Pinot Noir ‘Hugel’ 2007

| 6. August 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Der zweite Wein in dieser Hugel & Fils-Verkostungsrunde ist ein sortenreiner Pinot Noir, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Aus dem aussergewöhnlichen Jahr 2007 stammt er und sollte in der Zwischenzeit zu einem richtig netten Genusstropfen heran gereift sein. Nachdem wir schon länger keinen Spätburgunder in den Gläsern hatten sind wir umso gespannter, wie sich der Pinot Noir ‘Hugel’ von bisher verkosteten wohl unterscheiden wird. Es ist immer wieder ein Erlebnis Weine gleicher Rebsorte aus unterschiedlichen Weinbauregionen zu erforschen und ihre ganz persönlichen ‘Eigenheiten’ kennenzulernen. Wir sind bereit und freuen uns auf einen Spätburgunder aus dem wunderschönen Elsass.

Das Etikett das auf der schlanken Schlegelflasche klebt leuchtet, wie könnte es anders sein, in knalligem Hugelgelb von selbiger. In ebensolch knalligem rot ALSACE, die Herkunftsbezeichnung, und in grossen schwarzen Buchstaben Pinot Noir ‘Hugel’. In der Mitte wie üblich der Dreiberg, das Familienwappen der Hugels. Rot, schwarz und gelb dominieren die Etiketten aller Hugel-Weine und verleihen diesen absoluten Wiedererkennungswert.

Das Rückenetikett wie schon gewohnt in französisch mit allem drauf was wissenswert ist über diesen Wein. Zumindest dann wenn man französisch kann und auch versteht was einem dort erzählt wird. Ich verspreche in Zukunft besser in der Schule aufzupassen. Angetrunken wird der Spätburgunder direkt und ohne Belüftung, der Rest kommt für neunzig Minuten zur Sauerstoffaufnahme in den Dekanter. Wir wollen diesen Wein ‘beobachten’ wie er sich vom ersten Luftkontakt weg entwickelt und welche Veränderungen er durchmacht.

Ein Feuerwerk an Frucht und Saftigkeit

Ein schönes, klares und relativ helles Rubinrot steht vor uns im Glas und lädt ein ganz tief hinein zu blicken. Zum Rand hin wird es bräunlich-rot und immer heller. In erster Linie duftet es richtig fruchtig aus dem Kelch. Reife Kirschen dominieren und auch saftige rote Beerenaromen strömen aus dem Glas. Es duftet ein wenig nach Vanille und sogar ein wenig blumig. Ein sehr schönes Bukett das Saftigkeit versprüht und Freude auf den ersten Schluck macht. Schattenmorellen riecht man und fruchtige Johannisbeeren. Insgesamt ein betörend fruchtiges Aromenspiel das der Pinot Noir hier vom Stapel lässt.

Der Wein braucht Luft um aufzublühen

Der erste Schluck der dann nach einer halben Stunde Betrachten und Riechen die Zunge trifft, bestätigt was wir vermutet haben. Der Pinot Noir braucht Luft um sich richtig entfalten zu können. Noch wirkt er ein wenig ‘orientierungslos’ und weiss nicht so recht welche Talente er zuerst zeigen soll. Er ist zwar weich und voll im Mundgefühl, nur die Frucht und die paar Tannine die in ihm sind haben noch nicht so richtig zueinander gefunden. Noch stehen sie ein wenig neben und vor allem jeder für sich. Nach einer Stunde sieht die Welt dann schon ein wenig anders aus. Es kommt zusammen was zusammengehört und der Pinot Noir wird runder, saftiger und fruchtiger. Er präsentiert sich bereits konsolidierter und zeigt Finesse auf der Zunge und am Gaumen.

Erst jetzt merkt man richtig wie knochentrocken der Pinot Noir trotz seiner Fruchtigkeit ist. Seine präsente Säure verleiht ihm Textur und hat sich jetzt auch mit den Fruchtaromen zusammengerauft. Gerbstoffseitig muss man schon tief ‘graben’ um diese noch wahrzunehmen, es herrscht eindeutig fruchtige Dominanz im Kelch vor.

Frech und knochentrocken

Ob seiner attraktiven Säure und seiner sehr verhaltenen Tannine wirkt der Pinot Noir fast ein wenig ‘frech’ im Auftritt. Er erfrischt richtig mit seiner duftigen, fruchtigen Art und man spürt ihn kühl und gradlinig über die Zunge gleiten. Er macht den Mund keineswegs voll, obwohl er voll im Geschmack ist. Vielmehr findet er zielstrebig den Weg auf den Gaumen um diesen mit einer feinen Vanillenote zu umwehen. Kaum geschluckt merkt man wieder wie trocken dieser Tropfen ist. Da bleibt nichts als ein Hauch von kühler Frucht und seidig feinen Gerbstoffen haften. Im Nachhall sucht man vergeblich nach der Erinnerung von Flüssigkeit, man ist schlichtweg ausgetrocknet. Fein, ein wenig herb und aromatisch. Fast ein wenig würzig.

Der Pinot Noir braucht Zeit im Glas, soviel steht fest. Dann aber taut er auf und zeigt sich von seiner besten Seite. Mit seinen gerademal 12% beschert einen ebenso leichten Trinkfluss und es macht Spass diesen Wein im Glas zu haben. Schnörkelloser Spätburgunder der auch an heissen Tagen für Erfrischung sorgt. Um durchschnittlich 13 Euro im Fachhandel zu erstehen und jedenfalls sein Geld wert.

Tipp: Geniessen Sie diesen Wein auf keinen Fall zu warm. Um die 14-15º macht er am meisten Spass im Mund. Küchentechnisch universell einsetzbar macht er zu vielen Gerichten ein sprichwörtlich ‘schlankes Bein’.

Verkostet wurde ein Pinot Noir ‘Hugel’ 2007 von Hugel & Fils aus Riquewihr im Elsass, Frankreich.

Wollen Sie mehr über diesen Wein erfahren? Hier stehen Ihnen die wichtigsten Informationen zum Nachlesen zur Verfügung. Alle Weine wurden uns von Hugel & Fils und Olivier Brun von Veritable Vins & Domaines zur Verfügung gestellt.

Stichwörter: , , , ,

Kategorie: Hugel & Fils (F), Verkostet

Ihr Kommentar