Kirsebaervin 2013 Lot No. 14-09

| 30. Januar 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Frederiksdahl 2013 Schon einmal etwas von der Stevnsbær-Kirsche gehört? Wenn nicht ist das auch nicht verwunderlich. Wächst diese nämlich nur in Dänemark und dort wieder macht Harald Krabbe, der Besitzer des Gutes Frederiksdal im Norden der Insel Lolland, einen Wein daraus der seinesgleichen sucht; einen Kirschwein. Also nicht er selbst macht ihn, dazu hat er sich Morte Brink Iwersen, Jan Friiss-Mikkelsen und Jens Heinemeyer ins Boot geholt und die zaubern aus der Sauerkirsche einen göttlich genialen Saft; den Kirsebaervin 2013 Lot No. 14-09. Der ist zwar rot, aber kein Rotwein. Er ist süss, aber kein Süsswein in herkömmlichen Sinn. Er besteht aus einer Frucht, ist aber kein Fruchtwein. Er ist einfach ein Unikat in der Weinwelt, wird aus Früchten gemacht, wie Wein spontan vergoren, auf der Hefe ausgebaut und im Barrique der Reifung überlassen. Ich habe dieses Unikat heute am Tisch der Wahrheit stehen und bin gespannt was mich erwartet. Kirschwein, wie verlockend sich das bereits anhört. Ich bin mehr als neugierig.

Fleischig, intensiv, betörend

Mehr schwarz als rot steht der Kirsebaervin im Glas. Die Nasenflügel vibrieren ob des tiefgründigen Duftes der sich an ihnen hochzieht. Raife, saftige schwarze Kirsche überall, dabei sehr frisch und animierend, Typisch “sauer” wie man es von Sauerkirschen wohl erwarten darf. Fast meint man Cabernet Sauvignon zu riechen und steckt die Nase gleich noch einmal tief ins Glas, um sie diesem betörend fleischigen Aroma auszusetzen.

Süsse + Tanine + Rasanz = Phänomenal

Und dann macht´s bumm! Und wie! Das ist der Totalangriff der Sauerkirsche. Reif, knackig, saftig, fleischig und derart von einer rasanten Säureader befeuert, dass es einem die Sprache verschlägt. Wer aber glaubt, dass wegen der angeführten 54g Restzucker das gleich süss bedeuten muss, der irrt gewaltig. Da treiben sich Gerbstoffe in der Luke rum die man nicht erwartet hätte. Das fühlt sich an wie Rotwein, schmeckt wie Süsswein und ist rassig wie ein Riesling. Die Zungenränder rollen sich vor frischer Säure, der Gaumen fasst es nicht was er da spürt und der Geschmack lässt einen auf der Stelle nach dem nächsten Schluck gieren. Im Abgang wirft der Kirsebaervin nochmals alles rein was er zu bieten hat und man spürt noch einmal, wie es einem die Zungenränder vor Entzücken aufrollt. Der Nachhall eines feinst tanningestreiften Rotweins würdig.

Perfekte Symbiose von Geschmack und Haptik

Was ist das nur für ein genialer Saft! Man spürt am Gaumen wie sich ein Gerbstoffmantel an ihm festhaftet, den man sonst nur von Rotweinen kennt. Man spürt es richtig rieseln und schmeckt gleichzeitig eine feine Süsse die sich mit der pulsierenden Säure zu einem unwiderstehlichen Duo vereint. Alles ist zart umhüllt von einem sehr subtilen Holzton. Es ist würzig, es ist süss, es ist “sauer” und es ist griffig. Es ist schlicht und einfach überwältigend was da im Mund passiert. Und dann, mit etwas Luft im Glas, betritt auch noch ein leiser Ton von dunkler Schokolade die Bühne und verleiht dem Kirsebaervin noch den Extra-Kick. Geschmack und Gefühl von dem man nicht genug bekommt. Ich werd´ zum Sauerkirschentiger.

Je länger ich an diesem Stoff rum nuckle, umso vielschichtiger erscheint er mir. Zarte Kaffeearomen zeigen sich im Hintergrund, Bitterschokolade ebenso und nach wie vor die Erste Geige spielt die Sauerkirsche. Die ist so dominant, dass man gewillt ist nie mehr in eine andere Frucht zu beissen. Kirschwein! Wie verrückt ist das denn? Und dann noch derart köstlich. Ich finde, dass jeder Weinfreund der etwas auf sich hält, diesen Saft zumindest einmal im Leben getrunken haben muss. Das ist ein Weinerlebnis wie von einem anderen Planeten. Das ist ein Lehrbeispiel dafür, wie perfekt die Symbiose von Geschmack und Haptik sein kann. Ich pfeif ab heute auf den Fünf Uhr-Tee und gönne mir stattdessen ein Gläschen Kirsebaervin.

Tipp: Aufmachen und mit 8-10º geniessen. Zu kräftigen Wildgerichten, zu Schmorbraten, Pasteten und Terrinen, zu Blauschimmelkäse und allen Schokodesserts. Als Solist ein mehr als verführerischer Charmeur.

Wein & und Winzer-Info:

Frederikstal Kirschwein 2013
Wein: Kirsebaervin 2013
Winzer: Frederiksdal Kirsebærvin A/S
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2017+
Boden: -
Ausbau: gebr. Barrique
Besonderes: Unfiltriert
Dekantieren: Nein

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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