Traminer ‘Alte Reben’ 2011

| 22. Juni 2014 | 0 Kommentare Alles lesen

Immer wenn ich Gumpoldskirchen höre, fühle ich mich prompt in die Vergangenheit zurückversetzt. In meine Kindheit, in meine Jugend und meinen Auf- und Ausbruch in die grosse weite Welt. Gumpoldskirchen ist untrennbar mit diesen Erinnerungen verbunden. Musste ich als Kind mein Himbeerkracherl beim Heurigen trinken, so habe ich heute selbst die Weine von der Südbahn im Glas. Im konkreten Fall einen Traminer Alte Reben 2011 von Fred Loimers Weingut Schellmann in Gumpoldskirchen. Dem Namen alle Ehre machend, wurden die Rebstöcke der Lage Weinführer 1936 gepflanzt und sind somit fast 80 Jahre alt. Im grossen Holzfass ist der Traminer gereift und im Dezember 2102 wurde er abgefüllt. Heute steht er am Tisch der Wahrheit und lässt Erinnerungen an vergangene Zeiten aufkommen.

Traminer Alte Reben 2011 Nach dem bunten Auftakt dieser Verkostungsrunde mit grünen, gelben, orangen und roten Etiketten, steht diese Burgunderflasche mit einem schlichten, in gedecktem weiss gehaltenen Etikett am Tisch der Wahrheit. In gewohnt reduziertem Design tanzt in der Mitte das polynesische Männchen in Gold seinen Fruchtbarkeitstanz über dem Namen LOIMER und am unteren Rand steht in fett Traminer und Gumpoldskirchen, sowie der Jahrgang und ‘Alte Reben’ etwas schlanker auf dem Stück Papier. Damit ist das ‘Kunstwerk’ auch schon fertig.

Am Rückenetikett oben das Symbol und Traminer Alte Reben 2011 Niederösterreich. Unterhalb das Siegel der Traditionsweingüter Österreichs und jenes der Interessensgemeinschaft respekt. 14%vol. kündigen ein etwas kraftvolleres Weinerlebnis an. Damit sich der Traminer so richtig ‘in Schale’ werfen kann, kommt er für eine Stunde in die grosse Karaffe um genügend Sauerstoff zu tanken. Danach kommt er in den grossen Becher.

Viel elegantes hui im Riechorgan

Im Glas zieht der Traminer in hellem strohgelb seine Kreise. Sehr interessant ist sein ‘Duftverhalten’. Giesst man ihn ein und lässt ihn einfach stehen, ist er hocharomatisch, würzig und riecht fast nach Muskateller. Lässt man ihn jedoch ein paar rasche Runden drehen, wird er sofort ruhiger, fast elegant in der Nase und zeigt vornehme Rosenblütenaromen. Es riecht auf einmal sehr exotisch, gelb, ein wenig Vanille blitzt auf und die ursprünglich laute Aromatik ist überaus fein und leise geworden. Kein Bumms, sonder viel hui in der Nase. Betörend, schmeichelnd, mundwässernd. Es ist durchaus fruchtig ohne zuviel zu werden, es ist würzig ohne zu schreien. Es ist insgesamt ein sehr feiner Duft der die Nasenflügel verwöhnt.

Mild wie Labello, fein wie weisser Staub

Butterweich kommt der Traminer in den Mund. Über die Lippen zieht er mild wie Labello und legt sich ebenso weich auf die Zunge. Die Aromatik ist sehr fein, wirkt elegant und doch kraftvoll. Unverkennbar geben Rosenblätter den Ton an, begleitet von einer dezenten Herbheit. Es fühlt sich frisch und gelbfruchtig an im Mund, die Zunge wird weich wie mit Balsam gepinselt, der Gaumen wird mit feinem weissen Staub besprüht. Der Traminer wirkt kräftig und ist doch sehr fein in der Wahrnehmung. Einerseits steht er leicht herb im Mund, andererseits spürt man sehr subtil den Restzucker von 4,8g/l und staunt wie trocken sich das anfühlt. Auch was die Säure angeht ist der Wein eher auf der ‘milden’ Seite und in Kombination mit dem Restzucker ergibt das ein wunderbar weiches, mildes und rundes Mundgefühl.

Bekömmlichkeit rezeptfrei

Bei aller feinen Herbheit ist der Traminer Alte Reben auch ein sehr saftiger Wein. So stehen auf der Zunge kräftige gelbe Aromen exotischer Früchte, dicht und doch nicht schwer. Die 14% spürt man keine Sekunde, so frisch wirkt alles. Etwas Bäckerei in Form von Briochekipferl kommt dazu, es wird ganz leicht buttrig, vermengt mit einem Schuss Vanille. Rosenblüten bilden nach zwei Stunden eine wunderbare Unterfütterung der ganzen Sache. Wer säureempfindlich ist, dem sei dieser Wein als rezeptfreie Medizin ans Herz gelegt. Viel milder, viel weicher, runder, schmackhafter und bekömmlicher (auch wenn´s verboten ist das von einem Wein zu sagen) geht es fast nicht mehr. Der Tropfen hinterlässt ein Gefühl von Sehnsucht, macht melancholisch, lässt einen in Erinnerungen schwelgen. Zumindest mich.

Mit Luft und Zeit im Glas wird der Traminer immer konzentrierter. Nicht in Form von Saft und Kraft, sondern in seiner gesamten Art, in der Kargheit seiner fast 80 Jahre alten Reben. Am Gaumen wirkt der Wein trotz seiner Kraft sehr fein, auf der Zunge steht kein dicker Saft, sondern gelbe Würze eingehüllt in feinstem weissen Staub. Der Wein hat Power, ohne jeden Zweifel, doch lässt er diese nicht wirklich das Kommando übernehmen. Man spürt wieviel Kraft in ihm steckt und doch fühlt es sich an als hätte jemand die Handbremse angezogen. Gekonnt zügelt sich der Tropfen selbst, gibt nicht sein Letztes, lässt nur ahnen was er könnte, wenn er wollte. Gezügelte, domestizierte Harmonie nenne ich es was der Traminer zeigt. Im Abgang herrlich fruchtig wie auch aromatisch, im Nachhall trocken, elegant herb und lange anhaltend.

Und plötzlich wird mir wieder bewusst an was ich mich erinnere, als ich beim Heurigen noch Himbeerkracherl trinken musste; entweder kostete ich von meines alten Herrn Rotgipfler wenn er gerade mal ‘nicht da’ war, oder vom Traminer, den er in Gumpoldskirchen zu vernichten pflegte. Das ist genau der Geschmack der mich an meine alte ‘Heimat’ erinnert. Zum Vernichten hat er zuviel PS, zum Träumen hat er alles was man von einem ‘gelernten Aromatiker’ erwarten darf. Ich mag den Tropfen. Weil er einfach ‘schmeckt’ und ebenso weil er mich in eine Zeit entführt, als das Leben noch in meinen Kinderschuhen steckte.

Tipp: Ein bis (eher) zwei Stunden Luft tun dem Wein ausgesprochen gut. Nicht zu warm werden lassen. Um die 12º sind ideal. Ist die Küche würzig passt auch der Wein dazu. Als Solist ein Charmeur mit grosser Klasse und vor allem mit Potential für Jahre!

loimer-logo Verkostet wurde ein Traminer ‘Alte Reben’ 2011 von Fred Loimers Weingut Schellmann in Gumpoldskirchen/Niederösterreich. Der Wein wurde uns von Fred Loimer zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: Loimer (A), Verkostet

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