Welschriesling 2019

| 3. Juni 2020 | 0 Kommentare Alles lesen

Welschriesling 2019 Die Ebene im burgenländischen “Seewinkel”, dem ca. 20 Kilometer langen Landstreifen am Neusiedlersee, der mit zahllosen grossen Lacken durchsetzt ist, scheint endlos zu sein. Mittendrin liegt Illmitz, wo man wiederum den Weinlaubenhof Kracher, dessen Name untrennbar mit den besten Auslesen, Spätlesen, Trockenbeerenauslesen Österreichs verbunden ist, findet, und wo man auch kleine Mengen hervorragender Weiss- und Rotweine macht. Seit 2007 zeichnet Gerhard Kracher für die Bereiche Keller, Weingarten und Verkauf verantwortlich, unterstützt wird von seiner Gattin Yvonne, die sich quasi im “Backend” um das Marketing sowie den Ein-und Verkauf kümmert. Vom Weinlaubenhof Kracher habe ich heute den Welschriesling 2019 am Tisch der Wahrheit stehen. Ohne Umweg heisst es dabei “Schrauber runter” und ab ins blank polierte Glas damit. Soll er endlich zeigen was er alles drauf hat.

Exotik pur im Riechorgan

Helles strohgelb leuchtet einem aus dem Glas entgegen. Die Nasenflügel dampfen exotische Fruchtaromen, begleitet von einer durchaus knackigen Würze hoch. Litschis und Ananas hier, Grapefruit und ein Hauch von orientalischen Gewürzen da. Ein frischer Duft der sich in der Nase ausbreitet und Lust auf mehr macht. Der leichte Speichelfluss trägt auch das Seine dazu bei um gierig auf den ersten Schluck zu werden.

Wein mit zwei Gesichtern

So macht das Spass! Ungemein knackig rollt der Welschriesling die Zunge entlang, ist dabei weich, fast cremig und doch mit einem Säurepuls versorgt, der mächtig Zirkus in die Bude bringt. Eine resolute Würze mischt den Korb von Litschis, Ananas und Grapefruits auf, am Gaumen spürt man eine feine Fülle, der Tropfen fühlt sich rund und gsund im Mund an und ist doch ein flotter frecher Feger. Herrlich trocken ist er, trotz des Saftes der die Zunge einlullt. Ein Wein mit zwei Gesichtern. Saftig-trocken, rund ohne breit zu werden, weich und doch straff und frech im Mund.

Trinkspass pur

Langsam aber stetig arbeitet sich eine beeindruckende Würze in den Vordergrund, krallt sich am Gaumen fest und macht keine Anstalten jemals wieder von dort weg zu gehen. So sehr die Frucht auf der Zunge noch in Führung liegt, so schnell ist diese weg wenn sich der gute Tropfen Richtung Abgang aufmacht. Dann ist Schluss mit lustig, dann wird´s seriös in der Zentrale. Weich und würzig fliesst der Stoff die Kehle runter, hinterlässt am Gaumen einen Grip der schlicht betörend ist und zeigt im Nachhall nochmal eindrucksvoll wie saftig und doch trocken Wein sein kann. Ein Charmeur auf allen Linien ist dieser “Wösch”, der sich so leicht und locker wie ‘ne Limonade wegtrinkt.

Insgesamt betrachtet, ist dieser Welschriesling ein sehr “exotischer”. Tropenfrüchte satt, ein wohlgeformter Körper, voll im Saft und doch ein eleganter, würzig-trockener Vertreter seiner Gattung. Hat Statur und ist trotz allem fein, hat Rundungen und ist dank reichlich Puls ein flotter Tropfen. Ein Wein mit dem man gern im Mund spielt, den man gerne länger auf der Zunge verweilen lässt um seinen wunderbaren Körper zu spüren. Vor allem aber ein Wein, der, nicht zuletzt dank seiner konsumfreundlichen 9 Euro, ein echter Freudenspender ist. Ein Welschriesling mit Charakter, einer der keinen speziellen Anlass braucht um von seinem Schraubverschluss befreit zu werden. Einer, der einfach Spass zu jeder Zeit macht. Weinvergnügen pur.

Tipp: Schrauber ab und rein ins Weinvergnügen. Mit 8º am besten. Zu gegrillten Meeresfrüchten, zur Hühnerbrust oder einfach zum Wiener Schnitzel. Als Partytropfen immer eine Bank.

Verkostet wurde ein Welschriesling 2019 vom Weinlaubenhof Kracher aus Illmitz im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Kracher, Illmitz.

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Kategorie: Kracher (A), Verkostet

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