Schaller vom See weiss 2012

| 20. Juni 2013 | 1 Kommentar Alles lesen

Weinverkostung bei 44º Aussentemperatur? Kein Problem, auch wenn immer nur die Werte vom Schatten angegeben werden. Da hilft es schon im kühlen Altbau zu sitzen und sich dort durch den Bürostuhl zu schwitzen. Bei 39º. Wenn dann der Wein der zu erfoschen ist gerademal mit läppischen 11% aus der Flasche hüpft, dann macht das umso grösseren Spass. Eine Weissweincuvée vom Schaller vom See haben wir hier stehen, eine Cuvée vom ‘schönsten Ort der Welt’, sagen zumindest die beiden, Brigitte und Gerhard Schaller, vom See. Der Ort? Podersdorf, im Burgenland. Da wo der grosse See ist, der Neusiedlersee. 55% Welschriesling, 38% Grüner Veltliner und 7% Gelber Muskateller sind drin in der Cuvée. Und natürlich jede Menge Liebe. Bevor der Schaller vom See, der in der Flasche, in selbige hinein kommt, wird jede Sorte einzeln für vier Monate auf der Feinhefe gelagert und dann zum grossen Ganzen zusammengeführt. Wir machen ihn jetzt aber auf bevor wir hier verdursten.

Schaller weiss Fred Astaire tanzt mit einem Schilfrohr in der Hand über das Etikett welches die Burgunderflasche ziert. Das ist sicher Fred Astaire, jede Wette. Wie eine Briefmarke mit ‘Zähnen’ klebt das Stück Papier darauf und ganz oben steht in grosser Typo SCHALLER VOM SEE. Unterhalb schwingt Fred das Tanzbein und in Ermangelung von Ginger hält er eben besagtes Schilfrohr in der Hand. Ganz unten seine Herkunft, nicht die von Fred, der stammt aus Omaha, Nebraska (wenngleich er österreichische Wurzeln hat), sondern Podersdorf. Da war Fred aber nie. Und Ginger auch nicht. Auf der Seite des in einem Stück aufgebrachten Etiketts steht alles über den Wein, ein paar sensorische Informationen sowie alles über die Herstellung und ein wenig über die Philosophie der Schallers. Und weil der Wein seit Tagen im Gefrierfach Weinkühlschrank liegt wird er einfach von seinem Schraubverschluss befreit und in die Gläser verfrachtet.

Prickelnd frisch & animierend

Wie ausgebleichtes Stroh mit einem frechen grünen Schimmer versehen, kreist der Wein im Glas. Dabei moussiert er leicht an der Oberfläche. Duftig springt er einem in die Nasenflügel, lädt jede Menge Zitrusfrucht und grünen Apfel sowie weissen Pfirsich ab, wirkt äusserst frisch in der Nase und saftig. Man kann die Säure förmlich riechen. Wer auf Frucht im Riechorgan steht der wird sich am liebsten reinsetzen wollen. Viel frischer geht´s nicht mehr. Gelbe Grapefruit und auch ein Schuss Holunder ist dabei. Man spürt auch schön das Moussieren, wie der Wein pulsiert und sich prickelnd die Nase hochzieht.

Blumig, fruchtig, spritzig

So wie sich der Tropfen in der Nase angefühlt hat, so kommt er auch auf die Zunge, wenngleich er weicher wirkt, nicht mehr so intensiv lebendig. Kommt zuerst ein Schwall von Fruchtaromen auf die Zunge, merkt man wenn der Wein diese wieder verlassen hat eine feine herbe Note auf ihr übrig bleiben. Die Säure zeigt sich ebenso agil und lebhaft, ist aber schön in der Frucht eingebunden und sorgt für Spass im Mund. Nicht körperreich, vielmehr ein schlankes Tröpfchen, das nur eines im Sinn hat; nämlich zu erfrischen. Dominiert wird der Wein eindeutig vom Welschriesling mit seiner blumig-fruchtigen Note sowie seiner spritzigen Frische. Auch im Nachhall nimmt man am ehesten diese Sorte wahr und erhascht einen Hauch von grünem Apfel.

Leichtgewicht & Luftbefeuchter

Der Restzuckergehalt von 4 g/l und die Säure von 5,8 g/l gehen eine sehr harmonische Verbindung ein. Sie lassen den Wein einerseits animierend, belebend und ausgelassen fröhlich und auch spritzig auf der Zunge erscheinen, andererseits bekommt der Tropfen einen ‘Schuss’ Fruchtsüsse mit was ihn relativ weich und saftig macht. Der einzige Nachteil ist, dass der Wein im Mund verdunstet und man – so man nicht einen guten Kühler am Tisch stehen hat – binnen Minuten die höchst zulässige Trinktemperatur von allermaximalst 10º überschritten wird (wobei er da schon fast zu ‘warm’ ist). Wer also keinen Kühler zur Hand hat ist gezwungen den Tropfen als Zechwein zu betrachten und ihn raschest zu verputzen. Was bei der Frische und Fröhlichkeit mit der er im Mund agiert jedoch kein Problem darstellt und sich irgendwie von selbst ergibt.

Was bleibt von diesem Leichtgewicht ist elegante Frucht, feine, agile Säure und ein Hauch von steiniger Mineralik. Vordergründig grüne Äpfel auf der Zunge und am Gaumen das Erlebnis wie sich Flüssigkeit in Luft auflöst. Zurück bleibt das Verlangen sich das nächste Gläschen zu genehmigen. Auch wenn es heisst, dass man bei Hitze sehr viel Wasser trinken soll kann man mit dieser Kampffliege locker einen Grossteil der empfohlenen Flüssigkeitsaufnahme sicherstellen. Bis 2014 wird dem ‘Freudenspender’ als Reifepotential vorausgesagt. Wer ihn allerdings länger als bis September 2013 liegen hat der hat den Sinn dieses Weines irgendwie nicht ganz verstanden. Um die 8 Euro kostet der fröhlich-frische Luftbefeuchter und macht bei dieser Affenhitze reuelosen Spass.

Tipp: Schrauber aufdrehen, einschenken und verputzen. 8-9º sind perfekt. Wer dazu kochen will der kann sich in der Küche austoben. Passt aber hervorragend zu Frischkäsen mit Schnittlauch oder feiner, nicht scharfer asiatischer Küche. Oder einfach als Durstlöscher, solo, ohne alles, einfach so.

Verkostet wurde ein Schaller vom See weiss 2012 vom Weingut Schaller vom See in Podersdorf, Burgenland. Der Wein wurde uns von Brigitte und Gerhard Schaller via Wine&Partners, Wien zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: Schaller vom See (A), Verkostet

Kommentare (1)

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  1. Natürlich gibt es in Österreich eine ganze Reihe ausgezeichneter Weine und viele davon kommen auch vom Neusiedlersee. Der Schaller vom See ist aber ein ganz besonders gelungener Wein und Gerhard und Brigitte führen das Weingut mit viel Hingabe und sind sehr sympathisch. Für uns sind die Menschen hinter dem Wein ebenso wichtig wie der Wein selbst, deshalb haben wir den Schaller vom See kürzlich auch in unser Sortiment österreichischer Weine aufgenommen. Der Schaller vom See kommt sehr gut an und ist inzwischen einer unserer beliebtesten Weine!

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