Trebbiano d´Abruzzo DOC 2014

| 21. Mai 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Trebbiano Pepe 2014 Seit mehr als fünfzig Jahren macht Emidio Pepe in Torano Nuovo/Teramo, Abruzzen, Wein. Wein, der weit abseits des Mainstreams wandelt, dem der Zusatz von Hefen ein Fremdwort ist. Handlese und Spontanvergärung sind selbstredend. Anzufügen sei, dass das Emidio Pepe ständig als einer der besten und treuesten Interpreten von Trebbiano anerkannt wird und jedes Jahr tiefe und wunderbare Weine produziert, deren Mineralik und Geschmack unverkennbares Markenzeichen der Region sind. Vor einer Weile stand hier sein Montepulciano d´Abruzzo zur Verkostung an, heute steht Emidio Pepes Trebbiano d´Abruzzo DOC 2014 am Tisch der Wahrheit. Wie schon der Montepulciano ist auch der Trebbiano ungeschönt, unfiltriert, unmanipuliert und so natürlich wie möglich belassen und kaum geschwefelt. Einzig der Ausbau erfolgte nicht im Holz, sondern im Betontank. Wie es sich für die Weine des grossen Meisters gehört, darf sich auch der Trebbiano erst einmal für eine Stunde in der Karaffe akklimatisieren.

Wer braucht schon Frucht?

Dunkelgelb wie reifes Stroh, so steht der Trebbiano d´Abruzzo im Glas. Frische Kräuternoten dampfen einem in die Nase, etwas nasses Heu, ein wenig feuchter Stein und jede Menge an subtiler Würze machen sich im Riechorgan breit. Von Frucht ist nichts zu finden, höchstens ein Gedanke von angematschter Quitte. Der Rest ist Kräuterküche, Mineralikbomber und Gewürzspektakel. Ein Duft der keine Gefangenen macht, einer dem man sich widerstandslos ergeben und ihn einfach machen lassen muss. Ein Duft für Kenner und für Könner.

Nichts als Würze, Aromatik & Mineralität

Wie war das noch einmal mit Frucht? Ah ja, nichts davon zu merken. Einfach keine da. Dafür rollt der Trebbiano d´Abruzzo mit einer dunkelgelben Würze auf die Zunge die gewaltig ist. Tief und komplex breitet er sich aus im Mund, nimmt die Zunge augenblicklich in Beschlag und drückt ihr seine enorme Mineralik rein. Das ist druckvoll, das ist dicht, das ist einfach WOW. Nasser Stein am Zungenrand, ein wenig Salz, ganz kurz nur, wunderbar. Am Gaumen pure Mineralität, reinste gelbe Würze, Druck und Dichte, Aromatik bis zum Anschlag. Irgendwo dazwischen wieder diese Idee von reifer Quitte; trocken, herb und fruchtbefreit. Ein Traum im Mund, ein Zug der gerade erst beginnt Fahrt aufzunehmen.

Ein humorbefreiter Avantgardist

Drei Stunden ist der Tropfen nun schon offen, die Fruchtfanatiker sind abgehauen, übrig sind hier nur noch Mineralik-Trinker. Jene, die tiefe gelbe Würze lieben, die es mögen wenn ein Wein Textur und Dichte zeigt, sich im Mund mit Druck ans Werk macht und sowohl die Zunge wie den Gaumen mit komplexer Aromatik streichelt. Knochentrocken steht der Trebbiano d´Abruzzo auf der Zunge, griffig ist er jetzt geworden, man spürt wie er ganz fein am Gaumen haften bleibt. Der Beton lässt grüssen. Es ist faszinierend, wie sehr sich dieses Material in den Wein hinein arbeitet, wie sehr es ihm Textur und Frische mitgibt. Jeder der schon mal in einem Steinbruch war und Staub geatmet hat kann nachvollziehen, was damit gemeint ist. Der Kerl ist komplett humorbefreit und nur für Freunde karger, aber saftiger und dichter Mineralität geeignet.

Fakt ist: Der Trebbiano d´Abruzzo wird an der Luft immer “gelber”. Er ist saftig und doch trocken wie ein Tischtuch, er ist dicht, dabei aber ausgesprochen frisch im Mund. Auch wenn er mächtig Druck macht, so hat er doch nur 12 PS die ihn bewegen. Der Wein braucht Luft, viel Luft, er wirkt “dreckig”, weil er massig Stein und Erde mit sich führt, und doch ist er ein durchaus feiner Tropfen. Am Ende hat man einen Wein im Mund, der überraschend schlank, trotz aller Komplexität, im Mund steht und für grossen Spass sorgt. Definitiv kein Wein für “Anfänger”. Der Trebbiano d´Abruzzo ist Avantgardist, und wer sich auf ihn einlässt, der erlebt mit Sicherheit ganz wunderbare Stunden. Auf jeden Fall ist er ein neuerlicher Beweis dafür, dass Emidio Pepes Weine zu den besten ihrer Art gehören. Darauf noch ein Glas, weil jetzt, nach fünf Stunden in der Karaffe, fängt der Kerl richtig an zu singen. Zum Wohl.

Tipp: Verträgt locker zwei bis drei Stunden die Karaffe und geht danach immer mehr auf. Mit 10-12º geniessen. Zu Pastagerichten und zu weissem Fleisch an hellen Saucen. Auch zum Fisch ein wahrlich feiner Tropfen.

Wein & und Winzer-Info:

Trebbiano 2014
Wein: Trebbiano d´Abruzzo DOC 2014
Winzer: Emidio Pepe
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: -2020
Anbau: Manuvin®
Ausbau: Betontank
Besonderes: -
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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