Riesling Westhofen 2013

| 25. Juli 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Zeit, wieder einmal einen Riesling aus der Flasche zu lassen. Und zwar einen deutschen, von Katharina Wechsler aus Westhofen in Rheinhessen. Einer Winzerin, die erst weg gehen musste, um nach Jahren der Wanderschaft wieder heimzukehren, nach Westhofen. Und so heisst der gute Tropfen auch gleich, Westhofen nämlich. Der Riesling Westhofen 2013 ist ein Ortswein und stammt von Parzellen der vom Kalkmergel durchzogenen Lage Kirchspiel. Katharina Wechsler ist Mitglied der Generation Riesling, einer Vereinigung junger Winzer (man muss unter 35 Jahre alt sein). Trinken dürfen deren Weine aber auch “ältere” Semester und somit freue mich auf einen frischen Riesling der die Hitze hier, so hoffe ich, ein wenig lindern und erträglicher machen wird.

Wechsler Westhofen Riesling 2013 Ganz wenig ist wie so oft ganz viel mehr. So auch hier. Das blütenweisse Etikett das auf der Schlegelflasche klebt ist einfach und trotzdem grafisch äusserst ansprechend gestaltet. Das obere Drittel nimmt der grafisch dreizeilig aufgelöste Name K • WECHSLER ein, daneben ist ein feines hochgeprägtes Siegel mit Weingut Wechsler Westhofen zu sehen. Im unteren Teil schlicht und einfach 2013 Westhofen Riesling. Das war’s auch schon mit dem Design. Reduziert und elegant, sehr schön. An den beiden äusseren Rändern des einteiligen Etiketts dann noch die wichtigsten vorgeschrieben Informationen und fertig ist die Weinbeklebung. Ein Rückenetikett kann man sich deshalb schenken. Und weil es draussen jetzt schon richtig heiss und der Riesling Westhofen bereits auf voller “Betriebstemperatur” ist, wird er von seinem Stelvin-Schraubverschluss befreit und gut gekühlt ins Glas verfrachtet.

Feuchter Stein und viel Melone

Hellgelb kreist der Wein im Glas, zeigt leichten weissen Schimmer. Perfekt zum Sommer passend hüpfen einem frische Melonenstücke in die Nase. Pfirsich taucht auf und auch fein geschnittene Ananas mischt mit im Fruchtkonzert. Sehr frisch, verführerisch und irgendwo dazwischen dieser typische Spontiduft. Ganz wenig, aber doch vorhanden. Weisse Blütenblätter riecht man und sonst zeigt sich der Westhofen recht erdig und auch zart kräutrig in der Nase. Hinten raus etwas feuchter Stein, nasse Mineralik.

Knackig frisch & fruchtig-erdig

Noch bevor der Westhofen auf der Zunge wahrgenommen wird, strömt er mit lebendiger Säure frisch und frech über den Gaumen. Dabei hinterlässt er augenblicklich diese nasse Mineralik die ich so mag. Er ist füllig, fühlt sich weich und cremig an im Mund und ist trotz allem richtig knackig. Erst jetzt schmeckt man auch auf der Zunge die grüne Melone, etwas Zitronenschale und vor allem ganz viel Stein. Dezent kräutrig, ausgesprochen mineralisch und gesittet fruchtig füllt der Westhofen den Mund. Er zeigt durchaus Rasse, ist klar und hinterlässt am Gaumen einen leicht erdigen Touch. Im Abgang ein wenig rauchig, feucht und lehmig. Im Nachhall mehr bodenbetont denn fruchtig.

Knackig-fröhliches Trinkvergnügen

Nicht zu über”schmecken” sind weisse Blütenaromen die sanft auf der Zunge und am Gaumen stehen. Sie geben der Melone und dem Pfirsich Begleitschutz und lassen alles nicht zu fruchtig werden. Was sich letztlich in einem feinen, ganz leicht aufgerautem Mundgefühl ausdrückt. So entwickelt sich ein zarter Grip der dem Westhofen noch mehr Textur verleiht. Langsam drängen sich Pfirsicharomen in den Vorderund, übernehmen Leadership und harmonieren sehr schön mit der knackigen Mineralik. Weich und saftig fliesst der Wein über die Zungenränder ab. An der Luft wird der Tropfen frischer, klart auf und zeigt sich generell etwas fruchtiger. Nicht ohne am Gaumen einen zart fruchtigen, am Ende aber von Kalk und Schotter dominierten Film zu hinterlassen. Trinkt sich leicht und macht grossen Spass im Mund.

Was beim Riesling Westhofen stark auffällt ist die Harmonie zwischen Cremigkeit und Knackigkeit. So weich er im Mund steht, so knackig agiert er darin. Ich würde sogar soweit gehen, ihn als knusprig zu bezeichnen, bei aller Weichheit die er verströmt. Nach und nach wird er mineralischer, steiniger, kerniger, verliert aber dabei nichts an Frucht, nur ordnet sich diese schön unter. Agile Säure befeuert den Wein, es fühlt sich saftig auf der Zunge an und am Gaumen merkt man immer mehr wie bodenbetont der Wein ist. Im Nachhall wieder diese nasse Steinigkeit, Frucht und Haftung. Ein richtig schöner, unkomplizierter und doch mit Anspruch ausgestatteter Spassmacher, den man einfach wegtrinken kann. Und sollte. 13 Euro sind zu investieren für dieses frische wie auch knackig-fröhliche Trinkvergnügen.

Tipp: Aufmachen, einschenken und mit 8-10º verputzen. Ideal zu Fischgerichten (gebacken und gebraten), zu Wiener Schnitzel und Backhendl sowieso. Oder lassen Sie das Essen überhaupt weg und zwitschern Sie sich einfach so ein, zwei Gläser zum Vergnügen rein.

Verkostet wurde ein Riesling Westhofen 2013 von Katharina Wechsler aus Westhofen, Rheinhessen, Deutschland. Bezugsquelle: Furore, München.

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Kategorie: Furore (D), Verkostet

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