Rosé 2014 SAND 1

| 4. August 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Helmut O. Knall, Herausgeber des bekannten österreichischen Online-Weinmagazins Wine Times, hat mich vor einer Weile gefragt, ob ich nicht einmal etwas “einfaches, spassiges und leichtes” von einem jungen Winzer probieren möchte. Natürlich habe ich “ja, klar” gesagt und so standen ein paar Tage später sechs Weine von Toni Zöhrer aus Krems vor meiner Türe. Sechs Weine aus dessen neuer Kollektion SAND 1, die einfach Spass machen sollen. Einen schönen Bericht über Toni Zöhrer, seine Weine und noch mehr gibt es auch hier zu lesen. SAND 1 steht einerseits für die Hausnummer, sowie für die Lage Sandgrube, eine der bekanntesten Weinrieden Österreichs. Ich habe jetzt also das Vergnügen diese sechs Weine ausgiebig zu verkosten und den Beginn der kleinen Sommerserie macht der Rosé SAND 1, ein Gemischter Satz aus Zweigelt, Merlot und Cabernet Sauvignon. Deshalb Schrauber ab und rein ins Glas damit.

Rosé Ein wenig klassisch, ein wenig modern, irgendwo in der Mitte angesiedelt ist das Etikett auf der Flasche. Sich nach oben hin kegelförmig verjüngend zeigt es im oberen Teil ein altes Haus oder Gehöft in Goldprägung. In der Mitte gross in Outline-Typo SAND 1 in schwarz und unterhalb ROSÉ in rot. Im unteren Teil ein ebenso goldenes Wappen mit der Jahreszahl 1270. Links aussen ein Siegel mit einem Doppeladler. Original Kremserwein steht aussen rum. Rechts aussen, wieder in gold, die Signatur von Anton Zöhrer und darunter Lehnherr von Krems/Weinzierl. Über dem Etikett klebt noch ein kleines Siegel mit 35 Jahre SAND 1, was auf das Alter der Hausnummer hinweist. Das Rückenetikett ist opulent gestaltet, wieder mit dem Gehöft der Zöhrers grossflächig unterlegt. Oben die genaue Weinbezeichnung, in der Mitte eine kurze sensorische Beschreibung und unten dann noch alles was unbedingt angeführt sein muss. Der Schraubverschluss mit dem Logo und dem Aufdruck ZÖHRER Krems Austria versehen. Und dieser wird jetzt aufgedreht damit der Wein dorthin kommt wo er hingehört; ins Glas.

Beeren, Kräuter & ein Kokosstangerl

Pink as pink can be. Oder wie mit FewaWolle gewaschen. Herrlich rosarot. So schaut es aus im Glas. Erfreulich “unfruchtig” ist der Duft der in die Nase steigt. Zwar sind genug rote Beeren da, auch Johannisbeeren, doch kaum gerochen, taucht aus dem Hintergrund die Kräuterfee auf und vermengt sich mit einer feinen Note von Stein und Staub. Es riecht so gar nicht rosa-süsslich, es duftet verhalten, vornehm und gesittet aus dem Glas heraus. Erst ganz am Ende spürt man ein Aroma an der Nasenwand das stark an die bekannten Kokosstangerln erinnert.

Statt Sand viel Säure

Säure. Wirklich lustige, vor Leben pulsierende Säure ist das erste was man auf der Zunge spürt. Frisch, frech, keck und höchst lebendig ist der Rosé SAND 1. Und dann bemerkt man wie sich die Zunge an den Seiten etwas aufrollt. Cassis schmeckt man, sehr spritzig fühlt es sich an und was an roten Beeren da ist, macht einen auf jung und fruchtig. Ohne dabei süss zu werden. Dafür sorgt eine durchaus präsente mineralische Note die alles zusammenhält. Am Gaumen trocken wie ein Blatt Papier, dabei saftig und dicht. Auch das Kraut das sich zuvor schon in der Nase herumgetrieben hat ist wieder da und sorgt für etwas “Grün” zwischen den Kiemen. Im Abgang saftig, rot und kräutrig-fruchtig.

Einfacher wie guter Roséspass

Bekommt der Rosé SAND 1 ein wenig Luft, tauchen auch wieder diese feinen Kokosaromen kurz vorm Abgang am Gaumen auf. Ich habe zwar seit gut 20 Jahren keine mehr gegessen, aber diesen Geschmack vergisst man nicht. Auffallend ist wie sehr dieses Aroma von einer relativ kräftigen Mineralik umzingelt ist. Einerseits spürt man den Wein sehr lebendig auf der Zunge, schmeckt die erfreulich verhalten agierenden Fruchtaromen und freut sich über ein erfrischendes Säurespiel. Andererseits spürt man wie trocken und sogar griffig der Wein am Gaumen steht. Da ist er leicht würzig, etwas cremig und müsste man sich eine Rebsorte rauspicken, dann ist es sicher Cabernet Sauvignon die sich mit ihren Cassistönen am stärksten bemerkbar macht. Rund und weich geht der Rosé SAND 1 ab. Im Schlepptau Johannisbeeren, Steine und eine leise Kräutrigkeit. Der Nachhall trocken, mineralisch und leicht beerig.

Mit einem hatte der liebe Helmut O. Knall auf jeden Fall recht: Das ist unkompliziertes, lustiges und leichtes Trinkvergnügen. Der Rosé SAND 1 ist frisch, hat genug Frucht ohne gleich überladen zu wirken, macht grossen Spass auf der Zunge wie am Gaumen und ist leicht und locker weg zu trinken. Insgesamt recht harmonisch was Säure, Saft und mineralische Würze angeht. Von nichts zuviel, von nichts zuwenig. Einfacher wie guter Roséspass aus Österreich. Selten genug und deshalb umso erwähnenswerter. Kostet knapp 7 Euro und ist jeden einzelnen davon wert. Und das von mir, als bekennendem Südfrankreich-Fan. Den Rest gibt es Abend, da macht er sicher auch Spass.

Tipp: Schrauber ab und rein ins Glas. Mit 8 bis max. 10º zu hellem Fleisch, gebratenem und gerilltem Fisch sowie allen leichten, sommerlichen Gerichten. Zur Alleinbespassung ein frischfröhlicher und attitüdenbefreiter Darsteller.

Verkostet wurde ein Rosé 2014 SAND 1 aus der SAND 1-Kollektion vom Weingut Zöhrer aus Krems, Österreich. Bezugsquellen: Österreich: Vinoble, Deutschland: Weinhandel Wenzke, Schweiz: Wein Schröter

Stichwörter: , , , , , , , , ,

Kategorie: Verkostet, Zöhrer (A)

Ihr Kommentar