Weissburgunder Hohen-Sülzen 2013

| 19. September 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

BattenfeldSpanier, eine Marke. Von Carolin Spanier-Gillot und Hans Oliver Spanier. Mit ihren zwei Weingütern Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot gehören die beiden zu Rheinhessens wichtigsten Weinherstellern. Einer ihrer Weine, der Weissburgunder Hohen-Sülzen 2013, steht heute hier am Tisch der Wahrheit. 2007 hat H.O. Spanier auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Der Wein wurde im 500 Liter Holzfass ausgebaut. Der Weissburgunder Hohen-Sülzen ist ein Ortswein und als solcher in der Mitte des Sortiments von BattenfeldSpanier angesiedelt. Als Fan von gutem Weissburgunder freue ich mich deshalb schon auf diesen hier, von dem man behauptet, dass er es locker mit einigen grossen Chardonnays aus der Bourgogne aufnimmt. Ob das denn auch so ist, dem werde ich jetzt auf den Grund gehen.

Weissburgunder Hohen-Suelzen 2013 Auf den ersten Blick denkt man an einen goldenen Skorpion wenn man das Etikett ansieht. Auf den zweiten an einen Gladiator der sich hinter seinem Schild versteckt und Hörner am Helm hat. Es kann aber auch ein gemeiner Käfer in Roboterverkleidung sein. Keine Ahnung was es ist, es ist auf jeden Fall eindrucksvoll und strahlt etwas mystisches aus. Alles befindet sich in einem blauen Kreis, der wiederum auf einem dunkelbronzenen Untergrund aufgebracht ist. Oben in einer Copperplate BATTENFELDSPANIER auf weissem Untergrund und unten 2013 Hohen-Sülzen Weissburgunder. Impactstark, unverwechselbar. Das Rückenetikett in grau gibt gerade das was nötig ist bekannt. Die goldene Halsmanschette komplettiert die Weinbekleidung. Aufgedruckt auf ihr ist das Siegel des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) dessen Mitglied BattenfeldSpanier ist. Und jetzt wird angetrunken. Ohne Wartezeit und einfach mal drauf los.

Ananas, Cassis & Silex

In hellem goldgelb dreht der Weissburgunder Hohen-Sülzen seine Runden im grossen Kelch. Der Duft, betörend. Fein geschnittene Ananas, etwas Litschi, dazu Stachelbeeren und Cassis. Zart rauchig riecht die geriebene Orangenschale. Fühlt sich einerseits sehr cremig in der Nase an, ist aber auch sehr fein und leichtgewichtig. Mineralisch, Silex, frisch zerstossen. Ein zarter Hauch aus der Bäckerei strömt aus dem Glas, alles wirkt ausgeprochen fein und frisch. Ich möchte jetzt schon am liebsten in den Becher hüpfen.

Eine Wohltat im Mund

Oh ja! Das ist es was ich mag und fülle auf der Stelle die Karaffe voll weil ich schon ahne, wo das hinführt. Saftig, frisch und höchst animierend strömt der Weissburgunder Hohen-Sülzen in cremiger Textur auf die Zunge. Nicht zu cremig, einfach wunderbar weich, dabei mit herrlichen Cassisnoten unterfüttert. Über die Zungenränder fliesst der Tropfen traumhaft salzig ab und was man sonst noch “schmeckt” macht einfach riesengrossen Spass. Lebendig, wohlgeformt, ein Tick von Hefe und Brioche und über allem frische Stachelbeeraromen. Eine Wohltat im Mund. Am Gaumen kalkig, dabei elegant und knochentrocken. Im Abgang wieder etwas Ananas mit einem Schuss Orange. Was für eine Exotik, was für eine klare frische Mineralik. Wunderbar.

Kaufen, bunkern, saufen, lieben

Wie erwartet treibt sich der Weissburgunder Hohen-Sülzen an der Luft von selbst an und wird immer kalkiger und mineralischer. Auch salziger. Was für ein Gemisch! Dabei verliert er nie seine durchaus exotische Note die dank Ananas und Litschis stets präsent ist. Was ihn dann auch noch erfrischend macht ist diese aufgeweckte Stachelbeere die fast schon übermütig durch die Gegend torkelt. Immer schön gestützt von feiner Hefe und Brioche, welche quais als Begleitschutz fungieren und sich niemals in der Vordergund drängen. Sie sind einfach da, so wie es sich gehört. Unauffällig, unaufgeregt und doch vorhanden. Keine überkandidelte, so sagt man hier in Wien, Cremigkeit mehr, kein Holz, keine Üppigkeit, einfach nur elegante Textur die seidig-kühl im Mundraum wirkt. Und sich ananasorangesalzig anfühlt. Ich man den Weissburgunder Hohen-Sülzen jetzt schon ganz viel sehr.

Einfach faszinierend. Die feine Cremigkeit, die so elegant ist und niemals pampig wird, macht den Hohen-Sülzen zu einem äusserst eleganten Vertreter seiner Gattung. Genau diese fehlende Üppigkeit macht ihn so fein, lässt seine Mineralik in den Vordergrund treten und sich von ihrer kalkig-herben Seite zeigen. Die kecken Stachelbeeren geben nach wie vor den Ton an wenn es um die Frucht geht, doch kaum dass diese auch nur daran denkt sich allzu wichtig zu machen, stehen Silex, Kalk und Hefe da und weisen sie in ihre Schranken. Was bleibt ist Salz auf der Zunge, an deren Rändern und sogar am Gaumen. Der Abgang sündig “stachelsalzbeerig” mit einer Schippe Kalk und einer Wolke feinstem Staub. Trocken, dabei saftig, süffig und sexy. Weissburgunder wie ich ihn mag. Alles da, nur von der Fülle weniger und vom Boden welchem er entstammt verdammt viel mehr. Traumhaft. Ganz viel davon haben will. Kaufen, bunkern, saufen, lieben. Herrlich.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe ist angebracht. Grosses Glas empfohlen. Mit 10-12º geniessen. Zu Fisch an heller Sosse, zu Geflügel, oder einfach ohne alles. Soviel Frische kann man gerne auch ohne Beiwerk geniessen.

Verkostet wurde ein Weissburgunder Hohen-Sülzen 2013 vom Weingut Carolin Spanier-Gillot & H.O. Spanier aus Hohensülzen in Rheinhessen, Deutschland. Bezugsquelle: weinfurore, München.

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Kategorie: Furore (D), Verkostet

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