Grüner Veltliner ‘Kamptal’ DAC 2014

| 11. August 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Ende Mai 2013 hatte er seine “Premiere” hier, der Grüner Veltliner Kamptal 2012. Jener Wein, der aus alten Weinbergslagen rund um Langenlois mit den Gemeinden Zöbing, Gobelsburg, Schiltern und Mollands stammt. Heute steht Fred Loimers GV Kamptal 2014 am Tisch der Wahrheit. Wie schon damals teils spontan und teils kontrolliert im Stahltank vergoren und im Anschluss auf der Feinhefe ausgebaut. Was den Grüner Veltliner Kamptal 2014 von jenem aus 2012 unterscheidet, ist, dass dieser nicht mehr “aus Trauben aus der Umstellung auf biologische Landwirtschaft” stammt, sondern bereits biozertifiziert ist und sich somit auch amtlich Biowein nennen darf. Was ihn letztlich auch nicht länger “haltbar” macht, weil er bei diesen Temperaturen – zertifiziert oder nicht – sowieso im Nu verdunstet. War 2013 so und wird auch 2015 nicht anders sein.

Kamptal GV Quietschgrün wie immer ist das Etikett das dem GV Kamptal “zugewiesen” ist. In der Mitte LOIMER mit dem in knallgelb gehaltenen polynesischen Fruchtbarkeitssymbol und unten am Rand wie gewohnt – nein, da hat sich was geändert. Nicht mehr in weiss sondern in schwarz gedruckt steht diesmal auch Langenlois dabei, quasi das Tor zum Kamptal. Davor in gelb der Jahrgang 2014 und rechts unterhalb von Langenlois Kamptal eben Grüner Veltliner. Sonst nichts Neues auf der Farbe Grün. Am hinteren, ebenfalls qietschgrünen Etikett alles Wichtige und gesetzlich Vorgeschriebene und diesmal schon mit dem offziellen Bio-Siegel. Daneben das Logo der Traditionsweingüter Österreichs und ebenso jenes von respekt. Beiden Organisationen gehört Fred Loimer an. Das war’s dann auch schon wieder mit Information. Und dann gibt’s noch den schwarzen Stelvin-Schraubverschluss mit LOIMER drauf, der jetzt mit einem kräftigen Knacks nach rechts gedreht wird, um den Inhalt artgerecht in die Freiheit zu entlassen.

Zitrusfrisch & pfefferfruchtig

In glasklarem gelbgrün leuchtet mir der GV Kamptal aus dem Glas entgegen. Typischer Veltlinerduft zieht saftig und verführerisch die Nasenflügel hoch. Viel Apfel, viel Zitrusfrucht und jede Menge frischer Wiesenkräuter sorgen für einen lebendigen Auftritt in der Nase. Elegant wie immer das typische Pfefferl, nicht zu viel und nicht zu wenig. Man spürt wie sich langsam aber sicher Speichel im Mundraum bildet und man am liebsten auf der Stelle reinbeissen möchte in diesen pfefferfruchtigen Saft. Animierend, fein und würzig neckt der Tropfen das Riechorgan.

Lebendig, pfeffrig, saftig-herb

Das macht Spass. Kaum steht der GV Kamptal auf der Zunge macht er seinen Koffer auf und schmeisst mit frischen Apfel- und Zitronenspalten um sich. Begeleitet von einer frechen Säure, die für Leben in der Futterluke sorgt. Unterstützt wird diese von einer würzigen Spur die sich über den Gaumen zieht. Gefühlt ist der GV Kamptal 2014 eine Nuance weicher als der aus 2012. Es scheint, als hätte er einen Tick mehr Körper und insgesamt ist er ein wenig dichter. Er hat Fülle, welche sich rund und überraschend stoffig am Gaumen ablegt. Auf der Zunge wie gewohnt saftig und frisch, sehr schön pfeffrig und am Gaumen jener delikate Hauch von herb, der Lust auf den nächsten grossen Schluck macht. Für den perfekten “Begleitschutz” sorgt auch 2014 wieder eine äusserst feine Mineralik die mit reichlich steinigen Noten zu gefallen weiss.

Läuft und läuft und läuft

Ich versuche verzeifelt herauszufinden, was den 2014 von 2012 unterscheidet und finde eigentlich nicht wirklich viel. Es sind bestenfalls Nuancen, was aber genauso gut einfach Tagesverfassung sein kann. Gewohnt frisch und saftig spielt der GV Kamptal auf der Zunge mit seinen grünen Apfel- und gelben Zitrusaromen, neckt sie, sticht sie kurz mit frecher Säure, um sich augenblicklich von seiner würzigen, pfeffrigen und mineralischen Seite zu zeigen. Da fliesst der Saft ganz frech über Zungenränder ab, forciert den Speichelfluss, während am Gaumen ein feiner herber Film vorbei zieht und für etwas Steinigkeit im Mund sorgt. Im Abgang fruchtig, ja, aber auch auch herb und griffig. Man spürt den straffen Körper, wie rund und weich er ist, und doch hat man stets einen eleganten, selbstlaufenden Wein im Mund.

Insgesamt ist der GV Kamptal der unverändert rassige, fruchtig-fröhliche Veltliner, den ich seit Jahren kenne und der mich jedes Jahrs aufs Neue vorzüglich unterhält. Saftig einerseits, herb andererseits. Wunderbar in Balance. Alles begleitet von frischem Pfeffer und klarer Mineralik. Wein zum Spielen. Oder noch besser zum Vernichten, im Sinn von leeren. In die Kehle, selbstverständlich. Von 12,5 auf 12 PS abgespeckt, was ihn nur noch unterhaltsamer macht. Wenngleich das halbe PS nicht wirklich ins Gewicht fällt. Auch wenn es sich besser anhört. So oder so ist der GV Kamptal wieder ein höchst erfrischender wie herrlich süffiger Wein, von dem man immer eine zweite Flasche im Kühlschrank haben sollte. Das weiss ich aus Erfahrung. Prost!

Tipp: Schrauber ab und weg damit. Den Wein mit 8-10º verputzen. Küchentechnisch ein Universaltalent. Klassisch zum Wiener Schnitzel und Backhendl. Oder einfach so. Weil er ohne Futter genauso Spass macht und von ganz alleine läuft.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner ‘Kamptal’ DAC 2014 von Fred Loimer aus Langenlois/Niederösterreich, Österreich.

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Kategorie: Loimer (A), Verkostet

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