Riesling ‘Vendange Tardive’ 1988

| 24. November 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

25 Jahre, ein Vierteljahrhundert, hätte er nächstes Jahr ‘auf dem Buckel’. Aber soweit lassen wir es nicht kommen und vermiesen ihm dieses Jubiläum. Wir sind gemein und öffnen ihn bereits nach 24 Jahren. Den Riesling ‘Vendange Tardive’ aus 1988. Feinstes Lesegut von der Grand Cru Lage Schoenenbourg wurde hier zu einem Wein verarbeitet, der mitunter zum Besten zählt was aus dem Hause Hugel & Fils kommt. Ein Edeltropfen der eigentlich zu besonderen Anlässen geöffnet werden sollte. Da für uns aber jeder Tag ein besonderer Anlass ist um eine gute Flasche Wein zu öffnen, verlegen wir einfach Weihnachten ein wenig nach vorne und feiern heute schon sein Jubiläum.

Mit dem unverwechselbaren knallgelben Etikett, welches alle Flaschen von Hugel & Fils ziert, steht auch diese hier am Tisch der Wahrheit. Einzig eine weisse Banderole durchbricht am oberen Rand das konsequent umgesetzte Design. Darin auf schwarzem Untergrund VENDANGE TARDIVE als Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Wein um einen aus der ‘Oberliga’ handelt. Im goldenen Wappen wieder der rote Dreiberg der Familie Hugel eingedruckt und wie üblich unterhalb in riesengrossen Buchstaben was in der Flasche drin ist. In rot ganz oben wieder ALSACE, weil Herkunft eben alles ist und man diese auch entsprechend zeigen möchte. Am weissen Rückenetikett erfährt der interessierte Weinfreund alles über Lage, Herkunft und noch mehr wie gewohnt in französisch.

Benzin im Früchtekorb

Goldigstes dunkles Honiggelb würde die Farbe des Riesling ‘Vendange Tardive’ wohl am besten beschreiben. Im Kern fast grünlich wirkend und zum breiten Rand hin schon fast orange wie Marillen. Ein wunderschönes Farbenspiel das da im Glas abgeht. Aus selbigen strömen volle, saftige und warme Aromen von Aprikosen und Pfirsichen und auch eine feine Zitrusnote zeigt sich. Es riecht überreif aber nicht klebrig, höchst aromatisch und auch hier blitzt ganz fein im Hintergrund diese unverkennbare Petrolnote auf. Gerade sie verleiht dem Riesling ‘Vendagne Tardive’ einen besonderen Reiz, da man nicht allzu oft die Chance hat diesen Duft in Kombination mit reifer Frucht zu schnuppern.

Überraschend frisch und charmant

Zur allgemeinen Überraschung kommt der Riesling ‘Vendange Tardive’ überhaupt nicht mollig oder gar süss auf die Zunge. Trotz seiner knappen 20g Restzucker wirkt er relativ trocken im Mundgefühl. Er strömt zwar supersanft über die Lippen, legt sich auch wie weicher Balsam auf ihnen an, kommt aber dann sehr aromatisch und sogar ziemlich frisch auf die Zunge. Er wirkt natürlich voller im Körper, macht sich aber nicht unkontrolliert breit im Mund und überrascht sogar mit einem tollen Säurespiel. So überreif der Duft in Nase gewirkt hat, so charmant und vornehm setzt er diese Überreife im Mund fort und man spürt die komplexe Struktur sehr schön auf der Zunge und am Gaumen. Nicht überladen, keine fette, vor Saft triefende Frucht breitet sich hier aus, vielmehr trägt der Riesling ‘Vendange Tardive’ auch eine schöne Würze in sich, die sanft und seidig über den Gaumen zieht. Die 24 Jahre die der Tropfen in der Flasche ‘abgesessen’ hat merkt man ihm in keiner Minute auch nur annähernd an.

Erfreulich frisch & kühl

Faszinierend ist wie sehr sich diese Petrolnote immer mehr ausbreitet je länger der Wein an der Luft ist. Ebenso faszinierend ist wie vornehm sich der Wein im Mund ‘benimmt’, wie frisch er sich anfühlt und wie kontrolliert er seine Fruchtaromen abgibt. Da klebt nichts auf der Zunge, ganz im Gegenteil, der volle Körper zieht relativ trocken über selbige hinweg, fühlt sich frisch und würzig an, wirkt leicht im Gewicht und hinterlässt trotzdem diesen cremig weichen Nachgeschmack. Man kann ein wenig Honig, auch Karamell spüren und sogar ein Hauch von Muskatnuss taucht auf. Fast wirkt der Riesling ‘Vendange Tardive’ ein wenig bittersweet, wie es so schön heisst. Edelfäule zum Schmecken.

Der Tropfen beeindruckt mit seiner überhaupt nicht aggressiven Süsse die er in sich trägt, wie er diese in elegante Frische umwandelt und sich ausgesprochen aromatisch präsentiert. Da ist nichts mit feinherb oder restsüss, der Riesling ‘Vendange Tardive’ fühlt sich trotz seiner Fülle, Wärme und aromatischer Würze ausgesprochen trocken an. Um die 35-40 Euro kostet der Spass und wer erleben will wie man sich 25 Jahre früher ‘gefühlt’ hat, der kann sich hier in seine ganz persönliche Zeitmaschine setzten um das zu erkunden. Es fühlt sich gut an, soviel kann ich vorab schon verraten.

Tipp: 8-10º sind ideal für diesen Wein. Passt zu cremigen Gerichten ebenso wie zu Fisch und weissem Fleisch. Solo genossen eine reine Freude. Immer und zu jedem Anlass.

Verkostet wurde ein Riesling ‘Vendange Tardive’ 1988 von Hugel & Fils aus Riquewihr im Elsass, Frankreich.

Wollen Sie mehr über diesen Wein erfahren? Hier stehen Ihnen die wichtigsten Informationen zum Nachlesen zur Verfügung. Alle Weine wurden uns von Hugel & Fils und Olivier Brun von Veritable Vins & Domaines zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: Hugel & Fils (F), Verkostet

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