Liaison 2012 Pinot Noir

| 27. Januar 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Einen Pinot Noir von Sven Enderles und Florian Molls Weingut Enderle & Moll aus Münchweier in Baden hatte ich bereits, den Liaison 2011. Heute steht der zweite Pinot am Tisch der Wahrheit. Selber Name, Liaison, selbe Herkunft (von unterschiedlichen Böden die mit älteren Rebstöcken bepflanzt sind) und selbe Geschichte (die Lage Liaison hiess früher ‘Villages’). Heute aber ist es der Jahrgang 2012 der erkundet wird um den Unterschied zu 2011 heraus zu arbeiten. Auch der Liaison 2012 wurde während der 12-15 monatigen Lagerung in gebrauchten Barriques nicht abgezogen oder umgelagert. Auch er wurde spontan vergoren, nicht geschönt und ist unfiltriert abgefüllt worden. Ich bin gespannt und neugierig wie sich die Unterschiede zeigen werden.

PN Liaison 2012 Nichts Neues ist auch bei diesem Etikett von der Designfront zu vermelden. Oder doch? Wie gewohnt ist in der Mitte ganz oben das Wappen von Münchweier, welches auf silbernem Untergrund eine blaue Sichel zwischen zwei grünen Nadelbäumen zeigt. In der Mitte wie gehabt Pinot Noir in der klassisch geschwungenen Typo. Darunter, und das ist tatsächlich neu, ist der Name LIAISON2012 nicht in der ebenso verspielten Schrift, sondern in fast schon moderner Typo in Grossbuchstaben aufgedruckt. Auch im durch zwei feine Linien dargestellen Rahmen der das Etikett umfasst, ist ganz unten ENDERLEMOLL in der selben Schrift angebracht. Da beides ohne Leerraum bzw. dem & in einer Wurst gedruckt ist stellt sich die Frage ob das Absicht war. Hinten jedenfalls wieder gerade das Nötigste wie LANDWEIN OBERRHEIN und die Losnummer. Bevor der Liaison 2012 aber in das Burgunderglas kommt, darf er sich für eine Stunde in der Karaffe vergnügen.

Klar & frisch

In kirschrot, nur noch heller und noch klarer als der 2011 steht der Liaison 2012 im grossen Becher. Es riecht auch einen Tick frischer, die roten Beerenfrüchte treten klarer in den Vordergrund und auch der feine Hauch von Minze wirkt stärker ausgeprägt. Erdbeer- und Himbeernoten ziehen relativ kühlend die Nase hoch, eine dezente, feine Würze steht im Glas und insgesamt wirkt der 2012 im Vergleich zum 2011 lebendiger und noch erfrischender im Riechorgan. Das eine Jahr Altersunterschied macht sich überraschend klar bemerkbar. Extrakühl, sozusagen.

Kühl & kantig

Frisch und erdig strömt der Liaison 2012 in den Mund. Richtig würzig fühlt er sich am Gaumen an, während auf der Zunge Kirsche und Himbeere um die Vorherrschaft streiten. Schlank und extrem entschlackt ist das Mundgefühl, erst am Ende wird der Wein rund und weich. Auch der Liaison 2012 hat Pfeffer im Gepäck und zeigt den auch mit einer dezent scharfen Note. Die Gerbstoffe wirken etwas härter als beim 2011er, lassen den 2012 einen Tick kantiger und auch herber erscheinen. Auf der Zunge weich, rund und saftig, trotzdem kühl und frisch. Am Gaumen zart herb, erdig, würzig, packend. Kräuter auch beim 2012er und im Abgang trocken wie ein Staubtuch. Lang und wärmend im Nachhall, etwas rote Frucht, viel weisser Nebel.

Abgespecktes Leichtgewicht

Der Liaison 2012 benötigt definitv etwas mehr Luft um sich zu öffnen, zeigt sich aber dann von seiner besten Seite. Beeindruckend frisch steht er im Mund, umspült die Zunge mit weissem Pfeffer, ein paar grünen Kräutern und jeder Menge Erde. Erst hinterher schiebt er Kirsch- und Himbeernoten nach und verleiht dem Ganzen einen fruchtigen Charakter. Der aber alles andere als banal fruchtig, sondern unterlegt mit feiner Würze ist und dank seines Pfeffers eine gewisse Schärfe vermittelt. Entschlackt bis auf das Grundgerüst wirkt der Wein, kein Gramm das keiner braucht zuviel, einfach sehnig und schlank wie der perfekte Marathonläufer. Kein Gewicht im Mund, nur leichte, feine Hülle. Weniger Saft als der 2011, dafür noch mehr kühle Frische und Eleganz.

Nach drei Stunden breitet sich der Liaison in seiner vollen Pracht im Mund aus. Auf der Zunge wie auch hinter den Lippen überraschend weich und rund, ganz allgemein die Kanten abgeschliffen und klar wie polierter Stahl. Erst dann spürt man die feinen Gerbstoffe ihre Arbeit verrichten, wie sie extrem sanft agieren und für Struktur im Mund sorgen. Am Gaumen streift feiner weisser Nebel vorüber, viel Erde, viel Staub und herrlich trocken. Im Abgang fruchtig, ja. Aber doch begleitet von so viel Würze, dass beides zusammen einen wunderbar harmonischen Gesamteindruck hinterlässt. Auch der Liaison 2012 ist ein Pinot Noir mit Kanten und mit Ecken, er ist klarer als der 2011 und insgesamt um den Tick “frecher” als sein Vorgänger. Was man mehr mag bleibt jedem überlassen, ich denke aber, dass auch der 2012er in einem Jahr dem 2011er ähnlicher gewordfen sein wird. Und wenn nicht, dann entscheide ich mich hier und heute für den Liaison 2012, weil er noch frischer und noch kühler ist.

Tipp: Zwei Stunden Luft sind ideal. Im Burgunderglas mit 15-17º geniessen. Zu Braten, Wild und Champignongerichten. Zur entspannten Solounterhaltung bestens geeignet.

Verkostet wurde ein Liaison 2012 Pinot Noir vom Weingut Enderle & Moll aus Münchweier in Baden, Deutschland.

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Kategorie: Enderle & Moll (D), Verkostet

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