Riesling 2014 Edition Pinard de Picard

| 15. Oktober 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Man bringe den Riesling. Und zwar einen vom Weingut Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe, welches der Decanter im Juni 2015 zu den “20 besten Weingütern der Welt” gezählt hat. Jener Riesling der heute am Tisch der Wahrheit steht ist eine Cuvee, die Cornelius Dönnhoff exklusiv für Pinard de Picard abgefüllt hat. Ein Gutsriesling in der Luxusausführung sozusagen. Die Trauben für den Riesling trocken 2014 Edition Pinard de Picard stammen von den besten Schlossböckelheimer-Lagen mit ihren Böden aus Quarzit sowie aus Schiefer- und Vulkanverwitterung. Helmut Dönnhoff pflegt zu sagen “Ich spreche Klartext und so zeigen sich auch meine Weine.” Wie sehr dieser Ausspruch der Realität entspricht, das werde ich jetzt höchst interessiert untersuchen.

Doennhoff 2014 Leicht gelblich ist das Etikett das auf der braunen Schlegelflasche klebt. Ganz oben das Familienwappen, das im goldenen Schild einen Eber zeigt. Darauf ein Pferd mit zwei goldenen Lanzen und umrankt von so etwas ähnlichem wie Farnen oder Federbüschen. Darunter in schwarzen Kapitalen DÖNNHOFF hochgeprägt mit einem goldenen Blaken unterstrichen. In der Mitte ganz schlicht und einfach in zentrierter Form Riesling trocken 2014 und am Rand ganz unten Edition Pinard de Picard. Klassisch, einfach, elegant und klar. Das etwas kleinere Rückenetikett verrät nicht wirklich viel, ausser dem was sowieso auf jedem Etikett steht bzw. stehen muss. Erfreulich ist die Zahl 12 im unteren Eck die darauf hinweist, dass der Vortrieb ein äusserst moderater sein wird. Eine vanillegelbe Halsmanschette mit dem Eindruck DÖNNHOFF und dem Siegel des VDP komplettiert die schlanke Erscheinung, deren Inhalt jetzt ohne weitere Wartezeit ins polierte Glas kommt.

Verführerisch wie eine Venusfalle

Helles strohgelb dreht im Glas seine Runden. Das erste was einem in die Nase hüpft ist ein riengrosser reifer Pfirsich. Gefolgt von einem Korb frischer Zitronen, etwas rosa Grepefruit und einem Haufen frisch gesprengter Feuersteine. Fruchtig und mineralisch zugleich, was überwiegt ist gar nicht einfach festzustellen. Auf jeden Fall ein intensiver Duft, der ganz hinten auch mit frischen Litschis aufwartet. Verführerisch wie eine Venusfalle steht der Wein im Glas und zieht mit seinem süssen Duft die Nase hoch, während im Mund bereits dezenter Speichelfluss einsetzt.

Knackig, frisch, frivol

Herrlich! Erstens weil knochentrocken und zweitens weil wunderbar rauchig-mineralisch. Als würde ein Muldenkipper das ganze Geröll direkt in den Mund abladen. Da staubt es und die Wolke die sich augenblicklich darin ausbreitet ist nicht nur trocken, sie ist auch traumhaft würzig. Erst dann tauchen die feinen Fruchtaromen auf und sorgen für eine zitronige Frische auf der Zunge. Komplett das Gegenteil von dem was in der Nase los war. Da ist richtig Spannung drin, da steht ein frischer, knackiger Riesling auf der Zunge, brilliert mit feiner Säure und hüllt den Gaumen mit einer dichten wie auch feinen Mineralik ein. Obwohl recht kernig, fühlt sich der Wein trotz allem äusserst weich an. So klar er auf die Zunge kommt, so fein schmelzig schmiegt er sich augenblicklich an den Wangen an. Frivol die Zitrusfrucht und satt der Pfirsich, frech das Säurespiel und obendrauf ein Grip den man nicht erwartet hätte. Und sonst? Gelber Rauch im Abgang, der sich in einem ebenso gelben Nachhall inklusive fettem Pfirsich auflöst.

Riesling-Spass für jeden Tag

Glockenklar fühlt sich der Riesling im ersten Moment an, danach rauht er etwas auf und sorgt für einen wunderbar griffigen Film am Gaumen. Auf der Zunge wirkt noch lange die Frucht des Pfirsichs nach, um am Ende in einer Wolke aus feuchtem Feuerstein und Schiefrplatten aufzugehen. Feine Würze begleitet alles im Hintergrund, lässt einer frischen Zitrusaromatik den Vortritt. Der Wein beeindruckt einerseits mit seiner eleganten Fruchtigkeit sowie mit seiner ausgeprägt steinigen und erfrischenden Aromatik auf der anderen Seite. Er ist rassig und gesittet zugleich, fruchtig, mineralisch, klar und griffig. Ein echtes Multitasking-Talent. Kaum glaubt man von der Frucht den Saft zu spüren, verwandelt sie sich in einen herben Film der sich wie kalter Stein anfühlt.

Einfach aufregend ist der Trinkfluss dieses Rieslings, den sich Pinard de Picard als Sonderedition abfüllen hat lassen. Dank seiner intensiven steinigen Mineralik und seiner frischen Fruchtigkeit, gepaart mit kecker Säure und einem schlanken Körper, zischt der Tropfen wie ein Wasserfall über die Zunge in den Schlund. Schlappe 12% Alkohol sind in einem glasklaren Kern verpackt, Pfirsich und Zitrone stolzieren rassig im Mund herum und der Muldenkipper hört nicht auf seine Tonnen von frisch gesprengtem Stein abzuladen. Fruchtig, staubig, rassig, steinig, trocken, weiss und gelb und rauchig. Sogar feine frische Kräuter sind dabei. Ein Riesling der alles zu bieten hat, der pulsiert und zischt. Ein Riesling den man sich einfach aufmacht und schneller als gewollt vernichtet. Zechwein für jeden Tag. Und das ist nur der ganz banale Gutswein, dessen Preis von weniger als 11 Euro schon fast obszön günstig ist.

Tipp: Schrauber runter von der Flasche und am besten mit um die 10º verputzen. Zum Schnitzel, zur Forelle oder einfach zur feinen Brettljause. Als Durstlöscher auch ohne alles ein spannder wie packender Wein der richtig Spass macht.

Verkostet wurde ein Dönnhoff Riesling 2014 Edition Pinard de Picard vom Weingut Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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