Lysegrön No.1 Pinot Blanc 2012

| 25. September 2014 | 0 Kommentare Alles lesen

Aus der Serie Trauben, Liebe und Zeit (TLZ) stammt der Wein, der heute von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier aus St. Stefan o. Stainz in der Steiermark am Tisch der Wahrheit steht. Sein Name: Lysegrön No.1, ein Pinot Blanc 2012. Wie alle Weine aus der TLZ-Serie hat auch der Lysegrön No.1 eine Weile im grossen Holzfass verbracht (12 Monate) bevor er abgefüllt wurde. Und wie alle Weine aus der TLZ-Serie ist auch der Lysegrön No.1 naturbelassenen, ohne jegliche Zusatzstoffe, ohne Schwefel und ohne Filtration in die Flasche gewandert. Ein Wein, der im Keller mehr oder weniger sich selbst überlassen und praktisch nur mit handwerklichem Geschick, Liebe und Zeit zu dem wurde was er heute ist. Ein Produkt der Natur. Jetzt wird er aber aufgemacht.

Lysegrön No.1 Auf der Burgunderflasche klebt das bereits bekannte runde Etikett, das aussieht als wäre es aus einem Baumstamm herausgeschnitten. Mit ungleichmässiger Stanzung am Rand, steht ganz oben auf dem vanillegelben Stück Papier lysegrön 1 in der typischen Papyrusschrift und unterhalb Trauben Liebe und Zeit, der Weinlinie aus dem Strohmeier’schen Programm. Die schneckenförmige Spirale, ein spezielles Erkennungsmerkmal auf allen Etiketten, steht neben dem Hinweis ohne Zugabe von Schwefel, ohne jegliche Zusatzstoffe, unfiltrierter Weisswein. Unterhalb noch STROHMEIER Austria und fertig. Am Rückenetikett erfährt man einiges über den Wein an sich. Den Flaschenhals schmückt wie alle Weine aus dem Hause Strohmeier eine Papierkappe, die mit einem Stück Spagat (Bindeschur) befestigt ist und auf der sich alles über die Philosophie hinter der Serie Trauben Liebe und Zeit befindet. Ebenso angeführt eine Dekantier-, Glas- und Trinktemperaturempfehlung in deutsch und englisch. Jetzt kommt der Lysegrön No.1 für eine Stunde in die grosse Karaffe und dann wird er über den Tag hinweg verkostet.

Nuss und Brot im Nasenflügel

Im grossen Glas zeigt sich der Lysgrön in leuchtendem Goldgelb. War der Wein direkt nach dem Umfüllen in die Karaffe noch ein kleiner Stinker, so zeigen sich jetzt nach einer Stunde typische Weissburgunderaromen. Weich in der Nase ist er, man riecht grüne Nussschalen, etwas Brot und Hefe sowie eine Mischung aus Lehm und Kalk. Im Hintergrund Kamillentee und auch ein paar florale Töne. Dominiert aber wird der Geruch von Nuss- und Bäckereiaromen. Wie schon bei den anderen Strohmeier’schen Weinen bin ich auch beim Lysgerön davon überzeugt, dass sich die Nase über den Tag hinweg zu purer Mineralik hin verändern wird.

Mild, saftig, frisch und weich

Mild wie Öl fliesst der Lysegrön über die Lippen um sich auf der Zunge ebenso rund und wohltuend niederzulassen. Butterweich ist das Gefühl im Mund und nach zwei Sekunden macht sich eine frische Säurespur bemerkbar. Purer Saft steht plötzlich auf der Zunge und zeigt sich von seiner fruchtigsten wie auch üppigsten Seite, ohne dabei aber auch nur den Hauch von fett zu werden. Man schmeckt den Tick von Ananas, Marillen sind dabei und auch reifer Apfel. Über die Zungenränder fliesst der Tropfen saftig und belebend frisch ab. Ein Schuss Nuss und eine Handvoll Lehm ist dabei, der für die Weichheit und die Wärme sorgt. Am Gaumen druckvoll mit öliger Textur, rund, weich und saftig. Erst ganz am Schluss, wenn sich die Fruchtigkeit aufgelöst hat, bleibt ein weisser Film auf ihm zurück und gibt sehr verhalten warme Brotaromen frei. Im Abgang ebenso mild und weich wie zu Beginn, mit Nuss- und Hefearomen versehen.

Hat Kurven und Charakter

Wein und Luft. Immer wieder ein Erlebnis. Mit jeder halben Stunde mehr nimmt der Lysegrön zu. Wird schlanker, klarer und frischer. Aber auch, wie nicht ganz unerwartet, mineralischer. Die Säure ackert sich immer mehr durch den runden Körper durch und zeigt was in ihr steckt. Es treten mehr die grünen Nussaromen in den Vordergrund und verschieben die gelben Früchte nach hinten. Auf der Zunge nach zwei Stunden fast schon weiss statt saftig gelb. Es kommt Leben in den Wein und am Gaumen herrscht jetzt schon genau jene Mineralik vor, die ich erwartet habe. Was nicht verloren geht ist jedoch die milde Art, der runde Körper und der weiche Kern. Es fühlt sich nur an, als würde alles aus einem dichten Nebel hervor treten und sich in aller Klarheit zeigen.

Nach vier Stunden ist der Lysegrön zu einem wunderbar frischen, agilen und lebenslustigen Gesellen geworden. Frische Säure, klar im Mund, trozdem weich und rund geblieben. Ananas und Marillen kullern auf der Zunge rum, die freche Säure sorgt für Unterhaltung und der weiche Körper aninmiert dazu mit ihm im Mund zu spielen. Zarte Nuss- und Brotaromen im Hintergrund sorgen für Kontrast und harmonieren sehr schön mit der Fruchtigkeit. Über den Gaumen zieht der Lysegrön in der Zwischenzeit sehr mineralisch hinweg, weiss im Empfinden und ebenso weich und mild. Am Zungenende macht er noch einmal sehr schön Druck bevor er sich in einem weisskalkigen Abgang verabschiedet. Was bleibt ist etwas grüne Nuss, etwas Brot und eine Scheibe Ananas. Innerhalb eines Tages hat sich der Lysegrön stetig verwandelt, ist immer klarer geworden und wäre wahrscheinlich genau jetzt dort, wo man ihn eigentlich zu trinken beginnen sollte. Aber jetzt ist nichts mehr da. Deswegen sollte man den Wein generell über zwei Tage trinken, weil da sicher noch viel mehr auf einen zukommt als man an einem Tag erleben durfte. Weissburgunder mit Kurven und Charakter.

Tipp: Unbedingt zwei bis drei Stunden Luft genehmigen. Grosses Glas ist Pflicht. Mit 12-14º geniessen. Weisses Fleisch, Garnelen und knackiges Gemüse veredelt er. Als Solist ein Wein für jene, die Entschleunigung zu schätzen wissen.

Verkostet wurde ein Lysegrön No.1 Pinot Blanc 2012 von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier aus St. Stefan o. Stainz in der Steiermark, Österreich.

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Kategorie: Strohmeier (A), Verkostet

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