Verjus vom Buchertberg

| 16. September 2015 | 1 Kommentar Alles lesen

Verjus; tausendmal gehört, nie wirklich tiefer hinterfragt, immer wieder vergessen. Bis jetzt, da Gottfried Lamprecht, dessen Weine vom Herrenhof ich bereits alle verkostet habe, eben diesen wieder im “Programm” hat. Verjus kommt aus dem französischen und heisst soviel wie “grüner Saft”. Erzeugt wird dieser durch das Auspressen unreifer Trauben. Heraus kommt ein saurer Saft, welcher jedoch wesentlich milder als herkömmlicher Essig ist. Gerade deshalb eignet er sich besonders zum Verfeinern von Salaten und sonstigen Gerichten die sich gewöhnlich über einen Schuss “Saures” freuen. Doch nicht nur in der Küche ist Verjus eine Bereicherung, auch für den Durst ist er hervorragend geeignet. Eine Kappe in prickelndes Mineralwasser und schon hat man eine wohlschmeckende Mischung gezaubert. Feiner und nicht so sauer wie mit Zitrone, mehr nach Trauben (welch Wunder) und sehr erfrischend.

VerjusGottfried Lamprechts Verjus stammt von der Lage Buchertberg mit ihren leicht kalkhaltigen Sandsteinverwitterungsböden. Auf dieser Lage wächst auch sein Weissburgunder. Sein Verjus ist ohne Filtration und Schönungsmittel oder anderen Zusatzstoffen gemacht und durch schonende Pasteurisation haltbar gemacht. Und weil ich ein kleiner Weinverrückter bin, habe ich mir den “grünen Saft” vom Buchertberg wie einen richtigen Wein vorgenommen und ihn auf drei Arten verkostet. Einmal pur im Grappaglas, einmal als Erfrischung aus dem Seidel und einmal nöblich aus dem Weinglas.

Im Grappaglas ein intensiver Traubenduft, im Seidel fast geruchslos und im Weinglas leicht nach Tonic mit einem Schuss Limette drin. Pur gekostet aus dem Grappaglas zwar sauer, aber keineswegs reizend wie Essig oder Zitrone. Eben wie unreife Trauben, oder Wein mit hoher Säure, nur erheblich milder. Füllig, fest und saftig. Als würde man in eine Zitrone beissen die nach Trauben schmeckt. Sauer macht lustig, doch ist dieses sauer saftig-fruchtig und man spart sich das übliche extreme Zitronengrinsen. Im Seidel einfach nur erfrischend. Mild, eher Limette als Zitrone, leicht gezuckert. Im Weinglas interessanterweise bei weitem nicht so fruchtig wie aus dem Seidel. Geht mehr ins Herbe, wirkt griffiger und schmeckt mehr nach gelber Grapferuit. Im Nachhall traubig. No na.

Fazit: Wer kurz mal lächeln möchte sollte sich einen Fingerhut ohne alles zwischen die Kiemen kippen. Zur Erfrischung ist der Verjus eindeutig aus dem Seidel zu empfehlen. Wer es elegant mag, darf sich den grünen Saft dann auch schon mal im Weinglas gönnen und so tun als hätte er einen trüben Naturwein (was es letztlich irgendwie auch ist) drin. Und jetzt mache ich mir einen Salat und pimpe diesen mit ein paar Kürbiskernen und dem kecken Traubensaft.

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Kategorie: Herrenhof Lamprecht (A), Verkostet

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