Riesling Sonnenberg 2018

| 24. Januar 2020 | 0 Kommentare Alles lesen

Jülg Sonnenberg Gelernt hat Johannes Jülg bei absoluten Meistern ihres Fachs; bei Klaus Peter Keller und bei Werner Schönleber. Auf der berühmten Clos des Lambrays im Burgund hat er sich zusätzlich enormes Wissen angeeignet. Gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet er rund 18 Hektar im Grenzland zwischen Vogesen und Pfälzerwald, dort wo das Elsass die Pfalz berührt. Man besitzt dort auf deutschem wie auf französischem Territorium Weinberge. 40% der Weinberge des Weinguts Jülg liegen auf französischem Staatsgebiet in Wissembourg. Die Philosophie Johannes Jülgs ist eine ganz einfache: “„Wir vereinen französische Tradition mit deutscher Innovation und das ergibt so einen einzigartigen individuellen Stil”. Ich habe heute seinen Top-Riesling am Tisch der Wahrheit stehen, den Riesling Sonnenberg 2018, von einer der grossen Kalklagen mit den ältesten Weingärten aus Frankreich. Man sagt ihm Potential für ein Grosses Gewächs nach. Ob er das tatsächlich hat, davon werde ich mich in den nächsten Stunden überzeugen.

Willkommen im Tropenfrüchtehimmel

In kraftvollem gelb dreht der Sonnenberg im Glas seine Runden. Genauso kraftvoll duftet es aus selbigem heraus. Ananas, Mandarinen, Zitronen und Limetten haben sich zu einem dichten Duft zusammengetan. Willkommen im Tropenparadies. Kalk zieht im Hintergrund vorbei, leise Kräutertöne blitzen auf. Das hat Wumms und zieht druckvoll und saftig die Nasenflügel hoch. Nicht zu überhören in den ersten zwei Minuten ist, dass der Tropfen spontan vergoren wurde. Legt sich aber rasch und dann ist man im Tropenfrüchtehimmel.

Knochentrocken, saftig, mächtig

Bäng, bäng, bumm! Da knallt es richtig in der Geschmackszentrale. Reif, saftig, gelb und würzig rollt der Sonnenberg auf der Zunge an. Vor allem aber macht er Druck und geizt nicht mit seinen Muskeln die er zweifelsohne hat. Wieder übernimmt die Ananas die Führungsarbeit, die gelbe Würze unterfüttert alles sehr präsent. Der Tropfen fühlt sich mächtig an im Mund. Knochentrocken ist der Kerl, trotz enormer Saftigkeit, schmelzig, fruchtig, ausdrucksstark. Zur reifen Ananas schliessen immer mehr Limetten und Zitronen auf, man bekommt schön langsam ein Gefühl dafür, wie mächtig dieser Riesling ist, man kaut auf ihm herum und presst den letzten Tropfen Saft aus ihm heraus. Rubens hätte seine Freude mit dem Sonnenberg gehabt.

Riesling fürs Seelenheil

Der Kerl wird immer besser, je länger man ihn im Glas hat. Salzig wird er, die Limetten und Zitronen haben das Kommando übernommen, Kräuter ziehen vorbei am Gaumen, lange bleibt der Tropfen an ihm haften. Engmaschig, kompakt und doch so klar und präzise zieht der Sonnenberg seine Runden in der Luke. Er strotzt vor Mineralität, geizt nicht mit Frucht und Fülle und ist sich seiner enormen Strahlkraft wohl bewusst. Spannung bis zum Anschlag, Kurven wie Gina Lollobrigida, ein Körper so makellos wie jener von Adonis. Dieser Riesling ist ein echter Kracher, ein Charakterkopf und nicht zuletzt ein Tropfen, der enormes Potential hat.

Ab dem zweiten Glas ist man endgültig im totalen Sinnesrausch. Man hat aufgegeben, sich gegen diesen “Druck” zu wehren und geniesst ganz einfach nur mehr jeden Schluck. Man legt die Füsse auf den Tisch und lässt sich treiben. Das ist definitiv kein Riesling den man sich rasch mal zwischendurch aufmacht um ihn genüsslich wegzutrinken. Das ist Riesling für die schönen Momente, für die Entspannung, die Meditation, fürs Seelenheil. Mit dem Sonnenberg fliegt man in eine andre Welt, aus der man lange nicht zurückkehren will. Nur blöd wenn die Flasche dann mal leer ist und man null Reserven hat. Deshalb zuschlagen so lange es noch geht. Zu diesem Preis (17,00 Euro) bekommt man sowas Grosses so schnell nicht wieder. Hammerwein!

Tipp: 6-8º sind perfekt. Versuchen Sie ihn sogar aus einem grösseren Glas. Zu Fisch an hellen Saucen, zu einem guten Steak! Am besten er aber ist er als Solist. Da dreht er richtig auf und zeigt was er so alles drauf hat.

Verkostet wurde ein Riesling Sonnenberg 2018 vom Weingut Jülg aus Schweigen-Rechtenbach in der Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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