Vigneti Trebbio 2009 IGT

| 18. Oktober 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Zuerst wurde es gebaut, dann, nach einer fiesen und hinterhältigen Verschwörung ‘übernommen’, Mord und Totschlag fanden statt und am Ende fiel das worum es ging, das Castello del Trebbio, an die Medicis. Soviel in kürzester Kurzfassung zu dem worum es hier und heute geht; den Vigneti Trebbio 2009 IGT, einen modernen Toskaner Rotwein, der von Anna und Stefano Casadei, den heutigen Besitzern des Castello del Trebbio in einer mit Laurenz M. Moser und dem Schweizer Felix Christen eingegangenen Kooperation unters Volk gebracht wird. Der Vigneti Trebbio ist eine Cuvée aus 60% Sangiovese, 30% Syrah, 5% Cabernet Franc, 3% Merlot sowie 2% Petit Verdot. Ein Teil dieser ‘Mixtur’, die Syrah, wurde nach alter Tradition in Amphoren vergoren.

Das graue Etikett welches auf der Bordeauxflasche klebt hat es dann auch in sich. Auf ihm wird nämlich chronologisch die Geschichte des Castellos in Linoldruckartigen Bildern abgebildet. So ungewöhnlich das mannshohe Etikett ist, so beeindruckend und, aufgrund der Farbwahl grau/schwarz, düster wirkt es und spiegelt so die ganzen Dramen die um das Castello del Trebbio stattgefunden haben perfekt wider. In der Mitte in weisser Hochprägung Vigneti Trebbio und das wars dann vorne auch schon.

Damit die Bilder vorne aber nicht zu einem Bilderrätsel werden, ist am hinteren Etikett, das genauso hoch ist wie das vordere, ebenso Punkt für Punkt angeführt was jedes Bild darauf bedeutet und was es damit auf sich hat. Chronologisch ebenfalls damit man der Geschichte ‘folgen’ kann. Freunde aussergewöhnlicher Flaschenbeklebungen sollten mit dieser ein weiteres Stück zu ihrer Sammlung hinzufügen können.

Saftig reife Kirschen & ein Korb von roten Beeren

Funkelnd, intensiv und leuchtend kirschrot zieht der Vigneti Trebbio seine Kreise im Glas und legt sich wunderschön fett an der Innenwand an. Aus dem Glas strömen in Vanille getunkte Kirsch- und Beerenaromen, reif, saftig und zum Reinbeissen verführerisch. Insgesamt riecht es sehr fruchtig und frisch in der Nase. Sogar ein Hauch von Pflaume mischt sich unter die roten Beeren und sorgt für Saft im Geruchsorgan. Einen Hauch von Süsse spürt man die Nase hochsteigen und man kann die Frucht schon fast schmecken.

Erfrischend kühl im Mund

Ziemlich kühl und frisch zieht der Vigneti Trebbio über die Lippen und erfreut die Zunge mit seidig feinen Tanninen. Man spürt sofort die Kraft die dieser Wein hat und das durchaus kräftige Gerbstoffgerüst wird mit feiner Klinge vorgeführt. Fruchtig und herb umspült er die Zunge mit dem Saft reifer Kirschen, um im selben Augenblick aber auch seine Muskeln zu zeigen und darauf hinzuweisen, dass er mächtig Kraft hat. Voll im Körper ist er und schindet damit richtig Eindruck. Es dominiert zwar eindeutig die Sangiovese mit ihrer reifen Kirschfrucht, doch wird sie wunderbar elegant von ihren Mitstreitern Cabernet Franc, Merlot und Syrah gestützt. Man schmeckt die Frucht und spürt ebenso die frische Kühle die in diesem Wein herrscht und wie das kräftige Gerbstoffgerüst die Frucht gekonnt in Zaum hält.

Trocken, herb & mächtig Power im Zylinder

Trocken wie ein Wüstenwind legt sich der Vigneti Trebbio auf die Zunge, ebenso trocken zieht er über den Gaumen und hinterlässt dort einen feinen herben Film. Im Abgang saftig kühl und fast ein wenig bitter macht der ‘Italiener’ grossen Spass und präsentiert sich dadurch richtig appetitanregend. Da ist nichts fett und dick und heiss und marmeladig, es ist frisch, es ist kühl und schlank trotz mächtig Power im Zylinder und es fühlt sich durchgehend leichtgewirkt im Mund an. ‘Frucht meets Bitter’ könnte man so sagen und stellt fest, dass man es mag. Das berühmte Tüpfelchen auf dem ebenso berühmten ‘i’ ist seine mineralische Ader mit welcher der Wein punktet.

Der Vigneti Trebbio hat eindeutig die Kraft eines Hummers, ‘fährt’ sich aber wie ein wendiges Elektroauto. Genauso fühlt er sich an mit seinen feinen Kirscharomen die auf der Zunge tänzeln und erst im Abgang so richtig für Drehzahl sorgen. Da wird dann aufs Gaspedal gedrückt und mit kräftigem Drehmoment von unten heraus beschleunigt. Die 14% sind nicht zu spüren, sie verstecken sich in erfrischend kühler Rasse. Doch an der Luft entwickelt sich der Vigneti Trebbio zu einem echten Brummer, der es perfekt versteht sich in seinem ‘Tarnanzug’ schlank zu präsentieren und so erheblich leichter wirkt als er ist. 20 Euro machen ihn nicht unbedingt zu einem Wein für jeden Tag, wenngleich er problemlos das Zeug dazu hat und ein richtiger Spassmacher ist. Auch wenn der Wein an sich sofort getrunken werden kann empfiehlt es sich ihn trotzdem umzufüllen und eine Weile atmen zu lassen. Er wird dann dichter, runder und voluminöser und seine doch kräftigen Tannine ‘beruhigen’ sich ein wenig. Dann steht er voll ‘im Saft’ und sorgt für vollmundigen und kräftigen Weingenuss.

Tipp: Geben sie dem Wein 30-60 Minuten in der Karaffe und geniessen sie ihn bei 16-18º. Macht sich toll zu Fleischeintöpfen, gerillten Rinderteilen und auch zu regionalen, kräftigen Pastagerichten mit ganz viel Parmigiano Reggiano oben drauf.

Verkostet wurde ein Vigneti Trebbio 2009 vom Castello del Trebbio, Italien. Eine Cuvée aus Sangiovese, Syrah, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein via Cornelia Spiola, FIVE.COMM, Wien.

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Kategorie: Verkostet

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