Sonoma Pinot Noir 2016

| 27. November 2019 | 0 Kommentare Alles lesen

Kutch Pinot Noir Vom Wall Street Broker zum Winzer. Das ist Jamie Kutch, der 2005 als erfolgreicher Trader ausstieg und heute als einer der großen Pinot Noir-Experten Kaliforniens gilt. In einer gemieteten Blechhalle in einem Industriegebiet in Sonoma, entstehen seine Weine, die seit 2012 in oben offenen Gärtanks unentrappt mit Stiel und Stengel vergären. Die Traubenproduzenten die an der Sonoma Coast für ihr arbeiten, tun dies nach seinen ganz spezifischen Vorgaben. Keine beliebige Bewässerung und penible Laubarbeit sind nur zwei Davon. Heute habe ich von Jamie Kutch einen seiner begehrten, in der Zwischenzeit bereits zu Sammlerstücken gewordenen Weinen am Tisch der Wahrheit stehen, den Pinot Noir Sonoma 2016. Ein Pinot dem nachgesagt wird, ein “moderner” zu sein. Wie modern er tatsächlich ist, dem gehe ich die nächsten Stunden auf den Grund und verfrachte den guten Tropfen fürs Erste mal in die Karaffe.

Rot bis in die letzte Ritze

Helles, fast transparentes kirschrot macht sich breit im grossen Glas. Bezaubernd ist der Duft der sich die Nasenwände frisch empor arbeitet. Reife Kirschen, Erdbeeren und vereinzelt grüne Kräuter. Himbeeeren, Hagebutten und ein Hauch von weissem Pfeffer tummeln sich im Riechorgan. Am Ende noch ein Tick Lavendel der den Aromenspiegel des Sonoma komplettiert.

Frischfruchtiges Aromenfest

Muss man erstmal wirken lassen, was sich da alles in der Zentrale abspielt. Fein kräutrig strömt der Sonoma auf die Zunge, rotfruchtig mit viel Himbeere und Kirsche. Dahinter ein leiser Touch Vanille, weich und rund im Mund. Plötzlich aber der Kick einer richtig frischen Säureader, die aus dem Hintergrund hervor tritt und für Tempo in der Luke sorgt. Richtig knackig steht der Tropfen auf der Zunge, während er am Gaumen den totalen Charmeur abgibt. Etwas Lorbeer, fast nicht wahrnehmbares Tannin, ein Schuss grüner Pfeffer. Aromenvielfalt ohne Ende und dazu so frisch, dass man aus dem Staunen nicht heraus kommt. Aber hallo, ist das fein was der Sonoma da im Mund liefert!

Pinot-Noir von Weltformat

Einerseits lässt der Sonoma eine zarte Opulenz am Gaumen spüren, fühlt sich weich und rund an, um im nächsten Augenblick seine ganze Eleganz zu zeigen indem er schlank auf der Zunge steht und dabei frisch und sehr lebendig ist. Der feine grüne Unterbau trägt das Seine dazu bei um diesen Tropfen flott erscheinen zu lassen, das kühle Gerbstoffkleid sorgt für feinsten Grip auf der Zunge und am Gaumen. Insgesamt wirkt der Sonoma äusserst belebend, weil er einerseits verspielt und dennoch ein gestandener Pinot Noir ist. Und das mit hyperschlanken 12 PS unter der Haube. So macht das richtig Spass. Im Abgang tauchen wieder Himbeeren und Kirschen auf und liefern ein wunderbar fruchtiges Finale, das von einer edlen grünen Note untermalt wird. Pinot ganz elegant, Pinot ganz wunderbar.

Je länger man an diesem traumhaft flotten Pinot rum nuckelt, umso mehr verliebt man sich in in diesen Tropfen. Immer feiner wird der Kerl im Mund, immer griffiger und immer “roter”. Man denkt nicht mehr an die USA, man ist im Burgund angekommen. Schliesst man die Augen, meint man dort zu sein. Um dann doch den Tick Amerika aufgrund der ausgeprägten Frucht zu ahnen. Definitiv ist der Sonoma aber ein Juwel unter seinesgleichen und man merkt, dass Jamie Kutch sich seinerzeit gut bei Romanee-Conti umgesehen hat. Was er hier nämlich abfüllt ist wirklich grosses Kino, das sich vor den grossen Namen nicht verstecken muss, ein Wein der vielmehr mittendrin statt nur dabei ist. So geht Pinot-Noir von Weltformat. Grossartig!

Tipp: Am besten mit kühlen 16º geniessen. Zu herbstlichen Gerichten ebenso wie als Solist ein wunderbarer Begleiter. Grosses Kino.

Verkostet wurde ein Sonoma Pinot Noir 2016 vom Kracher Fine Wine Shop aus Illmitz im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Kracher Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher (A), Verkostet

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