Syrah 2014

| 11. März 2020 | 0 Kommentare Alles lesen

Syrah 2014 Sieben Jahre war Maggie Harrison bereits bei Sine Qua Non in Santa Barbara in Ausbildung, als sich die Gelegenheit für Sie bot, Wein aus einem kleinen Teil der Spitze des White Hawk Vineyard herzustellen. Sie nutzte diese Chance und füllte 150 Kisten Lillian Syrah aus dem Jahr 2004 ab, ihren ersten Jahrgang. Seither ist ihr “Project” Lillian stetig gewachsen. 2007 kamen zusätzliche Trauben von Stolpman und Bien Nacido Vineyards hinzu, 2013 stellte sie ihre ersten Roussanne- und Roséweine vor und 2014 ihren ersten Cabernet Sauvignon von True Vineyard. Heute, als Eigentümerin und Kellermeisterin von Lillian, produziert Maggie Harrison eine Reihe charaktervolle Weine, von denen einer hier am Tisch der Wahrheit steht, ihr Syrah 2014. Ein Wein vom Bien Nacido Vineyard, einem grossen historischen Weinberg im Santa Maria Valley. Zur Akklimatisierung darf der Tropfen ein halbe Stunde in die Karaffe um sich an seine Umgebung anzupassen.

Dunkle Frucht & Rohes Steak

In dunklem blutrot dreht der Syrah im Becher seine Runden. Schwarze Weichseln duften einem aus dem Glas entgegen. Begleitet werden diese von einer dicken Rippe dunkler Bitterschokolade. Kein Grafit, kein Lavendel, nichts was typisch wäre für Syrah. Dafür umso mehr Dichte und saftige Konsistenz im Riechorgan. Am Ende so etwas wie rohes Fleisch, leicht süss als hätte man es mit BBQ-Sauce fein bestrichen. Betörend jedenfalls und richtig kräftig.

Syrah mal richtig anders

Saftig trifft der Tropfen auf der Zunge ein, um sich augenblicklich auf ihr auszubreiten. Man spürt sofort die Kraft die unter seine Haube steckt und ist doch geneigt sich auf das Kräftemessen einzulassen. Reif und dicht rollt schwarze Weichsel durch das Futterzentrum, druckvoll, muskulös und konzentriert. Überraschend ist, dass trotz dieser Mächtigkeit die Eleganz und auch die Frische nicht verloren ging. Kühl steht der Syrah im Mund, natürlich ist er ein “Henker”. Doch wie zum Hohn wird er nie fett und heiss. Vielmehr löst er sich am Gaumen in einer wunderbaren Würze auf und schiebt ´nen Hauch von Senf im Abgang hinterher. Es muss nicht immer Lavendel und Grafit sein.

Viel Wumms und flotte Frucht

Wer glaubt, dass dieser Tropfen wegen seiner reifen Frucht und der ungeheuren Dichte einfach nur eine Fruchtbombe ist, irrt gewaltig. Hinter allem sorgt dunkle Bitterschokolade für einen herrlich herben Touch, am Gaumen haftet sich ein wunderbares, feines Gerbstoffkleid fest und man merkt, dass dieser Kerl sich gerade anschickt seine erste Trinkreife zu erlangen. Er ist klar am Gaumen, fruchtig und doch schwarz in seiner Würze, die sich durch jeden Schluck von Anfang bis zum Ende durchzieht. Schlehen machen sich bemerkbar, bringen blauen Touch in diese dunkle Aromatik und sorgen ebenso für eine sehr subtile Herbe. Langsam aber sicher verfällt man diesem Syrah, der so gar nichts mit seinen klassischen Kollegen gemeinsam hat.

Das höchst erfrischende Spiel von saftig-reifer Weichsel und Bitterschokolade sorgt für grossen Spass in der Zentrale. Eine kecke Säurespur haucht dem Syrah so richtig Leben ein. Typisch im Finale ist das leicht saure Fruchtspiel der Weichsel, was allem noch den Extrakick verleiht. Insgesamt ist dieser Tropfen so weit weg von typischem Syrah wie die Erde vom Mond. Und doch ist da immer diese Verbindung, die einen letztlich wissen lässt, dass man ja doch einen Syrah im Glas hat. Nur halt anders. Und zwar richtig anders. Mit Wumms und flotter Frucht, mit Dichte und Charakter und letztlich mit einer unglaublich kühlen Frische die aus jedem Tropfen trieft. Einfach traumhaft, einfach sinnlich.

Tipp: Verträgt etwas Luft und trinkt sich mit kühlen 16º am besten. Begleitet blutiges Steak und anderes rotes Fleisch vorzüglich. Ist als Solist ein eleganter “Henker” dem man sich schwer entziehen kann. Hohes Suchtpotential.

Verkostet wurde ein Syrah 2014 von der Lillian Winery aus Oregon, USA. Bezugsquelle: Kracher Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher (A), Verkostet

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