Riesling Alte Reben 2017

| 26. Juni 2019 Alles lesen

von Kesselstadt Alte Reben 2017 Mosel, Saar und Ruwer. Drei Namen die jedes Rieslingherz augenblicklich höher schlagen lassen. In diesen drei Flusstälern bewirtschaftet das VDP-Weingut Reichsgraf von Kesselstatt, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, 46 Hektar der besten Lagen, wie Sonnenuhr und Goldtröpfchen an der Mosel, Kehrnagel an der Ruwer und Gottesfuss und Scharzhofberger an der Saar, um nur einige zu nennen. Im Wein, der heute hier am Tisch der Wahrheit steht, hat man die Charaktereigenschaften der alten Reben von Ruwer und Saar vereint und daraus den Riesling Alte Reben 2017 in die Flaschen gezaubert. Einen VDP.Gutswein mit, für Freunde von Analysewerten, 5,9 g/l Restsüsse und 7,0 g/l Säure. Wie der gute Tropfen aber schmeckt, dem geht man hier jetzt ganz ausführlich auf den Grund und entledigt das dunkelgrüne Gebinde von seinem Schraubverschluss. In die Karaffe kommt der Wein nicht, er wird ohne Umweg in das Glas verfrachtet.

Frucht & Mineralität

Nasser Feuerstein und grüne Gräser springen einem förmlich in die Nasenflügel, kaum dass man seine Nase in das Glas gesteckt hat. Mineralik pur im Riechorgan, dazu etwas Grapefruit, Stachelbeeren und der dezente Hinweis, dass der Tropfen spontan vergoren wurde. Der Riesling Alte Reben duftet intensiv und schürt die Freude auf den ersten Schluck. Man ahnt was kommen wird und hofft, dass es genau so eintrifft.

Wenn es kracht und knackt …

Und plötzlich “kracht” es richtig in der Luke. Kernig, knackig, rassig überfällt der Riesling Alte Reben auf der Stelle die Zunge. Kaum steht der Tropfen auf ihr lässt er einem kurz die Mimik entgleisen und die Augen zu schmalen Schlitzen werden. 6 Gramm Restzucker? Papperlapapp. Zum Vergessen. Der Kerl klirrt vor steiniger Mineralität, dass einem die Ohren wackeln. Was für ein Rassewein! Ein richtig grosser Schluck davon und man hört nie mehr auf zu grinsen. Frucht, Süße, Mineralität, alles zu einem unschlagbaren Trio vereint. Dicht, komplex und doch so rasant süffig, dass man gar nicht aufhört sich die Luke nachzufüllen.

… und am Ende immer huier wird.

Kaum dass der Riesling Alte Reben aber Luft und Temperatur aufnimmt, entfaltet er sich zu einem vielschichtigen Tropfen, der Struktur und Tiefe zeigt, der Grip am Gaumen entwickelt und auf der Zunge plötzlich voll “im Saft” steht. Nasser Feuerstein zieht rauchig durch den Mund, reife Frucht macht Druck und der Nachhall ist mit einer traumhaft feuchten, steinigen Würze unterfüttert. Der Tropfen hat sich vom unzähmbaren Rassehengst hin zu einem komplexen und charaktervollen Charakterdarsteller gemausert. Unglaublich diese Verwandlung. Und umso interessanter diese Wandlung innerhalb Minuten mitzuverfolgen. Immer griffiger wird der Wein im Mund, immer mehr schmiegt er sich an und scheint für immer bleiben zu wollen. Am Anfang einfach hui, nach einer Weile aber immer “huier”.

Der Riesling Alte Reben ist ein wahrer Verwandlungskünstler, und welche Seite man von ihm genauer kennenlernen will, hängt mit dem eigenen Trinkfluss zusammen. Kalt und frisch geöffnet offenbart er eine Knackigkeit die einen wie ein wilder Gebirgsbach mitreisst. Etwas länger offen und ein wenig “wärmer”, zeigt der Tropfen seine wahren Charaktereigenschaften wie Komplexität und Tiefgang. Vielleicht sollte man einfach zwei Flaschen öffnen und parallel geniessen. Einmal kalt und knackig rassig, und einmal dicht und griffig. Das ist richtig grosser Rieslingspass den man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich gönn mir noch ein Glas. In kalt, weil wärmer wird er eh von selbst. Zum Wohl.

Tipp: Aufmachen und kalt beginnen, wird mit Temperatur immer dichter und komplexer. Zu frischen Sommersalaten, zu weissem Fleisch und würzigen Gerichten. Als Solist ein wunderbarer Zeitvertreib.

Verkostet wurde ein Riesling Alte Reben 2017 von Reichsgraf von Kesselstatt aus Morscheid, Deutschland. Bezugsquelle: Fine Wine Shop, Illmitz.

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