Luins 2012 Grand Cru La Côte, Vaud

| 26. Januar 2014 | 0 Kommentare Alles lesen

Die Weine aus der Collection Chandra Kurt by Provins Valais durfte ich schon alle verkosten. Heute steht der erste aus der neuen Kollektion der Weinautorin aus Zürich am Tisch der Wahrheit. Die Serie die Chandra Kurt in Zusammenarbeit mit dem angesehenen Weinhandelshaus Bolle & Cie. aus Morges am Genfersee auf Schiene gebracht hat, ist eine Hommage an die wichtigste Weissweinrebsorte der Schweiz, der Chasselas. Alle Weine dieser Kollektion kommen aus dem Waadtland (Vaud) und tragen auch die Namen ihrer geographischen Herkunft. Den Beginn macht heute der Luins 2012 Grand Cru La Côte, Vaud. So seine vollständige korrekte Bezeichnung. 10 Monate im Holzfass auf der Feinhefe ausgebaut und dann angefüllt. Der Luins wird auch als ‘Der noble Chasselas’ bezeichnet und ob dem so ist wird jetzt genauer untersucht.

Luins 01 Wie schon die Weine der letzten preisgekrönten Kollektion sind auch die Flaschen der Collection Chandra Kurt by Bolle wieder mit beeindruckenden Etiketten beklebt. Sie stammen aus dem Werk ‘La Grande Année Vigneronne’ von Paul Boesch aus dem Jahr 1935 und stellen die Arbeit und das Leben von Winzern im Waadtland dar. Neben der Illustration in einem weissen Bereich grafisch sehr schön alles eingearbeitet was auf den ersten Blick kommuniziert werden soll. Die ‘Nummer’ des Weines aus der Kollektion ganz oben, in diesem Fall 01, in der Mitte in schwarzer Typo LUINS.

Am hellgrauen Rückenetikett ganz oben eine Skizze vom Waadtland mit dem Hinweis wo sich das Gebiet Luins darin befindet, sowie ein paar allgemeine Informationen über die Region, die Rebsorte und ein paar sensorische Notizen. Für eine halbe Stunde wandert der Luins aber bevor er angetrunken wird in die Karaffe, um sich an die Stadtluft zu gewöhnen.

Weisse Blüten und jede Menge Steine

Hell wie ausgebleichtes Stroh, fast schon weisslich, steht der Luins im Glas. Leichte grünliche Reflexe schimmern mit. Der Duft ist so frisch wie animierend. Leichte Zitrusnoten zeigen sich, vermengt mit steiniger Mineralik, steigt dieser die Nase hoch. Es riecht mehr grün als gelb, weisse Blütenaromen dümpeln ausgeprägt im Glas herum. Es fühlt sich einerseits durchaus fruchtig an, driftet aber nach einer Weile an der Luft doch eher in eine Aromatik von Blüten und nacktem Gestein ab. Insgesamt ein sehr anregender Duft der schon vor dem ersten Schluck den Speichelfluss entsprechend anregt.

Weich, sanft und mild

Äusserst mild und weich strömt der Luins über die Lippen und breitet sich ebenso weich auf der Zunge aus. Es ist sehr sanft was man spürt, sehr mineralisch und trocken wie eine Küchenrolle. Es schmeckt weiss, definitiv. Ringelblumen und Lindenblüten kommen einem in den Sinn und kaum zieht der Luins in seiner herben Trockenheit über den Gaumen, spürt man nur mehr pure Gesteinsformationen. Etwas Kalk, viel blanker Stein und eine elgeante Herbheit beliben darauf haften und halten noch eine ganze Weile auf ihm an. Im Nachhall treten wieder verhalten weisse Blütenaromen zum Vorschein und man fühlt noch einmal die überraschende Sanftheit dieses Weines. Auch wenn der Luins von seiner Charakteristik her relativ robust wirkt, so ist er im Mundgefühl ausgesprochen weich und vor allem mild. In seiner Gesamtheit wirkt der Luins schon fast schüchtern.

Schleicht sich von hinten ins Weinherz ein

Je mehr Luft der Luins aufnimmt umso weisser, umso mineralischer wird er. Immer mehr breitet er sich vorerst wie weisser Tee auf der Zunge aus, hüllt, nein lullt sie fast in seinen sanften und mild wirkenden Körper ein, um dann den Muldenkipper abzuladen und schmecken lässt wie sich ein Steinbruch im Mund anfühlen könnte. Was den Luins in dieser Hinsicht trotzdem so charmant und auch elegant erscheinen lässt sind seine schlanken 12 Umdrehungen, mit denen er sich als echtes Leichtgewicht ins Weinherz einschleicht. Trotz seiner puren Mineralik, seiner herben Art die alles dominiert, schafft es der Tropfen wie ein sanfter Faserschmeichler den Mund zu füllen.

Ein wesentlicher Faktor für den vollkommenen Genuss ist, dass der Wein nicht zu warm wird. Es ist sehr darauf zu achten, dass er die ganze Zeit über gut gekühlt bleibt. Nur dann vermag er seine gesamte Eleganz auszuspielen. Dann ist er frisch im Mund, dann präsentiert er beeindruckend spröde Eleganz und es macht so richtig Spass ihn auf der Zunge wie am Gaumen intensiv zu spüren. Freunde frischer Früchte werden ihn nicht mögen, Kenner aber, die weisse Aromatik und steinige Mineralität zu schätzen wissen, werden ihn einfach lieben. Chasselas, wieder so eine Rebsorte die in unseren ‘Breiten’ so überhaupt nicht präsent ist und doch so viel zu bieten hat. Man sollte öfters einen Blick in die Schweiz wagen; sie hat nämlich einiges zu bieten. Um 17 Franken ist man dabei und jeder einzelne davon ist es auch wert.

Tipp: Halbe Stunde in der Karaffe atmen lassen. Bei 8-10º zu geniessen. Nicht wärmer werden lassen. Passt hervorragend zu Süsswasserfisch, zu Käse und zur Gemüseküche. Als Solist ein leichtfüssiger Begleiter.

Verkostet wurde ein Luins 2012 Grand Cru aus der Collection Chandra Kurt by Bolle. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein via Bolle & Cie. in Morges am Genfersee in der Schweiz.

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Kategorie: Chandra Kurt (CH), Verkostet

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