Spätburgunder Kalmit 2009

| 19. Mai 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Der zweite Wein der 5. Sven Leiner-Verkostungsrunde ist ebenfalls einer vom Ilbesheimer Kalmit, der höchsten dem Haardtrand vorgelagerten Erhebung in der Rheinebene. Ein Spätburgunder Kalmit 2009. Vor einiger Zeit hatten wir bereits den Spätburgunder ‘Handwerk’ in den Gläsern und heute dürfen wir den ‘Kalmit’ aus der Flasche lassen. Spontan vergoren und 21 Monate in Barriques aus französischer, österreicher und pfälzischer Eiche gereift ist dieser Wein. Wir sind gespannt was uns erwartet.

Protzig steht sie also da, die dicke und klobige Burgunderflasche. Noch verschlossen mit der typisch weinroten ‘Halskrause’ welche die Rotweine von Sven Leiner schmückt. Perfekt dem Corporate Design der Kalmit-Linie folgend die drei feinen Linien und mittendrin die Rebsorte. Darunter wie üblich in gold der Name der Lage, Kalmit, in grossen Lettern. Keinen Zweifel daran lassend, dass es sich dabei auch um eine wirklich ‘grosse Lage’ in der Pfalz handelt. Der obligate ‘Weinberg-Mitarbeiter’ am Etikett ist diesmal einer aus der Familie der Reduviidae. Keinen Schimmer was das ist? Ich auch nicht, habe es aber herausgefunden. Nichts anderes als eine Raubwanze. Womit der Naturgeschichte-Unterricht auch schon wieder beendet wäre.

Bevor wir den ‘grossen’ Spätburgunder aber seiner eigentlichen Bestimmung zuführen darf er 30 Minuten atmen. Weil es a) ein lieb gewonnenes Ritual ist und b) keinem Wein schadet wenn er ein wenig Luft schnappen darf. Danach wird der grosse Kelch gefüllt.

Reife Beeren, feines Holz

Im Gegensatz zum Spätburgunder ‘Handwerk’, der so wunderschön ‘zartmittelhellrot’ geleuchtet hat, ist der Kalmit-Spätburgunder wesentlich dunkler. Ein relativ kräftiges Rot wie das von reifen Wildkirschen steht im Glas und ist sehr transparent. Es ist trotz ihrer Intesität eine leichte, frische Farbe die da aus dem Kelch strahlt. In der Nase ist der Duft vorerst noch ein wenig verschlossen, macht aber nach einer Weile richtig schön auf und verwöhnt mit reifen Beeren und einer edlen Note von Holz. Es riecht kräftig und intensiv, saftig und lässt erahnen, dass hier ein komplexer, kräftiger Wein im Glas ist. Was nicht zuletzt auch die fetten Schlieren an der Glaswand ankündigen.

Elegant und vornehm

Schon der erste Schluck macht klar, dass der Spätburgunder Kalmit ein ‘starker’ Tropfen ist. Präsentiert er sich vordergründig saftig und fruchtig, zeigt er ohne Umwege seinen kräftigen Körper und lässt diesen auch spüren. Knochentrocken ist der Kalmit und trotz dieser ‘Dürre’ versteht es es gekonnt saftig zu wirken. Schlafwandlerisch sicher vereint er seine Kraft mit der Eleganz der Frucht und schmiegt sich seidenweich am Gaumen an. Tannine die mikrospisch fein an ihm entlang ziehen werden erfreut zur Kenntnis genommen weil sie dieses kräftig-fruchtige Geschmackerlebnis nicht stören, sondern professionell begleiten und unterstützen. Die Kunst der Balance kann man sagen.

Der Spätburgunder Kalmit hat eindeutig ‘Schneid’ und zeigt was Sache ist. Der Duft im Glas wird immer komplexer und auch im Mund spielt der Tropfen alles aus was er zu bieten hat. Es ist kein Wein der sich unmittelbar auf der Zunge defniniert. Vielmehr breitet er sich erst im ganzen Mundraum aus, schmiert richtig den Gaumen und kommt erst dann auf die Zungenmitte zurück um sich dort saftig und nach reifen Früchten schmeckend abzusetzen. Begleitet von einer feinen Holznote und einem langen, vornehmen Abgang. Zurück bleibt ein seidig-herber Geschmack der sich in der Verdunstung von feinsten Tanninen auf der Zunge bemerkbar macht.

Saftig, kräftig, delikat

Je länger der Kalmit an der Luft ist umso intensiver wird er. Die saftige Frucht vermischt sich immer mehr mit dem kräftigen Körper und der Wein zeigt was er kann. Da ist echte Kraft dahinter die nicht unterschätzt werden sollte. Beim Spätburgunder ‘Kalmit’ geht die Post ab. Auf der Zunge tummeln sich feinste Gerbstoffe die so vornehm sind, dass man sie mit ‘Sie’ ansprechen muss. Die holzbegleitete Frucht sorgt für richtig tollen Geschmack. Reife rote Beerenfrüchte schmeckt man, eine feine Würze steht daneben und lässt diese nicht gar zu süss werden, lässt sie nur ihren Saft abtropfen und in ein delikates Finale übergehen.

Ein Wein der in Balance ist, der selbstbewusst mit seinen ‘Talenten’ spielt und diese mit einem Selbstverständnis einsetzt das bewundernswert ist. Der Kalmit überzeugt mit Finesse und mit vor allem mit Stil. Leicht und trocken tritt er auf, versprüht aber trozdem Kraft und hinterlässt mächtig Eindruck. Ein Wein der jede Tafel gekonnt und sicher begleitet. Im Mund sorgt er für saftiges Vergnügen und zeigt erst nach einer Weile an der Luft wozu er wirklich fähig ist. Ein Spätburgunder für besondere Anlässe. Um Euro 19,50 ab Hof gibt es den Kalmit 2009 zu beziehen und sollte bei einer doch recht langen Lagerfähigkeit (mindestens 8 Jahre) als Investment in die Weinzukunft angesehen werden. Ein Investment das sich sicher lohnen wird.

Tipp: 30 bis 60 Minuten atmen lassen. Servieren Sie den Tropfen am besten um die 15º zu Wildgerichten, rotem Fleisch und reifem Rotschmierkäse.

Verkostet wurde ein Spätburgunder ‘Kalmit’ 2009 von Sven Leiner aus Ilbesheim in der Pfalz, Deutschland.

Wollen Sie mehr über diesen Wein wissen? Hier stehen die wichtigsten Informationen über den Spätburgunder ‘Handwerk’ für Sie zum Download bereit. Oder besuchen Sie Sven Leiner einfach zu Hause.

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Kategorie: Sven Leiner (D), Verkostet

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