Le Vieux Donjon 2015

| 21. Juli 2017 Alles lesen

Le Vieux Donjon 2015 Dass die Weine der Domaine Vieux Donjon zu den besten der Appellation Châteauneuf du Pape gehören weiss man. Was Lucien Michel und seine Frau Marie José jedes Jahr aufs Neue in die Flaschen füllen, ist einfach allerfeinster Stoff. Seit 2007 ist auch die Tochter der beiden, Claire, im Weingut aktiv und leitet dieses heute mit ihrem Bruder François. Ich habe heute die Gelegenheit einen ganz besonderen Wein der Domaine verkosten zu dürfen, den Le Vieux Donjon 2015. Ein klassischer Châteauneuf-du-Pape, der von den Trauben eines zwischen 90 und 100 Jahre alten Weinberges stammt. Grenache, Syrah, Cinsaut und Mourvèdre sind die Protagonisten, die in dieser Cuvée zum Tanz versammelt wurden. Bevor der gute Tropfen aber ins Glas darf, wird er für 90 Minuten in die grosse Karaffe umgefüllt um sich dort ausgehfein zu machen. Immerhin ist er ein junger Hüpfer und ich denke, dass es ihm ausgesprochen gut tun wird ein wenig Luft zu schnuppern. Danach geht´s los, ich bin gespannt und freue mich darauf.

Saftig & sinnlich

In wunderschön funkelndem kirschrot steht der Le Vieux Donjon im Glas. Fabelhaft ist das was sich die Nasenflügel hoch zieht. Da strömen Düfte von Kakao und Kirschen, von Cassis und Pfeffer, aber auch von Waldbeeren und etwas feuchtem Laub hoch. Eine dezente Würze als Untermalung sorgt für ein wenig Mystik in der Nase. Als Tüpfelchen ganz oben drauf, eine feine Trüffelscheibe. Wundervoll und sinnlich fühlt sich das an und macht grosse Lust auf den ersten Schluck.

Ein wahres Sinnesfeuerwerk

Die richtig grosse Nummer aber zieht der Le Vieux Donjon dann im Mund ab. Da fliesst ein Saft über die Zunge, der extraktreich, dicht und traumhaft kirsch-johannisbeerig ist. Im Schlepptau eine gute Schippe Erde und Kakao. Brombeeren spielen mit und auch ein wenig Schokolade. Das Gerbstoffkleid erlesen, fein und seidig, sehr präsent und doch ausgesprochen elegant. Da ist Druck im Mund, das hat Körper, ist rund ohne breit zu sein. Man versucht alles zu erfassen und muss sich eingestehen, dass man damit noch eine Weile beschäftigt sein wird, weil es gar so komplex und vielschichtig ist. Ein wahres Feuerwerk an Sinneseindrücken, an Geschmacksnoten und Gefühlen spielt sich ab im Mund. Das ist auf jeden Fall was Grosses was sich hier von seiner besten Seite zeigt.

Den Marathon läuft der auf einem Bein

Es ist schlichtweg phantastisch diese mürbe, aber doch sehr feine Tannin im Mund spüren, wie es sich sanft über die Zunge wälzt, den Gaumen damit einstreicht und alles in einen Nebel von Kakao und Schokolade einhüllt. Die dunklen Beeren tief darin vergraben, der Pfeffer ganz dezent im Hintergrund. Der feine Grip im Mund ist einfach traumhaft und während man versucht das ganze Spektrum des Le Vieux Donjon weiter zu erfassen, bleibt man im Abgang “hängen” und genießt ein fruchtig-würziges Spektakel, dessen Hauptdarsteller Kirschen und kleine Waldbeeren sind. Der Saft hat fast schon etwas Liköreskes, ein kleiner süsser Tick am Ende und dann wieder nichts als Saft und Würze. Immer mehr geht der Tropfen auf, immer mehr zieht sich mit der Zeit das Extrakt zurück und immer mehr tritt eine traumhaft erdige Mineralität in den Vordergrund. Der Wein wird feiner, leichter, er wirkt entschlackter und fühlt sich ungemein sexy an im Mund.

Ich habe den guten Tropfen jetzt seit drei Tagen offen, und was soll ich sagen? Der steht wie eine Eins, hat sich enorm entwickelt, ist rund und vollmundig ohne dick zu sein, hat Kraft und Saft, ist reif und doch sehr fein. Nichts lässt aus oder ist gar weniger geworden. Ganz im Gegenteil. Wie ein stolzer Pfau zeigt der Le Vieux Donjon sein gesamtes prachtvolles Aromenrad, steht selbstbewusst im Mund und signalisiert, dass er dieses Spiel ganz locker noch einmal drei Tage durchhält. Ein Traum von Kirsche und Kakao, von dunkler Würze und Cassis. Das ist ein richtiger Charakterkopf der mit Muskeln spielt und seinen tollen Körper zeigt. Ein genialer Partner für alles was medium bis rare am Teller liegt. Das ist ohne jeden Zweifel ein Chateauneuf-du-Pape mit WOW-Faktor. Ich würde sagen den kann man sich locker für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre in den Keller legen. Absolute Spitzenklasse.

Tipp: Geben Sie ihm ein bis zwei Stunden in der Karaffe und geniessen Sie ihn mit 16º zu einem Chateaubriand, zum dicken Porterhouse-Steak oder mal zur Wildschweinkeule. Auch Schmorgerichte veredelt dieser Tropfen ausgezeichnet und selbst zur rustikalen Küche macht er eine perfekte Figur.

Verkostet wurde ein Le Vieux Donjon rouge 2015 von der Domaine Vieux Donjon aus Châteauneuf-du-Pape, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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