Wann ist ein Wein gut?

| 23. Mai 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

“Wann ist ein Wein gut und wie weiss ich, dass er gut ist?” Zwei oft gestellte Fragen, die im Grunde genommen gar nicht objektiv zu beantworten sind. Zu viele verschiedene Faktoren spielen in diese Fragen hinein und zu unterschiedlich sind die Wahrnehmungen unterschiedlicher Personen. Ebenfalls nicht objektiv bewertbar sind die differenzierten Vorlieben jedes Weintrinkers und somit nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Einerseits ist gut ein relativer, dehnbarer Begriff, andererseits gehört zu gut sein mehr als nur das geschmackliche Erlebnis.

Selbstverständlich kann man die Qualität eines Weins technisch erfassen, bewerten und daraus seine Schlüsse ziehen. Was auch zurecht geschieht und so gewisse Standards vorgibt die dem entsprechen, was gewisse Normen und Regeln fordern. Ob Tischwein oder Qualitätswein produziert wird ist auch keine des Frage des Geschmacks, sondern basiert einfach oft darauf, dass zahlreiche andere Überlegungen in die Entscheidungsfindung hinein wirken und diese beeinflussen. Das heisst aber nicht zwingend, dass der Tischwein deswegen automatisch schlechter als der Qualitätswein sein muss. Er wird nur anderen Ansprüchen gerecht und richtet sich an eine andere, breitere Zielgruppe. Deswegen kann ich hier auch nur für mich persönlich sprechen und erörtern, wie ich versuche diese Frage für mich selbst zu beantworten.

Gut ist am Ende was mir selber schmeckt

Einfach ausgedrückt heisst das: Zuerst muss mir ein Wein schmecken. So leicht dahin gesagt das erscheinen mag, so einfach ist es auch. Es hilft mir die beste Bewerbung, Eigenpräsentation und höchste Bewertung nichts, wenn meine Geschmacksnerven mir etwas anderes vermitteln als ich wahrnemen “soll”. Dass das natürlich völlig subjektiv ist, steht ausser Frage. Es muss jeder für sich selbst beantworten ob ihm der Wein den der gerade trinkt schmeckt oder nicht und er ihn somit für gut oder weniger gut befindet.

Weiters kommt es für mich persönlich darauf an in welcher Umgebung und unter welchen Umständen ich Wein trinke, aber auch welche Erwartungen ich damit verbinde. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, spielen natürlich die Umgebung und die Umstände mit und beeinflussen zum Teil unsere geschmackliche Wahrnehmung. Ebenso verhält es sich mit den Erwartungen die man damit verbindet. Ich persönlich achte immer darauf, dass diese nicht zu hoch sind. Nicht weil sie vielleicht nicht gerechtfertigt wären, sondern um mir meine Unvoreingenommenheit zu bewahren. Auf diese Weise hat jeder Wein die gleiche Chance und kann mir “zeigen was er kann”.

Wein muss verführen und bezaubern können

Wenn ich Wein am Abend trinke und mich ausschliesslich seiner Entdeckung und Erforschung widme, dann muss er mich inspirieren. Er muss mich träumen lassen und mich auf eine Reise mitnehmen. Er muss mir das Gefühl vermitteln, dass er für heute “mein Partner” sein und mich in seine Welt eintreten lassen will. Er muss mich sowohl mit Geruch wie auch Geschmack faszinieren und von mir Besitz ergreifen können. Um sich in meine Liste jener Weine die ich nicht mehr missen möchte einzureihen, muss er mich dazu bringen, dass ich mehr von ihm erfahren will und dass jeder neue Schluck mir schon Freude auf den nächsten macht. So prosaisch das vielleicht auch klingen mag, so wichtig ist es für mich persönlich um zum Schluss zu kommen, dass dieser Wein ganz einfach “wirklich gut” ist.

Bei all dem ist es unerheblich ob der Wein von Parker hoch bewertet oder nicht einmal erwähnt wird. Es ist ebenso egal ob dieser Wein gerade “in” ist und man ihn deshalb mögen “muss”. Ebenfalls unbeachtet lasse ich sämtliche Auszeichnungen, Prämierungen und sonstige den Wein in den Adelsstand erhebende Massnahmen, die am Ende nur meine Objektivität und mein Urteilsvermögen beeinflussen würden. Weder mein noch Ihr Gaumen nimmt Geschmack anders wahr nur weil er ausgezeichnet wurde. Das soll auf keinen Fall prämierte und ausgezeichnete Weine und schon gar nicht die Leistung ihrer Winzer schmälern oder gar herab stufen. Nichts liegt mir ferner. Es soll bei Ihrer Bewertung einfach nur keine Rolle spielen ob Ihnen das was Sie im Glas haben schmeckt oder nicht.

Wenn Sie also Ihre nächste Flasche Wein öffnen denken Sie daran, dass niemand das gleiche schmeckt wie Sie und dass aus diesem Grund nur Sie allein der Richter über diesen Wein sind. Lassen Sie ihn an sich ran, lassen Sie sich auf ihn ein. Geben Sie ihm Zeit und versuchen Sie sich nur auf das zu konzentrieren was er Ihnen zu vermitteln versucht. Lassen Sie sich fallen und entführen. Oder geniessen Sie ihn einfach nur und heben am Schluss den Daumen. Die Richtung in die er weist, bestimmen Sie.

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