Notte a San Martino 2007 IGT

| 31. Oktober 2012 Alles lesen

Nach einer längeren Pause starten wir heute in die vierte und zugleich auch letzte Verkostungsrunde mit Olivini-Weinen und haben dazu einen Notte a San Martino aus 2007, einen sortenreinen Merlot auf unserem ‘Tisch der Wahrheit’ stehen. Ein idealer Wein der perfekt zu dem grauen Wetter draussen passt und echte Herbstgefühle aufkommen lässt. Ein Wein der ‘wärmen’ wird, so nehmen wir mal an, weil 14,5% nicht grade wenig sind und auf feste Muskeln schliessen lassen. Von Hand gelesen ist er, 18 Monate hat er in französischen Barriques verbracht und kommt heute als Notte a San Martino IGT in die Gläser.

Entgegen den bisherigen Etiketten die alle einem konsequent umgesetzten Corporate Design gefolgt sind, steht der Notte a San Martino mit einer völlig anderen Flaschenbeklebung vor uns. Tiefschwarz ist das Stück Papier auf dieser lange schlanken Flasche und mit einem weissen angeschnittenen Punkt am Rand versehen, der wohl den Mond am nächtlichen Himmel symbolisieren soll. In der Mitte Notte a San Martino und drunter der Name des Önölogen Antonio Crescini. Erst ganz am Schluss fällt einem auf, dass ja doch ein letzer Rest von Corporate Design vorhanden ist und sieht am unteren Ende die berühmten ‘bunten’ Streifen in weinrot und einer Art von lilablau.

Am Rückenetikett, das ebenfalls an das Hauptdesign angepasst ist, die wichtigsten Eckdaten über den Wein und vor allem die Herkunft Benaco Bresciano (Benaco (it.) steht für Gardasee), sowie die Klassifikation IGT hervorgehoben. Wie schon eingangs erwähnt auch der Hinweis, dass der Tropfen 14,5% hat, um nicht ganz unvorbereitet zu sein wenn man sich mit ihm ‘anlegt’. Der Wein wird umgefüllt und kommt nach einer halben Stunde in die Gläser.

Harmonisch, saftig, vornehm

Mit einem tiefen dunkelroten Kern steht der Merlot im Glas, an den Rändern schimmert es kirschrot. Trotz seiner dunklen konzentrierten Farbe ist er nicht komplett blickdicht. Ein kräftiges, saftiges und trotzdem sehr zivilisiertes Bukett verwöhnt die Nase mit Aromen von Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren. Eine feine rauchige Note zieht die Nase hoch und fühlt sich gut an. Sehr schöne Kaffee- und Schokoladearomen riecht man und alles wirkt vornehm und gesittet. Es riecht nicht überholzt, vielmehr rundet diese wirklich feine Holznote die Fruchtaromen harmonisch ab und lässt sie rauchig-saftig die Nasenwand hochsteigen.

Dunkle Frucht in dunkler Schokolade

Über die Lippen strömt der Notte a San Martino relativ frisch, sogar kühl wirkend und mit einer mächtigen Ladung Gerbstoffen im Gepäck. Mächtig und kräftig nimmt er sofort einmal die Zunge in Beschlag und zeigt, dass er ein wahrer Muskelprotz ist. Das ‘Ding’ haut rein, ohne aber heiss zu wirken, nur Dampf wird schon gemacht im Mund. Einerseits mit konzentrierter Frucht, die aber aufgrund der Trockenenheit nicht fett oder üppig wirkt, und andererseits wegen des doch recht rustikalen Gerbstoffgerüstes, was sich aber an der Luft sicher noch verändern wird. Der Notte a San Martino kommt vollmundig daher, betont sehr schön die dunklen Früchte und setzt seine feine Holznote perfekt als ‘side dish’ ein. Man spürt das Rauchige im Mund, man schmeckt die schokoladig unterlegte Frucht und man fühlt den Wein sehr schön im ganzen Mundraum. Interessant ist, dass diesem Merlot die typische Pflaumennote fehlt und er auch nicht das oft beobachtete Aromenspektrum wie von einem Rumtopf hat. Er konzentriert sich auf seine dunklen Beeren und veredelt diese exklusiv mit Holz und Schokolade.

Muskulöser Feinmotoriker

Wie erwartet wird der Notte a San Martino mit zunehmendem Sauerstoff ruhiger, entwickelt sich aber gleichzeitig hin zu noch kräftigerer Statur ohne dabei dick zu werden. Auf der Zunge spürt man jetzt mehr von der Frucht und das Tanningerüst ist freundlicher geworden. Es ist harmonischer geworden im Mund, alles ist besser balanciert und tritt als grosses Ganzes auf. Am Gaumen fühlt man zwar wie kräftig und auch saftig der Wein ist, aber auch wie wunderschön trocken er über ihn hinwegzieht. Man spürt wie Brombeeren und schwarze Johannisbeeren dominieren, wie fein das Holz darin integriert ist und wie zartrauchig alles im Nachhall wird. Schokolade tritt immer mehr in den Vordergrund. Der Notte a San Martino ist alles andere als ein fetter oder heisser Merlot, vielmehr ist er ein kühler, frischer, wenn auch mächtig Muskelmasse zeigender ‘Feinmotoriker’. Eine gelungene Kombination von Kraft und Gefühl. Ein Wein der Spass im Mund macht, der angenehm trocken ist und trotzdem genug Saft in sich hat um den Mund mit reifer Frucht zu füllen. All das wird getragen von rauchig-vanilligen und in dunkle Schokolade gefassten Aromen. Knappe 20 Euro sind okay für diesen Tropfen und sollten auch ‘Anti-Merlot-Trinker’ davon überzeugen können, dass es nicht immer nur pflaumig-süss und alkoholisch-heiss abgehen muss.

Tipp: Auf jeden Fall dekantieren. ‘Entdecker’ trinken ihn nach einer Stunde an, Geduldige erleben ihn nach zwei als wohlig weichen Tropfen. Nicht zu warm servieren, max 16-18º. Passt hervorragend zu Rindfleischgerichten und ist solo ein vorzüglicher Begleiter.

Verkostet wurde ein Notte a San Martino 2007 IGT von Famiglia Olivini aus Desenzano del Garda in der Region Brescia, Italien. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein von Andrea Seidler von VIP-Weine Köln.

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Kategorie: Famiglia Olivini (I), Verkostet