Sauvignon Blanc Moarfeitl 2011

| 21. März 2014 | 0 Kommentare Alles lesen

Letzte Runde, letzter Wein. Und der ist die Krönung aus dem Sortiment des Christoph Neumeister aus Straden in der Südoststeiermark. Der Sauvignon Blanc Moarfeitl 2011, eine Grosse STK® Lage, zählt zu den grössten Vertretern seiner Sorte, nicht nur in Österreich, sondern auch international. Die Lage Moarfeitl, welche sich auf einem Hochplateau oberhalb der Lage Waasen/Hochaugenweide befindet, besteht hauptsächlich aus kalkhaltigem, sandigem und lehmigem Schluff auf stark kalkhaltigen groben Sedimenten. Gleichzeitig ist Moarfeitl der älteste im Familienbesitz befindliche Weingarten. Spontan in grossen Holzfassern vergoren und 18 Monate auf der Feinhefe gereift ist der Moarfeitl, der heute als Highlight am Tisch der Wahrheit steht.

SB Moarfeitl 2011 Auch wenn es sich um die Spitze des Sortiments handelt, die Gestaltung der Flaschenbeklebung ist unverändert konsequent dem gesamten Corporate Design angepasst. Zu oberst wie gehabt in grossen Kapitalen NEUMEISTER und unten drunter wieder Sauvignon Blanc sowie die Lage, in dem Fall MOARFEITL. Alles gross und prominent platziert. Der Jahrgang wie gewohnt rechts aussen und in rot. In der Mitte wieder die Herkunft (Straden, Südoststeiermark). Alles auf dem turmhohen vanillegelben Etikett schön mittig angebracht. Mir werden diese ‘Apotherkergebinde’ fehlen wenn ich das nächste Mal den Weinschrank öffne. Auch hier kein Rückenetikett, wozu auch. Alles was man wissen muss steht vorne drauf und wer mehr erfahren möchte, besucht die äusserst elegante Webseite. Wie schon der Klausen darf sich auch der Moarfeitl ein wenig an seine neue Umgebung gewöhnen und für eine halbe Stunde in der Karaffe nach Luft schnappen bevor er ins polierte Glas kommt.

Kräuter, Hefe & Holunderbeeren

In kräftigem Strohgelb steht der Moarfeitl glasklar im Kelch. Was sofort auffällt, ist, dass er noch verhaltener, noch leiser als der Klausen in der Nase ist. Als hätte man den Lautstärkeregler fast bis ganz nach unten geschoben. Eine absolute Enttäuschung für alle, die auf Massenkompatibilität getrimmte Krachmacher stehen. Hier muss man seine Nase dreimal tief ins Glasgebinde stecken. Dann riecht man sehr verhaltene Paprikanoten sowie einen Korb voll gelber exotischer Fruchtaromen. Man riecht feine Kräuter, etwas Holunder und einen Hauch von warmer Hefe. Es ist ein stiller, dafür umso dichter wirkender Duft der sich in der Nase bemerkbar macht und sich mild und weich an den Nasenflügeln anlegt. Das ist pures High-end-schnüffeln.

Leise Aromatik, herbe Mineralik

Weich, leicht cremig fliesst der Moarfeitl in dicht gewirktem Körper auf die Zunge. Er wirkt füllig, hat Biss dank attraktiver Säure und fühlt sich trotzdem mild im Mund an. Er hüllt sie in ein sehr leises, aber doch klar definiertes Aromenspiel ein. Man schmeckt die grüne Noten sehr verhalten, nimmt Paprika und Kräuter wahr und stellt fest, dass das was man von ‘lauten’ Vertretern dieser Gattung kennt, sich mit wenig Dezibel um Klassen besser ‘anhört’. Getragen wird die gesamte Aromatik von einer herben Mineralität, die einem ebenso herb den Gaumen pinselt um sich weisskalkig in einem dichten Abgang zu verabschieden. Der Wein macht Druck am Gaumen, ist kraftvoll, hat Muskeln und ist dabei alles andere als ein unbeholfener Kraftprotz. Vielmehr schafft es der Moarfeitl trotz seiner Kompaktheit agil und ‘beweglich’ zu bleiben.

Dicht, komplex & unaufgeregt

Nach und nach öffnet sich der Moarfeitl und lässt einen immer tiefer in seine komplexe Struktur eintauchen. Erst jetzt schmeckt man exotische gelbe Früchte. Da dreht die Maracuja ihre Runden und wird begleitet von dicker fetter Ananas. Angerichtet auf einem Teller grüner Kräuter mit Paprika und Holunderblüten. Straff, dicht und saftig ist das was auf der Zunge steht und ebenso weich und mild. Die Säureader die man spürt ist fein, fast ‘vorsichtig’, niemals in den Vordergrund tretend oder das Kommando an sich reissend. Vielmehr ist sie charmante Unterfütterung des gelbgrünen Aromenspektrums. Perfekte Balance und Harmonie versprühend, fasziniert der Moarfeitl mit seiner unaufgeregten Charakteristik.

Über den Gaumen zieht der Wein mit einer sehr feinen herben, kalkig-lehmigen Mineralität. Spürt und schmeckt man auf der Zunge eher die vielschichtigen Aromen, so nimmt man den Moarfeitl am Gaumen eindeutig über seiner Mineralik wahr. Es ist saftig, aber der Kalk führt das komplette Regiment in einen Abgang, der sich in einem unendlich langen Nachhall von weissen Nebelschwaden manifestiert. Die Entscheidung zwischen Klausen und Moarfeitl ist keine leichte. Für mich persönlich steht jeder der beiden Lagen-Sauvignons auf seiner eigenen, unanfechtbaren Siegerstufe. Geht es ums ‘cruisen’ ist der Klausen vorne, will man aber schweben, dann führt am Moarfeitl kein Weg vorbei. Grosse Lage, grosser Wein!

Tipp: 30 – 60 Minuten in der Karaffe sind fein. Mit 10-12º geniessen. Passt zu kräftigen Vorspeisen ebenso wie zu Fisch und Gemüse. Als Alleinunterhalter ein Wein der Zeit und Muße mag und einen dafür reichlich belohnt.

Verkostet wurde ein Sauvignon Blanc Moarfeitl 2011 vom Weingut Neumeister aus Straden in der Südoststeiermark, Österreich.

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Kategorie: Neumeister (A), Verkostet

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