Spätburgunder 2005 QbA – Barrique

| 13. August 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Am “Tisch der Wahrheit” stand diesmal ein 2005er Spätburgunder Barrique und ich muss dazu vorab ganz ehrlich zugeben, dass ich nicht gerade ein Freund von Barrique-Weinen bin. Ich tue mir einfach schwer mit ihnen klar zu kommen. Was aber keinesfalls heisst, dass ich sie nicht mag.

Zu all dem kommt auch der Umstand, dass man heute als Laie gar nicht mehr sagen kann ob der Wein im echten Barrique ausgebaut wurde oder ob man ihm, vereinfacht ausgedrückt, einfach einen Sack voll Holzchips in den Tank gehängt hat. Dem Weinhandelsabkommen der EU sei Dank. Aber das ist ein anderes Thema. Somit war dieser Spätburgunder eine echte “Herausforderung” für mich.

Wie es sich “gehört” wurde auch dieser Burgunder in der klassischen Flasche kredenzt. Die grosse Ausnahme dabei war das Etikett. Weg vom üblichen zurückhaltenden Design, prangte auf dieser Flasche ein turmhohes Stück Papier. Zwar mit allen notwendigen und wichtigen Informationen versehen, aber der Stil ist schon fast “Retro”. Wahrlich kein Blickfang. Somit musste der Wein im Glas beweisen was er konnte. Und das tat er auch.

WOW! Das war mein erster Eindruck als ich meine Nase in das Glas steckte. Alles andere als was man von “herkömmlichen” Spätburgundern kennt. Würzig und vanillig. Aber auch mit viel Frucht ausgestattet sowie voll und kräftig.

Kein Wein für Frucht-Junkies

Tiefdunkelrot im Glas, nicht so klar und transparent wie seine “klassisch ausgebauten” Brüder aus dem grossen Kieferschen Spätburgunder-Sortiment, zeigt sich dieser Tropfen im Glas. Wesentlich blickdichter aber trotzdem gewisse Einblicke erlaubend. In der Nase springt einem förmlich das Holzfass entgegen und man muss sich erst einmal langsam an den ungewohnten Duft gewöhnen. Keine Frucht die da aus dem Bottich hüpft und keine blumigen Aromen die sich einem anbiedern. Dieser Wein verströmt Komplexität in der Nase, typische vanillige Barrique-Noten und will sensorisch eingehend erforscht werden.

Der Spätburgunder wird weniger von seiner Frucht als von der typischen Fass-Charismatik getragen. Die dunklen Beerenaromen sind fein mit dem Holz verwoben und blitzen immer wieder eindrucksvoll durch. Er präsentiert sich in all seiner Fülle mit seinem Volumen und seiner Kraft am Gaumen und ist definitiv kein Wein für Fruchtliebhaber oder Freunden von “auf den Punkt kommender” Tropfen. Obwohl viele dunkle Beeren durchkommen, übernimmt die Frucht nie das Kommando über diesen Wein. Dieser Spätburgunder setzt gewisse Erfahrung voraus. Ich weiss nicht warum, aber nach dem ersten Glas bekomme ich einen Flash auf einen dicken, fetten Cheeseburger. Man verzeihe mir diese Barbarei. Könnte am Holz liegen.

Ein Spätburgunder abseits des Mainstreams

Knappe € 15,- sind nicht unbedingt ein Preis der einen zu täglichem Konsum verleitet. Aber dafür ist dieser Wein auch gar nicht gemacht. Vielmehr bietet dieser Spätburgunder die Möglichkeit, sich und seinen Gästen einmal einen Tropfen “abseits des Mainstreams” zu kredenzen und neue Erfahrungen zu ermöglichen. Ich selbst tendiere nach wie vor mehr zum “klassisch” ausgebauten, bin aber aufgrund dieses Erlebnisses bereit wieder öfters “vom Fass” zu kosten. Ein Wein für Kenner und sicher nichts für Freunde weichgespülter Flüssigkeiten.

Tipp: Diesen Wein, wenn möglich, unbedingt aus dem Burgunderkelch geniessen. Das grossvolumige Glas gibt ihm genug Platz um die vollen Barrique-Aromen freizusetzen. Entgegen herkömmlicher Empfehlungen diesen Wein bei 18-20º zu trinken bin ich der Ansicht, dass dies zu viel ist. 18º sind das Maximum, 16º sicher ideal.

Verkostet wurde ein Spätburgunder Rotwein QbA 2005 “Barrique” vom Weingut Kiefer aus Eichstetten am Kaiserstuhl, Deutschland. Mit seinen 13% liegt der Wein im angenehmen Trinkbereich.

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Kategorie: Verkostet, Weingut Kiefer (D)

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