Mâcon Les Combettes 2014

| 15. November 2016 Alles lesen

les-combettes Einen hatte ich bereits von der Domaine Guillot-Broux aus dem Maconnais, den Mâcon Cruzille ‘Les Genièvrières’. Ein Traum von einem Chardonnay. Heute steht ein weiterer Ausnahmetropfen von Emmanuel Guillots Domaine, die noch immer Geheimtipp ist, unter dem Motto Tour de France am Tisch der Wahrheit; der Mâcon Les Combettes 2014. Ebenfalls ein lupenreiner Chardonnay. Emmanuel Guillot, der Sommelier in der Londoner Sternegastronomie war bevor er in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, wird gerne als Weinverrückter bezeichnet. Er verzichtet in Weinberg und Keller auf jegliche Manipulationen wie Schönung, Entsäuerung wie auch auf Aufzuckerung oder Filtration. Seinen Les Combettes, der von kargen Kalkmergelböden stammt, liess er spontan vergären und baute ihn im gebrauchten Barrique aus. Wie sehr sich der Le Combettes aus der Masse bedeutungsloser Chardonnays hervorheben kann, dem gehe ich jetzt auf den Grund und lasse ihn vorerst für eine Stunde in der Karaffe Luft aufnehmen.

Betörend duftiges Erlebnis

Goldgelb wie Rapunzels Haar steht der Les Combettes im grossen Kelch. Butter, Nuss und Meersalzflocken dümpeln leise drin herum, Hefe oben drüber und dazwischen eine feine Zitrsunote. Betörend, verführerisch, mundwässernd. Es ist ein weicher Duft der trotz allem expressiv wirkt, aber nie zu viel wird. Warmer Brotteig komplettiert den Duftkorb und macht grosse Lust den Wein im Mund zu spüren und zu schmecken.

Braune Nuss & Meersalzflocken

War die Butter vorher in der Nase, so rollt der Les Combettes jetzt butterweich durch die Zungenmitte. Erstaunlich dabei ist, dass er stur in der Mitte bleibt und keine Versuche unternimmt über die Breite abzufliessen. Wie ein Strahl zieht er mineralisch über sie hinweg, entledigt sich feinster brauner Nussaromen und verzückt mit einer weichen Stoffigkeit die mehr als überrascht. Am Gaumen spürt man wieder Brotteig, etwas Butter und auch Walnuss. Alles feinst bestreut mit Meersalz, das dem Tropfen seine mineralische Note verleiht. Erst im Abgang ahnt man dann den Kalk, der sich in einer zart griffigen Wolke zeigt. Im Finale wieder dieser freche Stich der Zitrusfrucht die dem Les Combettes so etwas wie Verspieltheit attestiert.

Abenteuer pur

“Was unterscheidet den Les Combettes von anderen Chardonnays?”, frage ich mich, und komme zum Ergebnis, dass es seine Physis ist. Dieses Mundgefühl, das salzig-mineralisch und gleichzeitig so weich und griffig ist. Das verschiedene Welten gekonnt vereint und sie wie aus einem Guss erscheinen lässt. Geschmacklich hat der Tropfen alles was für Spass im Mund sorgt, gefühlsmässig aber gibt er richtig Gas. Nussig und hefig auf der Zunge, sanft und fein wie Kaschmir am Gaumen. Es fühlt sich edel an, es wirkt vorsichtig, verhalten und doch so präsent. Der Wein verändert sich ständig, überrascht immer wieder aufs Neue und zwingt einen sich an ihn anzupassen, ihn einfach sein zu lassen. Ein ganz grosses Weinerlebnis.

Drei Stunden später steht ein völlig anderer Wein im Glas. Knallharte Mineralik zieht in straffem Mundgefühl über die Zungenmitte. Der Kalk schiesst aus jedem Tropfen raus, der Les Combettes wirkt schlank und rassig und hat alles was er an “Gewicht” am Anfang hatte abgestreift. Jetzt herrscht Spannung im Mund, jetzt wirkt er leicht, ist enorm griffig und schmeckt auch weit pikanter. Was für ein Chamäleon! Wunderbar! Nach einer weiteren Stunde ist er wieder weich und rund, als wäre er nur kurz mal vor die Tür gegangen. Ich bin gefangen von diesem Wein, fasziniert, beeindruckt. Wie wird der wohl am Abend sein, wie morgen oder übermorgen? Der Les Combettes ist Abenteuer pur. Ein Wein für Forscher, für Entdecker, für Neugierige. Ganz grosses Kino für ganz wenig Geld. Chardonnay kann so spannend sein!

Tipp: Unbedingt für ein, zwei Stunden in die Karaffe damit. Mit 12-16º geniessen, je nach Laune. Weisses Fleisch begleitet er gekonnt, gutes Gemüse ebenso, Salzgebäck liebt er und am besten schmeckt er ohne alles.

Wein & und Winzer-Info:

les-combettes
Wein: Les Combettes 2014
Winzer: Domaine Guillot-Broux
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2018+
Boden: Kalkmergel
Ausbau: gebr. Barrique
Besonderes: Ecocert® und AB®
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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