Über Grenzen gehen

| 30. Juli 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

In der zweiten Verkostungsrunde der Kiefer-Weine stand diesmal ein Wein mit dem aussergewöhnlichen und zu Abenteuern motivierenden Namen

ÜBER GRENZEN GEHEN – eine trockene Rotweincuvée

am Tisch. Selbstverständlich war ich bereit diese Reise mitzumachen und so stand dem Abenteuer nichts mehr im Weg. Mit Brot als Proviant war ich bestens gewappnet.

Die Nase ist etwas gewöhnungsbedürftig, macht sich doch eine Cassisnote ziemlich stark bemerkbar. Man könnte sogar sagen, dass der Wein eine gewisse kräutrige Note hat und sich von herkömmlichen Rotweincuvées stark unterscheidet. Das Glas benetzt er mit schönen Kirchenfenstern und das tiefdunkle Rot glänzt mit rubinfarbigen Reflexen mit sich selbst um die Wette.

Direkt aus der Flasche ist der Wein ziemlich ruppig und poltert durch die Mundhöhle. Eine Vielzahl von Aromen streiten sich um den 1. Preis und man nimmt Brombeeren, schwarze Johannisbeeren und auch reichlich Würze und Holz wahr. Er zeigt sofort was “Sache” ist und breitet sich vollmundig, fruchtig, aber auch mit fester Säure im Mund aus. Bei all dem bleibt er knochentrocken. Um die einzelnen Aromen aufnehmen zu können muss man multitaskingfähig sein. Der Wein ist nichts für Weicheier und Gerbstoff-Verweigerer.

Vom wilden Hund zur Schmusekatze

Mir persönlich war das alles etwas zu rustikal weshalb ich die halbe Flasche in eine kleine Karaffe umfüllte und ihn eine halbe Stunde setzen liess. Und siehe da, auf einmal präsentierte sich ein völlig anderer Wein. In der Nase komplett anders, alle Aromen hatten sich zu einer Einheit verschmolzen und gaben dezent ihre Geheimnisse frei. Sogar der Cassiston war zurückgetreten und wurde jetzt von vanilligen und ein wenig rauchigen Noten begleitet. Irgendwie hatte die Cuvée jetzt fast was “chianteskisches” (© Leo). Nur mit etwas mehr Säure und weniger gerbstoffig.

Der “wilde Hund” ist zahm geworden und gleitet gut belüftet fast cremig über die Zunge, bleibt in der Mitte haften und öffnet seine feinen Gerbstoffe. Die Zunge und die Mundhöhle fühlen sich ein wenig pelzig an, aber trotzdem bleibt der fruchtige Geschmack stets präsent. Plötzlich ist der Wein “erwachsen” geworden und lädt einen ein, mit ihm gemeinsam über “die Grenzen zu gehen”. Ich habe diese Angebot gerne angenommen und mich mit ihm – nach dem ersten “Kampfglas” – auf das Abenteuer eingelassen. Ich habe es nicht bereut.

Um € 6,40 ein Wein für jeden Tag und für zahlreiche Anlässe. Süffig im Trunk, trocken und animierend und mit 12% angenehm leichtfüssig. Ein sehr guter und gut gemachter Basiswein der einfach Freude macht.

Tipp: Unbedingt 10-15 Minuten belüften um die volle Bandbreite geniessen zu können.

Verkostet wurde die Rotwein-Cuvée ÜBER GRENZEN GEHEN 2010 vom Weingut Kiefer aus Eichstetten am Kaiserstuhl, Deutschland. Mit 12% Alkohol ein sehr angenehmer und süffiger Tropfen für viele Anlässe.

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Kategorie: Verkostet, Weingut Kiefer (D)

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