Frucht die immer leise bleibt, da orientalische Gewürze, die sich langsam in den Vordergrund arbeiten. Saft im Mund, ein Tick Vanille, etwas Rauch und Röstaromen. Am Gaumen trocken, erdig und schwerelos. Das Gerbstoffkleid bereits sehr seidig, minimalporös und edel. Ein riesengrosser Spass der da im Futterzentrum abgeht. Und wieder fragt man sich wie sowas möglich ist; man schmeckt Bordeaux und spürt Burgund. Ein Fest wie´s schöner fast nicht geht.

Je länger der Il Fauno in der Karaffe Luft aufnimmt, umso würziger wird er auch. Die Frucht weicht immer mehr zurück, Gewürze, Kräuter und auch erdige Töne drängen immer stärker an die Front. Nur ein wenig Holunder und ein paar vereinzelte Johannisbeeren bleiben übrig, um im Hintergrund für einen Anschein von Fruchtigkeit zu sorgen. Im Finale wird es dann fast süss, ohne wirklich süss zu sein. Lakritze sorgt für eine freche Salzigkeit, die Feinheit und die Eleganz sind auch im Abgang imposant und unwiderstehlich. Der Tropfen ist wie eine Wohlfühl-Oase. Er schmeichelt, er hat Stil und er ist so gesittet, dass man ihn im Mund fast nicht bewegen, ihn einfach stehen und wirken lassen möchte. Fast ist man geneigt zu sagen: “Das ist ein klassischer Bordeaux der zeigt wie Burgund geht. Er tanzt im Mund wie einst Nurejew auf den grossen Bühnen dieser Welt.” Und er kommt aus Italien, natürlich. Woher sonst? Unbedingt probieren. Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus!

Tipp: Eine Stunde in die Karaffe mit dem Stoff. Zwei sind noch besser. Mit 16º geniessen. Schreit nach rotem Fleisch, nach Wild, nach Pasta und nach vielem mehr. Als Solist ein feiner Tropfen der mit seiner leichten Ader überrascht.

Verkostet wurde ein Il Fauno di Arcanum 2012 von der Tenuta di Arceno bei Siena, Toskana, Italien. Bezugsquelle: Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher (A), Verkostet

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